Stadtansichten

 

Der 1.Teil der Ferien...

Sonntag, 18. August 2013

Eine Weltbekannte Eisenkonstruktion, hier meine persönliche Kombination von Licht und Perspektive

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/16   1/1000sec    ISO 200

 
 

Wer das Bild oben sieht, braucht wohl nicht lang zu raten, wo meine Familie und ich dieses Jahr die ersten 4 Tage unseres Urlaubs verbracht haben. Ein Tipp: Es war nicht St. Peter Ording...


Eigentlich ist es geradezu vermessen, zu glauben, man könnte noch etwas Neues aus dieser Stadt zeigen. Aber als ich dort war, hatte ich mit vorgenommen, meine ganz persönliche Sicht von Paris zu erstellen. Dabei scheute ich mich auch nicht, trotzdem die üblichen, millionenfach fotografierten Motive abzulichten. Aber ich versuchte sie in ihrem „Kontext“ darzustellen, und das sind die Menschen(-Massen), die täglich dort strömen.

Statt zu versuchen, die vielen Menschen irgendwie aus den Fotos herauszuhalten, wollte ich sie lieber einbeziehen, denn sie sind es ja, die der Stadt ihr Gesicht geben.


Wer Paris gut kennt, möge mir nachsehen, dass ich natürlich die Hauptattraktionen besuchte, denn meine Töchter waren noch niemals da.

Die subtileren Ziele in Paris hatte ich selbst vor 25 Jahren kennengelernt, als eine gute Freundin meiner Frau an der Sorbonne studierte und wir sie öfter besuchten...


Wenn ich längere Zeit in Paris wäre, würde ich mir sicher allmählich ganz andere Motive suchen, aber dieses „Level“ konnte ich in der kurzen Zeit nicht erreichen.

Die Menschen und der Turm, später Nachmittag

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/5.6  1/1000sec    ISO 200

In Paris hat wirklich jeder Tourist eine Kamera bei sich. Ganz eindeutig die meisten schleppen eine dicke Canikon mit ebenso dickem Zoom-Objektiv herum. Besonders die vielen Besucher aus Fernost sind mit High-End Modellen ausgestattet, nicht wenige haben sogar ein Stativ dabei. Millionenfach rattern die Verschlüsse...

Es ist ein alter Hut, aber ich war mal wieder froh, das mich meine Ausrüstung so wenig belastet. Die meiste Zeit habe ich das 28mm Elmarit benutzt, klein und schnuckelig. Ab und zu wechselte ich auf das 21mm Super-Elmar oder 50mm Summilux (bei Tage mit ND-Filter).

An einem Abend hatte ich das 35mm Summilux dabei, das für einen speziellen Job genau richtig war, an einem anderen Tag das 12mm Voigtländer Heliar, mit dem ich ein paar knallige Perspektiven verwirklichen konnte.

Meine kleine Billingham-Tasche war nicht mal voll, wenn ich loszog. Sie war übrigens für Paris ganz gut geeignet, denn erstens hat sie einen stark gewobenen Trageriemen (den man natürlich quer über der Brust trägt), der sich nicht so schnell durchschneiden lässt, zweitens konnte man sie in der Metro oder in Menschenmengen gut nach vorne nehmen und eine Hand darüberlegen. Denn Taschendiebe sind in Paris ein grosses Problem.

Grossstädter, die dies lesen, werden milde lächeln, weil das für sie selbstverständlich ist, aber für mich „Landpomeranze“ war das schon ein Grund, sich Sorgen zu machen. Ich wollte mir meine M nicht gerne klauen lassen. Zwar ist sie versichert, aber ich habe keine Lust, 12 Monate auf Ersatz zu warten...

Dicke Kameras, wo man auch hinsieht...

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/1500sec    ISO 200

Wie Eingangs erwähnt, wenn man so eine Stadt durchstreift, gibt es verschiedene „Ebenen“. Zum einen die direkten Touristenattraktionen, die alle aufs Korn nehmen. Ich habe kein Problem damit, das auch zu tun, wenn ich auch dabei versuche, durch Licht/Perspektive/menschliches Umfeld eine persönliche Interpretation zu geben. Wenn manche „Postkartenbilder“ dabei herauskommen, okay, die muss man auch erst mal machen können...

Ich sah einst ein Portfolio eines Berufsfotografen von einer Reise nach Berlin. Der hatte wohl so viel Angst, sich vorwerfen zu lassen, es könnte ein „Touristenfoto“ dabei sein, dass dabei eine Sammlung von Fotos von U-Bahnschildern und Strassenecken herausgekommen ist. Eindeutig überkompensiert...


Da ich die meiste Zeit mit meiner Familie unterwegs war, hatte ich nicht so viel Ruhe, zum nächsten „Level“ vorzudringen, das sind eben mehr die Details oder nur die Menschen selbst, was man wohl im Kern als „Street-Fotografie bezeichnen kann.

Aber wenn ich so was mache, muss ich allein sein. Manchmal warte ich sehr lange an einer Stelle und beobachte nur, warte auf richtiges Licht, oder die richtigen Menschen...darauf nimmt keine Familie Rücksicht, kann man auch nicht verlangen.

Aber zweimal habe ich mich kurz „abgeseilt“ und mich mehr auf die Menschen fixiert. Die meisten dieser Fotos sind im Album zu sehen, das ich vom Parisbesuch zusammengestellt habe.

Performance

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4  1/1000sec    ISO 200      ND-Filter 3 Blendenstufen

Paris sehen und sterben...

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/2000sec    ISO 200

Königsmumie hat Mittagspause...

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4  1/180sec    ISO 200      ND-Filter 3 Blendenstufen

Die warme Sonne von Paris auf dem Angesicht

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/5.6  1/1500sec    ISO 200

Vor der grossen Uhr im Musee D‘Orsay

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/4.0  1/1000sec    ISO 200

Selbstporträt

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4  1/3000sec    ISO 200      ND-Filter 3 Blendenstufen

Aber das Wetter war so gut, Paris so farbig, dass es schade wäre, alles nur S/W zu zeigen.

Bei all den vielen Touristen bin ich keinem anderen mit einer Leica über den Weg gelaufen. Bis auf eine Ausnahme. Am ersten Nachmittag am Eiffelturm fiel mir ein Herr auf, der sich sozusagen im „Tarnmodus“ durch die Menge bewegte, die kleine Kamera in der hohlen Hand hielt und sie nur ab und zu schnell ans Auge hob und abdrückte. Er hatte einen Rauschebart und erinnerte vom Aussehen irgendwie an Karl Marx. Die Kamera konnte ich schnell als analoge Leica M6 identifizieren, also tippte ich ihn an, worauf er sich überrascht umdrehte. Mein französisch ist ein wenig holprig, aber es war schnell klar, warum ich seine Bekanntschaft gesucht hatte und wir hatten eine kurze Unterhaltung über die Vorzüge der Messsucherfotografie. Leider musste ich weiter, meine Familie hatte ich schon aus den Augen verloren, also verabschiedete ich mich.

Aber am nächsten Morgen am Montmatre sah ich ihn wieder! Das ist schon ein Zufall in so einer Millionenstadt! Ich rief ihn an: „Bonjour, Monsieur Cartier Bresson!“, woraufhin er lächelnd zu mir kam und wir die Unterhaltung vom Vortag fortsetzten. Meine Familie war total verblüfft, dass ich einen für sie völlig Fremden wie einen alten Bekannten begrüsste, denn sie hatten das Treffen am Vortag nicht mitbekommen.

Ich bereue nachträglich, dass wir uns nicht formell vorgestellt haben, denn so weiss ich nicht einmal seinen Namen.

Später musste ich mir noch bissige Bemerkungen über „sektenähnliches“ Verhalten von Leica-Fetischisten anhören...ja, ja, der Prophet gilt nichts im eigenen Lande...

Am Place de la Concorde

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4  1/3000sec    ISO 200      ND-Filter 3 Blendenstufen

An der Seine

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/8.0  1/3000sec    ISO 200

Normalerweise benutzte ich die M als klassische Messsucherkamera, das heißt, mit der M9 hätte ich im allgemeinen ebenso klar kommen können.

Aber es ist natürlich nichts Neues mehr, wenn ich jetzt auf die Stärken der M hinweise: Live View und die hohe ISO-Empfindlichkeit.

Beides zusammen ermöglichten mir Aufnahmen, die so mit einer M9 nicht entstehen könnten. Wenn das Licht in Paris schwindet, wird‘s nämlich erst richtig interessant. Genauso gibt es Kirchen und Museen, in denen es auch nicht so hell ist. Z.B. Notre Dame.

Am Place de la Concorde

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/4.0   1/4000sec    ISO 200

Am Miro-Brunnen

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/4.0  1/3000sec    ISO 200

Notre Dame de Paris

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/2000sec    ISO 200

Notre Dame de Paris

Leica M mit 28mm Elmarit  bei f/2.8   1/90sec    ISO 2000

Wir haben auch eine abendliche Seine-Fahrt gemacht, da sind die Lichter der Stadt schon eine Augenweide. Mit der M9 wären da die Grenzen des Machbaren überschritten gewesen, denn wenn ich sonst zum Stativ greifen würde, geht das auf einem Schiff natürlich nicht. Entweder aus der Hand mit entsprechend kurzer Belichtungszeit oder gar nicht.

Das heißt, mit einer modernen High-End DSLR hätte ich diese Bilder auch machen können, aber nur mit entsprechenden Objektiven. Dabei muss man sich dann mit der sperrigen Ausrüstung den ganzen Tag plagen. Und was für Objektive die entsprechende Leistung bei Dunkelheit bringen, ist dann auch noch eine Frage für sich...

Natürlich noch zu nennen: Die Sony RX1 wäre gut geeignet für so etwas. Ich habe aber Zweifel, ob der elektronische Sucher (so gut er auch sein mag) bei der Dunkelheit auch nur annähernd einen optischen Sucher ersetzen kann. Und es bleibt bei 35mm, während ich 35, 50, 28 und 21 mm einsetzen konnte.

Fuji X-Kameras würden vielleicht auch gehen, ebenso die Olympus OM-D E-M5, aber mit Abstrichen bei der Bildqualität.

Nochmal Notre Dame

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4  1/25sec    ISO 2000

Auf der Seine, kurz nach Sonnenuntergang

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.8  1/60sec    ISO 1250

Musee D‘Orsay

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/2.4  1/25sec    ISO 1250

Die Brücken von Paris

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4  1/25sec    ISO 1600

An der Seine-Insel

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.4  1/45sec    ISO 2000

Spiegelungen

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4  1/25sec    ISO 2000

An der Reling

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4  1/30sec    ISO 2000

Zurück zum Eiffelturm

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4  1/30sec    ISO 2000

Am Anleger

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4  1/125sec    ISO 2000

Wie man sieht, kommt hier das 35mm Summilux voll zur Geltung. Mit der M wäre aber auch ein Summicron in dieser Hinsicht voll einsetzbar.

Belichtung habe ich manuell eingestellt, weil die Mittenbetonte Messung bei Dunkelheit immer überbelichten will, Mehrfeld- oder Spotbelichtung kommt nicht in Frage, weil mich die Auslöseverzögerung nervt. Die ISO-Zahl habe ich mit schwindendem Licht langsam höher gestellt, musste aber nicht über 2000 gehen.


An einem Tag hatte ich auch das 12mm Voigtländer dabei. Im Schloss von Versailles, in der Oper und in Notre Dame kann man damit interessante Bildwirkungen erzielen, aber es ist eben schon nur sehr speziell einsetzbar, daher habe ich es meist nicht routinemässig dabei wie mein 50er oder 28er.

Ich war zu faul, den elektronischen Sucher mitzunehmen, also habe ich mich überwunden und die Bildkomposition mit dem Kameradisplay durchgeführt. Für die paar Mal ging das ja noch...

Chagall- Decke in der Oper

Leica M mit 12mm Voigtländer Heliar bei f/5.6  1/12sec    ISO 3200

Am letzten Tag hatten wir Nachmittags noch das Musee D‘Orsay besichtigt, sehr empfehlenswert besonders wegen der vielen Impressionisten, die dort ausgestellt sind. Da kann man auch als Fotograf den Umgang mit Licht und Bildkomposition bei den ganz Großen studieren.

Als wir aus dem Museum kamen, war meine Familie verständlicherweise müde. Ich aber konnte mich noch nicht überwinden, unser Quartier in Versailles aufzusuchen, sondern blieb noch in der Stadt, denn das Licht hatte an dem Nachmittag eine seltene Qualität.

Ich streifte fast ziellos durch die Stadt und genoss das Leben...als das Licht schwand, war ich am Louvre.

Cafe an der Seine

Leica M mit 28mm Elmarit  bei f/8.0   1/500sec    ISO 200

Grand Palais

Leica M mit 28mm Elmarit  bei f/8.0   1/750sec    ISO 200

Im Musee D‘Orsay

Leica M mit 28mm Elmarit  bei f/4.0   1/125sec    ISO 2500

Strassencafe

Leica M mit 28mm Elmarit  bei f/2.8   1/1500sec    ISO 200

In der Stadt

Leica M mit 28mm Elmarit  bei f/3.4   1/2000sec    ISO 200

Montmatre bei letzten Sonnenlicht

Leica M mit 50mm Summilux asph.  bei f/2.8   1/750sec    ISO 200

Menschen an Montmatre

Leica M mit 50mm Summilux asph.  bei f/1.4   1/3000sec    ISO 200

Die Glaspyramiden am Louvre

Leica M mit 28mm Elmarit  bei f/3.4   1/125sec    ISO 800

Die Glaspyramiden am Louvre

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/25sec    ISO 3200

Die Glaspyramiden am Louvre

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/30sec    ISO 3200

Die Glaspyramiden am Louvre

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/25sec    ISO 3200

Der kleine Triumphbogen

Leica M mit 28mm Elmarit  bei f/3.4   1/30sec    ISO 3200

Die Bilder am Louvre waren die letzten, die ich in Paris gemacht habe. Dann setzte ich mich in die Metro und fuhr nach Versailles, wo wir logierten.


Insgesamt fiel es mir schwer, die Bilder für diesen Blog auszusuchen. Irgendwie habe ich immer das Gefühl, das etwas fehlt, was ich noch zeigen sollte. Ich habe wesentlich mehr Details, auch Menschen, fotografiert, die das Gesamtbild der Fotos von Paris mehr vervollständigen.


Wer mehr Paris-Fotos sehen will, kann sie hier auf der Album-Seite ansehen.


Wir fuhren am nächsten Tag weiter in die Bretagne, um noch ein paar ruhigere Tage dort zu verbringen. Dort habe ich wesentlich weniger fotografiert, aber das Wetter war sehr schön, so dass ich wohl noch einen Folge-Beitrag bringen werde, mit „Ansichtskarten aus der Bretagne“...