Stars and Stripes

 

Ein Nachtrag zu Langzeitbelichtungen

Sonntag, 14. April 2013

Die Milchstrasse über Vlotho

Leica M9 mit 21mm Super-Elmar bei f/4.0   32sec    ISO 400

 
 

Der Frühling will noch nicht so recht kommen, Landschaftsfotografie zeigt noch karge Vegetation, das Licht spielt auch nicht so mit...kurz, es gibt nicht viel zu tun.


Nun hatte ich gestern eine Anfrage von zwei lieben Foto-Freundinnen, betreffend Fotos vom Nachthimmel. Die Frage war: Wie kann vermieden werden, dass die Sterne sich als „Strich“ abzeichnen?

Die richtige Antwort darauf wäre eigentlich: Gar nicht! Denn sei die Belichtungszeit auch noch so kurz, die Erde dreht sich doch unter dem Firmament weg, so ist immer Bewegung da.

Allerdings gibt es pragmatisch betrachtet einen Bereich, in dem die Sterne „annähernd“ punktförmig dargestellt werden.


Jedenfalls fiel mir dann ein, dass ich diese, durchaus wissenswerte Sache bei dem Tutorial über Langzeitbelichtungen schlicht ausgelassen hatte. Höchste Zeit für einen Nachtrag!

Wenn man sich nicht über bestimmte Gesetzmässigkeiten im klaren ist, wird einem die Kameraautomatik bei Nachtfotografie nicht die Arbeit abnehmen, auch der Belichtungsmesser versagt bei Sternenlicht seinen Dienst. Was dies betrifft, gilt das Motto der platonischen Akademie, das Kopernikus auf das Titelblatt seines Hauptwerkes „De Revolutionibus Orbium Coelestium“ schrieb:

„Ohne Kenntnis der Geometrie trete keiner ein!“


In der Astrofotografie benutzt man ja spezielle Nachführungsgeräte am Stativ, die die Erddrehung kompensieren, aber ein so teures Stück Equipment braucht man natürlich nur, wenn man sich mit Leib und Seele dieser Sparte verschrieben hat. Ein informativen Artikel darüber findet man hier.


Auch bei uns gewöhnlichen Landschaftsfotografen kommt es schließlich hin und wieder vor, dass man Nachtaufnahmen macht, eher selten „nur“ den Himmel, das finde ich persönlich wenig fesselnd. Bildkompositorisch halte ich es für günstiger, wenn sich im Bild ein „Erdgebundener“ Bezugspunkt findet (wie bei dem obigen Bild der Milchstrasse: Jeder Vlothoer wird den signifikanten Sender erkennen, damit auch einen Bezug herstellen können, es ist eben nicht „irgendein“ Himmel, sondern der über Vlotho).

Bei den meisten Nachtaufnahmen ist der Himmel nicht unbedingt Hauptmotiv (wie bei Astrofotografie), sondern eben „mit drauf“, aber er soll natürlich zur Bildwirkung beitragen. Bei sehr langen Belichtungszeiten ziehen die Sterne „Trails“, das wirkt beim Betrachten doch irgendwie störend.

Weserbrücke mit grossem Wagen (der am Himmel, Dummchen!)

Leica M9 mit 21mm Super-Elmar bei f/4.0   32sec    ISO 400

Zwei Parameter haben Einfluss auf die relative Sichtbarkeit der Erddrehung: Belichtungszeit und Brennweite.

Für die Kleinbildfotografie gibt es noch aus analoger Zeit folgende Faustformel:


600 : Brennweite = Maximale Belichtungszeit (Sterne annähernd punktförmig)


Exkurs: Zum Thema „punktförmig“ muss ich hier einfliessen lassen, dass das verwendete Objektiv auch in der Lage sein muss, Lichtquellen so darzustellen, sonst kann es sein, dass man bei dem Versuch, die Sterne zu fotografieren, in den Wahnsinn getrieben wird...

Diese Eigenschaft ist nämlich nicht bei allen Objektiven zu finden. Hochwertige Objektive sollten das allemal leisten, aber in meiner Canon-Zeit bin ich Objektiven begegnet, die Sterne wie Eieruhren darstellten. Sehr surrealistisch, mehr was für Salvatore Dali...


Die Formel gibt also für jedes Objektiv einen gewissen Belichtungsspielraum vor, mit dem ich auskommen muss, wenn ich den Anspruch habe, die Sterne ohne Trails darzustellen.

Beide Fotos oben sind mit einem 21mm-Objektiv gemacht, ca. 30sec sind also möglich.

Ein 50mm Objektiv gibt mit aber nur etwa 12sec. Die geringere Belichtungszeit kann ich nur durch höhere ISO-Werte kompensieren, sonst ist das Foto unterbelichtet.

Das hat den Nachteil, das Bildrauschen zunimmt. Gerade bei Nachtaufnahmen wird das bei den vielen Schatten schnell offensichtlich, wenn man zudem die Raw-Datei in Lightroom noch etwas „puscht“ (will sagen: Die Belichtung erhöht). Ich versuche, wenn‘s geht, mit dem niedrigsten ISO-Wert wie möglich klar zu kommen, so bleibt Spielraum nach oben für die Raw-Datei.

Bei den meisten modernen Kameras ist allerdings ein höherer ISO-Wert kein Problem mehr. Selbst bei meiner „alten“ Canon 5D II konnte ich Nachtaufnahmen mit ISO 1600 machen (vorausgesetzt, sie waren korrekt belichtet).


Für Kameras mit Crop-Faktoren (namentlich APS-C Sensoren, wie Fuji X-Pro1, X-E1, X100s) muss man bei Anwendung der Formel das Kleinbild-Äquivalent des jeweiligen Objektivs zur Berechnung verwenden.

Das 35mm Fujinon XF- Objektiv also (Crop-Faktor etwa 1,5) ist wie ein 50mm bei Kleinbildgrösse zu betrachten.

Ebenso: 14mm Fuji wie 21mm Kleinbildformat, 23mm (X100s) wie 35mm Kleinbildformat, 18mm Fuji wie ca. 28mm Kleinbildformat etc.

Rosengarten, Südtirol

Canon Eos 5D II mit EF 50mm  bei f/2.5   20sec    ISO 1000

Noch eine Anmerkung: Der Sternenhimmel wird immer um so prominenter sein, je weniger Lichtquellen  sonst vorhanden sind. Wenn man nun Wert darauf legt, einen lupenreinen Sternenhimmel abzulichten, muss man sich eigentlich sehr weit (für Astro-Fotografie gut 100km) von künstlichen Lichtquellen (Städten) entfernen. Das wird in Europa schwierig...

Bei mir Zuhause (in Vlotho) musste ich für die Aufnahme ganz oben (Milchstrasse) bis nach 01:00 Uhr Nachts warten, weil dann die Strassenbeleuchtung ausgeschaltet wird.

In den Alpen z. B. sind die Bedingungen im allgemeinen schon besser.

Des weiteren sind Mondhelle Nächte auch äußerst ungeeignet, will man Sterne fotografieren. Bei den erforderlichen Belichtungszeiten ist der Mond immer gigantisch hell! Alle Landschaftsfotos im „Mondlicht“, auf denen der Mond mit seinen Strukturen abgebildet ist, sind verdächtig...die Versuchung ist gross, einfach den Mond separat zu fotografieren (mit wesentlich kürzeren Belichtungszeiten) und später „malerisch“ einzufügen. Bisher habe ich von solchen Photoshop-Aktionen Abstand genommen. Fotografiert man den Mond wirklich mit, sieht das etwa so aus:

Milchstrasse über Oberbotsen, Südtirol

Canon Eos 5D II mit EF L 16-35mm  bei f/2.8   30sec    ISO 1000

Der helle Schein am unteren Rand sind die Lichter von Botsen. Die Bäume habe ich mit einer Taschenlampe angeleuchtet, damit sie nicht nur Silhouetten sind.

Vlotho: Viel Restlicht, wenig Sterne

Canon Eos 5D II mit EF L 35mm  bei f/2.0   3sec    ISO 1600

Was sollte man sich also generell merken? Je länger die Brennweite, um so mehr sitzt man in der Bredouille!

Dabei kann das Gegenteil, nämlich mit sehr langen Belichtungszeiten extra lange Trails zu erzeugen, ein toller Effekt sein.

Astro-Fotografen belichten unter Umständen stundenlang, um komplette Kreise am Himmel zu erzeugen.


Das bin ich aber nicht, ist mir zu speziell, ich bin schon zufrieden, wenn ich bei klarem Himmel die Sterne angemessen darstellen kann. Darum dieses Tutorial.


Was man sich noch als Ziel setzen kann, wenn man sich seiner Technik sicher ist, ist das „Einfangen“ von Sternschnuppen im Bild.

Jedes Jahr um den 12. August herum kommen z.B. die „Perseiden“, ein Meteoritenschwarm, in Erdnähe. Viele verglühen in der Atmosphäre. Sternschnuppen eben.

Letztes Jahr habe ich mich 2 Nächte lang auf die Lauer gelegt (immer nach 1 Uhr, wegen der Strassenbeleuchtung). Es war geradezu tragikomisch: Jedes mal, wenn ich die Kamera auf einen Stück Himmel gerichtet hatte und eine Belichtung im Gang war, kam garantiert eine riesige helle Sternschnuppe auf der anderen Seite herunter. Ich habe Dutzende gesehen. Immer an der falschen Stelle. Ich bin froh, dass es dunkel war. Hätte mich jemand gesehen, wie ich ständig vor Wut hinter der Kamera auf und ab gehopst bin, wäre ich vermutlich von ein paar freundlichen Herren unter beruhigenden Worten weggeführt worden zur nächsten psychiatrischen Klinik...

Ich versuch‘s vielleicht diese Jahr noch mal, wenn der Himmel klar ist.

Ach ja, um den 13. Dezember herum gibt‘s auch viele Sternschnuppen, aber die Nächte sind dann so kalt (bibber).



Die Ausstellung mit meinen Vlotho-Bildern läuft noch bis 30. April. Ich war heute dort, Frank Upmeier (der Inhaber von Foto-Quip) berichtete mir, dass immer noch ein stetiger Besucherstrom deswegen sein Studio besucht. Einige Bilder wurden verkauft (dass hatte ich vorher gar nicht bedacht, musste mir Gedanken über Preise machen. Der Erlös geht wie immer an den Freundeskreis Kirchenmusik).


Nächste Woche wird vom Stadtmarketing der neue Innenstadtrundweg offiziell vorgestellt, für den dazu gehörigen Flyer verwendete die Designerin meine Fotos von den entsprechenden Wegpunkten.

Das findet nächsten Sonntag statt, da ist in der Innenstadt einiges los, mal sehen, ob es da nicht was zu fotografieren gibt (so das Wetter mitspielt).


Und: Bald geht‘s wieder zur Ardèche, hurra! Noch 4 Wochen...

Dieses leckere Törtchen bekam ich von ein paar lieben Freunden zur Ausstellungseröffnung geschenkt.

Leica M9 mit 50mm Summilux bei f/2.0   1/125sec    ISO 160

Viel Mond, wenig Sterne. Da muss man eine Wahl treffen...

Canon Eos 5D II mit EF L 35mm  bei f/2.8   6sec    ISO 1600