Sommerkonzert

 

Dienstag, 03. Juli 2012

Am Kornfeld

Fuji X-Pro1 mit Fujinon XF 35mm bei f/4.0  1/2000sec  ISO 200

Das Sommerkonzert der Musikschule Porta Westfalica war eine Veranstaltung, in der alle Gruppen zusammengefasst wurden und ihr Können zeigten. Hier präsentierte sich die Vielfalt des musikalischen Angebots der Schule.

Ich wurde von Katharina Ehlenbröker, der „Chefin“ unseres Flötenquartetts, die ebenfalls (neben ihrer eigenen, privaten Musikschule) dort unterrichtet, im Namen des Kollegiums gebeten, Fotos von diesem Konzert zu machen, da die Musikschule vor allem für ihre Webpräsenz vorzeigbare Fotos brauchte.

Das allein war natürlich schon ein Kompliment. Sie hatte wohl noch in Erinnerung, als ich im Januar die Fotos vom Vorspiel ihrer eigenen Musikschule gemacht hatte.

Aber zu viel „Vorschusslorbeeren“ tragen nicht zur Entspannung bei, ich kam mir ein bisschen vor wie Jogi Löw vor dem Italien-Spiel...

„Great Expectations“, frei nach Dickens, aber eigentlich fühlte ich mich für den Job schon reif. Schliesslich hatte ich ähnliche Veranstaltungen schon öfter begleitet.

Wie ich mich auf ein solches Event vorbereite und was es zu beachten gibt, habe ich schon mal in diesem Blog-Beitrag geschildert.


Es war Samstag, und irgendwie stand der ganze Tag im Zeichen meines Hobbys. Als ich morgens um 4 Uhr aus dem Fenster schaute, sah der Himmel vielversprechend aus. Da es ja bekanntlich im Juni wenig gutes Wetter (und damit wenig gutes Licht für Landschaftsfotografie) gab, schnappte ich mir kurzentschlossen Stativ und M9 und fuhr auf den Winterberg. Ich hatte viel weniger Landschaftsbilder als im Vorjahr gemacht und wollte sehen, ob ich für den kommenden Kalender etwas „auf die Platte“, respektive den Sensor, bannen könnte...

Nun ist die Welt voll mit Sonnenauf-und Untergängen, aber es ist eben doch immer was anderes, wenn man die Heimat erkennt. So also begann der Tag:

Blick vom Winterberg

Zu diesem Bild sei angemerkt: Durch das Superweitwinkel rückt die Landschaft selbst in den Hintergrund. Verantwortlich für die Bildwirkung ist die Weite des Himmels und das Licht auf der Fläche des Getreides. Mit dieser Einstellung wollte ich also wirklich „Weite“ und „Raum“ suggerieren.

M9 mit 21mm Super-Elmar Asph. bei f/4.8  1/60sec  ISO 160

Ich fand die obige Bildkomposition am besten, aber selbstverständlich gibt es auch Varianten, bei denen mit langer Brennweite die Sonne sehr gross über den dunstigen Silhouetten der Berge erscheint.

Der Tag ging weiter und ich hatte um 11 Uhr eine Einladung zur Trauung einer meiner langjährigen Helferinnen. Um auf alles vorbereitet zu sein, nahm ich natürlich die M9 mit...

Es war eine sehr schöne und harmonische Feier an der Windmühle in Exter, die, nebenbei bemerkt eine der bestrestauriertesten Windmühlen in der Gegend ist.

Hochzeit

Leica M9 mit 35mm Summilux bei f/4.0  1/1500sec  ISO 160

Ich konnte ein paar schöne, aber schliesslich auch sehr persönliche Schnappschüsse machen, über die sich das Hochzeitspaar dann auch gefreut hat. Das Bild oben, als typische Hochzeitsszene, ist ganz unverfänglich und kann ruhig gezeigt werden.


Am Nachmittag, weil so schönes Wetter war, dachte ich wieder an meinen Kalender und dass ich so wenige Fotos von diesem Juni hatte, schwang mich auf mein Mountain-Bike und fuhr los, auf der suche nach dem rechten Licht (was nachmittags normalerweise schwierig ist).

Es kam auch etwas Brauchbares dabei heraus, aber ich will ja nicht alle potentiellen Kalenderbilder schon im Voraus zeigen, wo bleibt da die Überraschung...


Dann war es aber Zeit, zum Gymnasium nach Porta zu fahren, denn getreu meinen eigenen Grundsätzen wollte ich sehr früh dort sein, weil ich die örtlichen Gegebenheiten nicht kannte und mich in Ruhe darauf einstellen wollte. Die gute Erfahrung aus der Vorwoche (bei „König David“) ließ mich neben der M9 auch die Fuji X-Pro1 mitnehmen. Die lange Brennweite auf dieser Kamera gibt mir auch bei schummrigen Lichtverhältnissen die Möglichkeit, noch mit kurzen Belichtungszeiten Bewegungsunschärfen der Personen zu vermeiden.

Es war gut, dass ich mich früh genug mit den Lichtverhältnissen in der Aula des Gymnasiums Porta vertraut machte, denn wie immer, wenn sich Kunstlicht mit Tageslicht mischt, hatte das seine speziellen Tücken. Ein Teil der Halle war vom Licht der Fenster erhellt, dort, mit den Fenstern im Rücken, liess sich am unkompliziertesten belichten. Weiter zur Gegenseite wurden die Gegebenheiten immer ekliger, weil sich dort auch noch Lampen verschiedener Lichttemperatur mischten, teilweise sehr orange-gelb im Bühnenbereich, bis zu eher grün über dem Zuschauersitzen. Ich musste bei den Farbbildern im Postprocessing beim Weissabgleich ziemlich „jonglieren“, um einen vernünftigen Kompromiss zu finden.

Die Belichtungskorrektur der M9 hatte ich meist bei +1/3 bis +2/3, interessanterweise stellte ich fest, dass die X-Pro1 dort eher zur Überbelichtung neigte, so dass ich meist bei -1/3 Korrektur war. Seltsam, denn bei normalem Fotografieren „draussen“ verhält sich die Kamera wie alle, d. h. im allgemeinen ist die Korrektur nach oben nötig, um dem Grundsatz „expose to the right“ gerecht zu werden.


Anmerkung: Expose to the right bezieht sich auf das Histogramm eines Bildes. Ein Kamerasensor hat im oberen Drittel des Histogramms das effektiv beste Signal zu Rauschen (signal/noise)-Verhältnis, sollte also im Moment der Aufnahme eher überbelichtet werden. Bei der konvertierung der RAW-Datei kann dies zurückgenommen werden, daraus resultiert ein Bild von hoher Dynamik, ggf. können die Schattenbereiche besser geöffnet werden, ohne dass man sich zuviel Rauschen einfängt. Kurz: Der Sensor wird so optimal ausgenutzt. Dies gilt grundsätzlich für alle Digitalkameras mit Bayer-Array-Filter, sprich Farbsensor, denn jetzt, da es die Leica M-Monochrom („Henri“) gibt, ist deren reiner Schwarzweiss-Sensor die Ausnahme von der Regel.

Eine sinnvolle Belichtungskorrektur ist der Schlüssel zu hochwertigen Bilddateien. Das setzt allerdings voraus, dass man ein Histogramm vernünftig lesen kann...nun ist das nicht gerade „Raketentechnologie“, man muss einfach zwei, drei Dinge wissen, um so ein Histogramm richtig zu deuten. Vielleicht mache ich darüber mal einen gesonderten Blog-Eintrag. Immerhin kann man in dem älteren Blog-Beitrag „Der Mythos von der Bildbearbeitung“ schon mal nachlesen, wie ein Histogramm auszusehen hat und was man beachten sollte, nur, dass die Bearbeitungsschritte in Lightroom 4 jetzt anders sind als in der 3er-Version, die dort noch beschrieben wird.

Darum mache ich vorher einige Probebilder, sehe mir die Histogramme an und passe mich entsprechend an. Überhaupt ist das der einzige Grund, warum ich zwischendurch die Bildrückschau der Kamera betätige, das Bild ist mir egal, die Schärfe kann ich auf dem Display sowieso nicht beurteilen, das Histogramm ist wichtig, nur das schaue ich mir an.


Ich begann darum, schon eine Stunde vorher, noch bei den Proben, Fotos zu machen und arbeitete sehr konzentriert bis zum Schluss des Konzertes.

Dabei wechselte ich oft die Kamera, eine Taktik, die mir viel Objektivwechsel ersparte. Dennoch verzichtete ich nicht darauf, auf der M9 öfter von 50 auf 35mm Summilux, gelegentlich auf 21mm Super-Elmar und 75mm Apo-Summicron zu wechseln.

Die Fuji mit dem 60mm-Objektiv (das sind 90mm Kleinbild-Äquivalent) war mir sehr nützlich und ähnlich wie die M9 beim arbeiten nicht im Weg. Die Direktheit der Kontrollen erlauben sofortigen Zugriff auf Schlüsseleinstellungen. Sie ist wirklich eine „No-Nonsens-Kamera“ und verdient das Pro im Namen.

So konnte ich damit auch wichtige Momente einfangen. Aber es ist wie es ist: Unabhängig von der Bildaussage haben die Bilder aus der M9 noch etwas mehr „Tiefe“, „Punch“, „Charakter“, schwer zu beschreibendes Etwas, was sie von allen anderen Kameras abhebt. Da nützt es auch nichts, das der Sensor der Fuji einer der modernsten überhaupt mit völlig neuer Technologie ist. Die Leica mit ihren Spitzen-Objektiven und dem Vollformatsensor ist eine Klasse für sich.

Beim Stimmen

Leica M9 mit 50mm Summilux bei f/1.4  1/180sec  ISO 160

A chorus line...

Leica M9 mit 50mm Summilux bei f/1.4  1/60sec  ISO 200

Vis a vis

Leica M9 mit 50mm Summilux bei f/1.4  1/90sec  ISO 160

„In Concert“

Leica M9 mit 50mm Summilux bei f/1.4  1/90sec  ISO 160

„In Concert“

Fuji X-Pro1 mit Fujinon XF 60mm bei f/2.4 1/100sec  ISO 3200

„In Concert“

Fuji X-Pro1 mit Fujinon XF 60mm bei f/2.4 1/90sec  ISO 3200

Viele andere Aufnahmen, auch grössere Übersichten existieren, wer sie ansehen möchte, kann diesem Link zur Webseite der Musikschule Porta Westfalica folgen, dort sind alle Bilder in einer Galerie, allerdings in Farbe, denn für die Meisten wären Schwarzweisse Bilder doch zu fremd.


Als ich am späteren Abend meine Speicherkarten auf die Festplatten kopierte, stellte ich fest, dass ich an diesem Tag über tausend Bilder gemacht hatte. Na toll. Da wusste ich schon, dass ich den ganzen Sonntag nur aussortieren würde...


Am Ende dieses Beitrags stelle ich fest, dass ich mich in den letzten Jahren eigentlich vom ursprünglich „nur“ Landschaftsfotografen zu grösserer Flexibilität entwickelt habe. Auf gewisse Weise finde ich es sogar spannender, Menschen zu fotografieren. Aber jedes Genre bringt seine besonderen Herausforderungen mit sich. Das macht den Reiz aus - es wird nie langweilig!