Im Tannheimer Tal

 

Und Ein plädoyer für die Minimierung der ausrüstung.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Kurz vorm Gipfel des Geisshorns, Blick auf‘s Rauhorn.

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/1000sec    ISO 200

 
 

Dies Plakat hängt jetzt in der Gegend rund um Vlotho überall:

Letzte Woche waren meine Familie und ich im Tannheimer Tal. Dorthin kehren wir immer wieder zurück, nicht dass es nicht im gesamten Alpenraum wunderschöne Ecken gibt, aber vielleicht kennt ja der eine oder andere das Phänomen, dass man sich sofort an einem Urlaubsort zuhause fühlt, den man gut kennt.

Jedenfalls wird es dort nicht langweilig, an Variationsmöglichkeiten für Wanderungen mangelt es nicht. Ich kam sogar nach dem letzten missglückten Versuch, bei dem ich in Kopenhagen gelandet war, noch einmal dazu, mit dem Mountainbike eine Höhe zu erreichen, die über 50 m NN lag.

Jetzt sind wir schon eine Woche wieder da, die naturgemäss arbeitsreich war. Ich habe erst überlegt, ob ich einen Blog machen soll. Was, ausser einer reinen Beschreibung von Wanderungen, sollte ich da reinschreiben?

Schliesslich fiel mir ein, dass ich noch einmal eine Botschaft (die ich dauernd sende) sehr deutlich machen will:

Man braucht viel weniger Ausrüstung, als man denkt! Was genau, welche Präferenzen man bei Objektiven hat, muss jeder für sich selbst herausfinden.


Den ganzen Sommer über, sei es in London, Amsterdam, Berlin oder Kopenhagen, habe ich vier Objektive gebraucht. Von den vieren nimmt den Löwenanteil das 28mm Elmarit ein, ca. 60% der Bilder sind damit gemacht.

Dann das 50er Summilux, 20%

Mit jeweils etwa 5% der Bilder 21er Super-Elmar und 35er Summilux

(Das 35er Summilux hätte einen grösseren Anteil, wäre ich mehr bei Dunkelheit in den Städten unterwegs gewesen)


Aber bei diesem Verhältnis handelt es sich um die Gegebenheiten bei Städtetouren oder Wanderungen, die tatsächlich ähnliche Erfordernisse erzeugen.


Ginge es hier um Event-Fotografie, insbesondere bei Low-Light würden sich 50er und 35er Summilux alles teilen, mit einem kleinen Anteil an Tele-Brennweiten. Völlig andere Nummer.


Im Tannheimer Tal war ich in erster Linie zur Erholung, nicht weil ich grossartige Fotoprojekte hatte. Bei dem schönen Herbstwetter, das wir hatten, hätte es sich gelohnt, sehr, sehr früh aufzusteigen oder erst abends spät zurückzukehren, ggf. Nachtaufnahmen zu machen, der Sternenhimmel ist dort immer sehenswert, aber:

Ich war schlichtweg zu faul. Also nahm ich tagsüber bei Wanderungen die Kamera und machte Erinnerungsfotos. Mittagslicht, würg! Na und? Ich hatte keinerlei Verpflichtungen, etwas Aussergewöhnliches abzuliefern. Ich war im Urlaub.


In einigen Fällen hatte ich nur die Kamera mit dem 28er Elmarit dabei, das war völlig ausreichend.

Ansonsten hatte ich aus der Vergangenheit gelernt und nahm nur die Linsen mit, die ich auch wirklich brauchte, und das sind die auf diesem Bild. Dies ist die Ausrüstung, mit der ich 99% aller (meiner) Erfordernisse abdecken kann:

50er Summilux, 28er Elmarit (auf der Kamera) und 21er Super-Elmar zusammen sind mehr als Genug.

Ich persönlich lasse im Zweifelsfall immer das 28er auf der Kamera und den Rest zu Hause.

Fuji X100s  bei f/16   30sec    ISO 200

Bei Touren mit dem Mountainbike zum Beispiel ist nur die Kamera mit 28er dabei. Denn in den kleinen Rucksack muss, anders als im Sommer, zusätzlich eine lange Radhose, warme Jacke und Regenjacke. Werkzeug, Ersatzschlauch, ein kleines Erste-Hilfe Pack und das Ding ist prall gefüllt. Sicher, irgendwie könnte ich noch ein Objektiv reinquetschen, aber ich habe keine Lust auf das Gefummel unterwegs. Die Kamera liegt obenauf, an die komme ich sofort ran.

Paragleiter am Neunerköpfle, da war ich unterwegs mit dem Mountainbike.

Unten der Haldensee, gegenüber Rot Flüh und Gimpel

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/1000sec    ISO 200

Wanderung zur grossen Schlicke

mit Franz, unserem Wanderhotelier

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/1000sec    ISO 200

Wanderung zur grossen Schlicke

Hier wieder ein Beispiel für den Einfluss des Objektivcharakters. Obwohl die Aufnahmesituation ähnlich ist wie beim Bild zuvor, ist die Wirkung durch den Gebrauch des 50ers weit offen ganz anders.

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/350sec    ISO 200  ND Filter 0.9

Blick nach Bayern

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8   1/1000sec    ISO 200

Rast am Gipfel

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/6.8   1/500sec    ISO 200

Übrigens: Wenn man schon tagsüber bei nicht so günstigem Licht unterwegs ist, ruhig mal Gegenlichtsituationen (Contre Jour, Backlit Exposure) aufsuchen, die sind manchmal interessant.

Aufstieg zum Jöchle

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   1/750sec    ISO 200

Seespitze Vilsalpsee

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/1000sec    ISO 200

Unterwegs mit dem Mountainbike, der Weg zur Strindenalm

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/6.8   1/1500sec    ISO 200

Aufstieg zum Geisshorn

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/500sec    ISO 200

Aufstieg zum Geisshorn

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/1500sec    ISO 200

Das einzige, was bei Gegenlicht knifflig ist, ist die Belichtung. Man muss einen Kompromiss erwischen, bei dem die Spitzenlichter noch gerade eben nicht ausgebrannt sind, wenn es die dynamische Breite des Sensors hergibt (moderne APS-C oder Vollformat Sensoren sollten das schaffen). Bei der mittenbetonten Messung der M ist ein bisschen Trial und Error angesagt, wo man misst. Das Histogramm darf ruhig in die rechte Seite hineinlaufen (anders als sonst) erstens, weil die kamerainternen Histogramme sowieso die der JPG‘s sind und man daher noch etwas „Leeweg“ hat, zweitens, weil man ggf. ein Ausbrennen von Highlights sogar als stilistisches Mittel in Kauf nimmt. Wenn man fanatisch alles erhalten will, muss man HDR‘s machen, aber die wirken (meist, es gibt Ausnahmen) künstlich.

Also ist es im Zweifelsfall für das Foto besser, Highlights ausbrennen zu lassen, weil sonst die dunklen  Bereiche in der Nachbearbeitung so extrem hochgezogen werden müssen, dass sie rauschen wie ein Bergbach...


Wenn einem das alles zu kompliziert ist, einfach umdrehen, Sonne im Rücken...und Hey Presto!:

Postkartenbilder.

Das Bild von der Seespitze Vilsalpsee oben habe ich hier im Rücken. Auch ein nettes Motiv, aber wesentlich spannender wirkt meiner Meinung nach das Gegenlichtbild.

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/500sec    ISO 200

Also, nicht, dass man denkt, ich hätte nur riesige Totale aufgenommen, auch gerade mit dem 28er lassen sich Personen sehr schön porträtieren, aber das sind alles meist Familienbilder, die ich hier nicht so gern präsentiere.

Allerdings wird man bei der guten Sicht natürlich verführt, die umliegenden Berge (gerade bei Gipfelbesteigungen) abzulichten, was für den Unbeteiligten beim Betrachten der Bilder leicht ermüdend sein kann...

Einen Gipfel hatte ich mir auch dieses Jahr ausgesucht, das Geisshorn, einer der höchsten Berge dort. Die Familie zog es vor, im Tal zu bleiben, aber um das gleich richtigzustellen: Die ganzen Tage vorher waren wir immer zusammen gewandert.

Ich stieg am Morgen die etwas über 1000 Höhenmeter vom Vilsalpsee aus auf und freute mich, mein eigenes Tempo gehen zu können. Das Wetter war Vormittags noch sonnig, ab Mittags, da war ich schon beim Abstieg, verschwand die Sonne, das Wetter blieb aber gut.

Der Abstieg über die Rückseite (Nord) war extrem schwierig, weil supersteil und über Geröll. Als ich später mit Franz darüber sprach, sagte der natürlich, es wäre auch besser gewesen, da aufzusteigen, aber dann hätte ich nie die Fotos der Südseite machen können, die das morgentliche Sonnenlicht voll ausnutzten. Der Abstieg sieht nämlich aus wie die Rückseite des Mondes...

Geisshorn: Gipfel, gut besucht.

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8   1/1500sec    ISO 200

Geisshorn: Blick nach Süden

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/350sec    ISO 200

Übrigens, die Dohlen: Ganz wirksam, eine ins Bild zu nehmen, aber nicht auf Unendlich fokussieren! Bildkompositorisch ungünstig und für den Betrachter meist irritierend, wenn unscharfe Objekte im Vordergrund sind. Will sagen, der Vogel muss scharf dargestellt sein. Bei der Blende ist das Unendliche auch noch scharf (genug). Also technisch gesehen: Hyperfokal fokussiert.

Geisshorn: Blick nach Südosten, der südliche Teil des Tannheimer Tals, ungefähr Bildmitte oben: Gimpel und Rot Flüh

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/6.8   1/750sec    ISO 200

Geisshorn: Blick aufs Rauhorn

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/8.0   1/1500sec    ISO 200

Geisshorn: Abstieg über die Rückseite des Mondes, das Gröbste ist geschafft.

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8   1/2000sec    ISO 200

Und wie gesagt: Gerade aus der Woche viele, viele Postkartenbilder. Wollte ich einen Prospekt vom Tannheimer Tal machen, hätte ich mein Material zusammen.

Hier noch ein paar Bilder von einer (Familienwanderung) zum Gimpelhaus und Tannheimer Hütte, dann soll‘s gut sein.

Gimpelhaus.

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/6.8   1/350sec    ISO 200

Aufstieg zum Gimpelhaus

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/8.0   1/350sec    ISO 200

Kaiserschmarrn an der Tannheimer Hütte

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/6.8   1/500sec    ISO 200

Der Weg zum Bergzigeuner

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/250sec    ISO 200

Abstieg über Bergzigeuner

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/5.6   1/350sec    ISO 200

Jetzt bin ich schon wieder eine Woche im“Alltag“, aber man zehrt ja noch von seinem Urlaub. Ich persönlich bin auch noch mal da, wenn ich mich mit den Bildern beschäftige (zum Beispiel ein Fotobuch für die Familie mache, das wird immer lieber angesehen, als auf dem Monitor).

Wie immer: Keine Versprechungen, was den nächsten Blog anbelangt. Erst mal kommt jetzt die h-Moll Messe.

Familienporträt

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   1/500sec    ISO 200