the usual suspects

 

Adventszeit

Sonntag, 15. Dezember 2013

Adventsmarkt vor St. Stephan

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 3200

 
 

In Vlotho, wie wohl überall, läuft alles auf das magische Datum zu. Ich habe meine Runde über die Weihnachtsmärkte der Stadt gedreht, aber ich hatte wenig Zeit. Überhaupt ist fotografieren bei mir zur Zeit nicht so im Fokus (pun intended), das liegt aber nicht daran (wie nach den Sommerferien), dass mir die Motive hier zuhause zu „profan“ erscheinen (das ist sowieso wohl eher eine innere Einstellung, was etwas aussagt über meine Stimmung zu der Zeit...), sondern dass wirklich so viel anderes meine Aufmerksamkeit erfordert.

In der Praxis ist vor Weihnachten immer besonders viel zu tun, es muss alles gerichtet werden, was monatelang erfolgreich verdrängt wurde...das ist jedes Jahr das Gleiche. Aber darüber will ich mich auf keinen Fall beschweren, im Gegenteil, ich kann mich ja freuen, dass ich gebraucht werde.

Daneben wird es zunehmend aufwendiger, die vielen Auflagen zu erfüllen, die der Gesetzgeber uns in Bezug auf Praxisorganisation und Hygiene macht. Meine Hygienebeauftragte war gerade erst wieder zur Fortbildung in Münster und kam mit einem Wust an neuen Vorschriften zurück. Die Dokumentationswut findet kein Ende, man hat wirklich das Gefühl, dass die Behandlung von Patienten nur noch Nebensache ist. Jedenfalls nimmt einem das Ganze viel Elan.

Beim Valdorfer Weihnachtskonzert habe ich wieder mitgemacht (Solo-Flöte, wie letztes Jahr), das ist immer eine stressfreie Veranstaltung. Die Kirche war voll, meine Stücke waren Repertoire (Corelli etc.), da konnte ich ganz entspannt sein.

Ein interessantes Intermezzo war eine Anfrage einer guten Freundin, die Wirtschaftsprüferin ist, ob ich Werbeaufnahmen für ihr Büro machen kann, es ging um Gruppenbilder der Mitarbeiter und der Partner. Ich versprach nichts, aber erklärte mich zu einem Versuch bereit. Das Shooting fand dann im Foyer eines grossen Bankgebäudes statt, um eine „postmoderne“ Umgebung zu haben...

Als ich dorthin fuhr, hatte ich regelrecht Lampenfieber. Ich merkte da wieder, dass ich froh sein kann, dass ich mit fotografieren nicht meine Brötchen verdienen muss...

Die Fotos sind jetzt bei einer Werbeagentur, mal sehen, was die daraus machen.


Vor zwei Wochen bekam ich Nachricht, dass die A7r nun lieferbar sei. Aber obwohl ich noch vor einem Monat fest überzeugt war, dass ich sie mir anschaffen würde, zögerte ich plötzlich.

Sicher, die Reviews waren alle durchaus gut, aber was wollte ich mit der Kamera eigentlich für mich verbessern?

36 Megapixel? Wenn ich die bräuchte, hätte ich mir längst die Nikon D800 gekauft.

Autofokus? Bei meinen bevorzugten kritischen Lichtbedingungen ist der zu unberechenbar und langsam, als das ich davon eine Erleichterung hätte. Gerade jetzt in der dunklen Zeit auf den Weihnachtsmärkten wurde mir klar, wie viel zuverlässiger manuelles Fokussieren ist.

Den Todesstoss gab eigentlich Marcel Reichmann von Luminous Landscape mit seinem tatsächlich positiven Review. Aber ausgerechnet er, der sonst immer vor dem Vergleich reiner Messwerte warnt, hatte nichts anderes zu tun, als gleich eingangs darauf hinzuweisen, dass der Sensor ja nun bei DxO die Phalanx anführt.


Ha!


Als ob das neuerdings ein Kriterium für die Brauchbarkeit einer Kamera wäre. Erstens sind alle Sensoren, die in den oberen Sphären von DxO schweben (und dazu gehört auch der der M), nur marginal voneinander entfernt, zweitens habe ich meine Rückschlüsse gezogen, als damals der M9-Sensor so niedergemacht wurde. Komisch, dass so viele Fotografen mit dieser Kamera (noch heute) grossartige Ergebnisse haben, obwohl der in der Rangfolge weit abgeschlagen im unteren Drittel der DxO-Skala lag.

Weiterhin ist klar, dass es zuwenig gute Objektive für die A7 gibt, die dann auch Autofokus haben.

Wenn ich aber sowieso meine M-Objektive benutze, ist meine M eine wesentlich bessere Plattform, da sie wirklich dafür gebaut wurde. Die A7r bekommt Probleme bei unter 35mm Brennweite. Aber gerade ich, der gerne 28 und 21mm verwendet, müsste für jedes Objektiv und jede Blende einzeln Korrekturdaten erzeugen (in Cornerfix oder Adobe Flat Field Plugin). Das ist ein „pain in the ass“.

Dazu ist das manuelle Fokussieren bei der A7r zwar kein Problem, aber gegenüber der intuitiven Bedienung des Messsuchers viel langsamer.

Übrigens habe ich ja die Fuji X100s, erst neulich beim Kindergeburtstag auf der Eisbahn konnte ich mich wieder von der Schnelligkeit des Autofokus überzeugen. Da wäre die A7r ein absoluter Rückschritt. Dazu kommt die Qualität der Fuji-JPG‘s bei ISO 6400...


Alles zusammen genommen dämpft meinen Konsumzwang doch erheblich. Ich halte mir vorsichtshalber noch ein Hintertürchen frei, falls ich doch noch weich werde, aber zumindest im Augenblick sehe ich nicht, was ich mit dieser Kamera gegenüber der M gewinne.

Dabei begrüsse ich die Entwicklung absolut. Sie ist aber meiner Meinung nach ein evolutionärer Zwischenschritt. Ich glaube, ich warte lieber auf die Nachfolge.

Jedenfalls hole ich mir keinen Archaeopteryx, wenn ich schon einen Adler habe ;-)


Jetzt kommt der Schlussspurt bis Weihnachten, wir sind schon auf der Zielgeraden...ein Blog vor dem neuen Jahr ist unwahrscheinlich. Ich versuche jetzt lieber, mich in Ruhe dem anzunähern, was Weihnachten wirklich bedeutet.

Adventsmarkt vor St. Stephan

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 1000

Der Nikolaus auf dem Valdorfer Adventsmarkt

Diese Fotos habe ich mit der Filmemulation von Kodak Tri-X 400 überlagert

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/25sec    ISO 3200

Weihnachtskonzert in Valdorf

Leica M mit 75mm Apo-Summicron asph. bei f/2.0   1/125sec    ISO 800

Frohe Weihnachten!