Don‘t panic!

 

Über Farbräume und Farb(alb)träume, Softproof und knifflige Zusammenhänge...

Montag, 25. Februar 2013

In Avignon

Leica M9 mit 28mm Summicron bei f/3.4 1/750sec  ISO 160


Dieses Foto habe ich auf speziellem Baryt-Papier großformatig ausgedruckt. Erst dann zeigt sich, was an Auflösung wirklich in der Datei steckt. Wie soll auch ein 3,7 Megapixel-Monitor eine 18 Megapixel -Datei detailgetreu zeigen?

 
 

Jeder, der mit einer gewissen Ambition fotografiert, möchte vielleicht seine Bilder auch mal anderen zeigen. Heutzutage fällt einem als Präsentationsplattform natürlich zunächst das Web ein, und das ist sowohl Fluch als auch Segen. Es gibt eine Menge Galerien, in denen man Fotos einstellen kann.

Ich empfinde das an sich durchaus als Bereicherung, man kann sich viele Anregungen von anderen Fotografen holen. Jedes Niveau ist vertreten, von „unterirdisch“ bis (nennen wir‘s mal) „professionell“. Was ich mir davon aussuche, ist eine Sache des persönlichen Geschmacks, es zwingt mich ja auch keiner, mir Bilder anzuschauen, die mir nicht gefallen.


Ich selbst habe keinen Flickr-oder LFI-Account, was ich zeigen will, zeige ich hier, bisher genügte das für mich.

Dabei kommt bei mir eben dazu, dass ein Teil meiner Bilder die hiesige Bevölkerung z.B. als Kalender erreicht (für den ich hier in Vlotho inzwischen berüchtigt bin),  als Gestaltungselement von Flyern (der Kirchengemeinde, des Kirchenkreises oder vom Stadtmarketing) oder gelegentlich gebraucht die Heimatzeitung eines meiner Bilder. Aktuell hatte ich gerade eine Anfrage für Bildmaterial zu einem Flyer, der zu einem Rundwanderweg für Vlotho neu gestaltet werden soll.


Eher ablehnend stehe ich sozialen Medien gegenüber: Virtuelle Welten von Facebook und co. bergen die Gefahr, sich darin zu verlieren. Wer dort 567 „Freunde“ (oder mehr) hat, sollte sich mal fragen, ob er die alle zum Geburtstag einladen würde...

Jetzt könnte ich meine harsche Aussage natürlich moderieren und politisch korrekt auf gut ostwestfälisch dazu sagen: „Wer‘s mach“ (auf Hochdeutsch: Wer es mag...), aber da mir political correctness  ebenso suspekt ist wie soziale Medien, beziehe ich lieber klar Position und sage: Eher friert die Hölle ein, als dass mich einer bei Facebook findet!


Aber nun wende ich mich mal von solch metaphysischen Szenarien ab und dem eigentlichen Sinn meines Beitrags zu: Ein paar von uns werden sich evtl. erinnern, dass man in grauer Vorzeit mal von Fotos Papierabzüge machte, um die anderen zu zeigen...


Aber im Ernst: Ich stelle immer wieder fest, dass z.B. meine Kinder durchaus gern die Fotobücher vergangener Urlaube anschauen, sie würden sich aber nicht an den Monitor setzen und die Bilddateien durchklicken. Wenn man darüber hinaus womöglich andere Menschen mit seinen Urlaubsbilder „beglücken“ will, ist es wenigstens fair, ihnen die Wahl zu lassen, ob sie solch ein Album schnell oder langsam durchblättern wollen...

Dann gibt es ja auch Bilder, die man für Wert erachtet, als Wandschmuck zu dienen. Oder man braucht einen Abzug für die Verwandtschaft. So oder so sind da noch genügend Gründe, dass digitale Dateien irgendwie zu Papier gebracht werden und dann auch noch schön sein sollen.


Ein wirklich gutes Foto (gemeint ist technisch gut, korrekte Belichtung, Schärfe, Auflösung, vom Bildinhalt mal abgesehen) kann auch als Papierbild gut wirken, wenn man eben nicht diesen „Diaeffekt“ des Monitors hat, der die Bilder so schön von hinten illuminiert. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Eine Bilddatei aus einer Kamera wie der M9 oder den High-End Modellen von Canikonfujisony zeigt erst auf einem guten Ausdruck, was in Ihr steckt. Solche Bilder sind auf einem Monitor verschwendet. Retina Display hin oder her.

Ich blicke, während ich dies schreibe, direkt auf einen Din A3+ Ausdruck des Bildes ganz oben, das entspricht etwa der Grösse meines 27“- iMac Displays. Es hat eine ganz andere Tiefenwirkung als auf dem Monitor, der Effekt der „Hyper-Reality“ ist verblüffend. Zurückzuführen ist das darauf, dass sich erst bei einem (guten) Ausdruck der wahre Level des Detailreichtums der Bilddatei zeigt und zum Gesamteindruck beiträgt, der ein ganz anderes visuelles Erlebnis darstellt als auf dem Bildschirm. Besser. Zwar muss Licht auf das Bild fallen, dafür braucht es keinen Strom...


Soll ein Foto zu Papier (oder ein anderes Medium) gebracht werden, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit das Ergebnis einigermassen voraussagbar ist. Das hängt damit zusammen, dass wir es mindestens mit zwei verschiedenen Farbräumen zu tun haben (dabei ist ein dritter Farbraum der des Monitors), die übereinander passen müssen. Nämlich der Farbraum in dem das Foto (die Bilddatei) existiert, im allgemeinen sRGB oder ProPhotoRGB und der Farbraum des Druckers und des verwendeten Papiers (oder Mediums), der ein CMY-Farbraum ist.


An dieser Stelle möchte ich den Titel dieses Blogs einflechten, der ansonsten in grossen, freundlichen Buchstaben auf der Rückseite des Reiseführers „The Hitchhikers Guide to the Galaxy“ steht:


Don‘t panic !


(Douglas Adams  wusste schon, worauf es ankommt. Ich warte z.B. immer noch auf die Realisierung seiner im Buch vorkommenden Sonnenbrille „Peril-O-Matic“ die beim geringsten Anzeichen von Gefahr sofort pechschwarz wird, damit der Träger der Brille sich nicht aufregt...)


Also, keine Sorge, es handelt sich hier nicht um Raketentechnologie...für den Hausgebrauch kann man es sich relativ einfach machen.


Erstens sollte der Monitor des Computers, auf dem man seine Bilder bearbeitet, kalibriert sein. Das ist schon für die Bildbearbeitung ein „muss“, denn wie soll man sonst u.a. einen vernünftigen Weißabgleich einstellen?

Ich verwende das Kalibriergerät  i1Display von x-rite mit entspr. Software, aber es gibt genügend Alternativen, die auch funktionieren. x-rite war einfach deshalb für mich 1. Wahl, weil sie sehr schnell die neuesten Betriebssysteme für Mac unterstützen.


Zweitens sollte man vor dem Druck einen „Softproof“ durchführen. Das ist sozusagen eine Simulation des Farbraums des Druckers und des verwendeten Fotopapiers auf dem Monitor. Diese Funktion ist in Lightroom 4 neu implementiert, sehr schön, denn vorher ging das nur im teuren „Photoshop“ (aber, wer‘s wusste, auch im simplen „Vorschau“-Programm, dass zum Betriebssystem vom Mac gehört...).


Wie das geht? Also...man ruft sein Bild im Entwicklungsmodul von LR4 auf. Unten links am Bild ist ein kleines Kästchen, daneben steht „Softproof“, dort einen Haken setzen. Es erscheint rechts oben im GUI (Grafic User Interface) unterhalb des Histogramms eine Zeile: „Proof Einstellungen“. Damit man aber was einstellen kann, muss man zunächst sog. ICC-Profile dort hineingeben. Das ICC-Profil beschreibt den betreffenden Farbraum. Ein guter Online-Fotoservice hält die ICC-Profile seiner Druckmedien zum Download bereit. Ich bestelle relativ häufig bei Whitewall, die haben alle notwendigen Profile verfügbar (siehe unter „FAQ‘s“). Die heruntergeladenen Profile muss man beim Mac im Ordner MacintoshHD/Library/ColorSync/Profiles ablegen! Unter OS 10.8 findet man „Library“ im Finder übrigens nur, wenn man auf der Menüleiste „gehe zu“ und die alt-Taste drückt. Sonst ist „Library“ versteckt!

Man klickt also auf das Dropdown-Menü bei Proof-Einstellungen. Bei mir sieht das dann so aus:

Die unteren ICC-Profile sind z.B. die von Whitewall, die oberen die der Fotopapiere, die ich mit meinem Drucker zuhause benutze. Will ich ein neues Profil dort zur Auswahl haben, auf „Andere...“ klicken, dann öffnet sich ein Dateibrowser, in dem ich alle Profile sehe, die ich zuvor im Ordner „Profiles“ in „ColorSync“ (siehe oben) abgelegt habe. Ein Häkchen neben dem Profil machen, dann steht es zur Auswahl bereit.


In der Funktion „Softproof“ wird man sich wundern, was mit dem vorher so schön eingestellten Histogramm passiert...unter Umständen sieht das Bild selbst auch ganz anders aus! Darum ist es gut, dass man schon mal sieht, wie der Abzug auf dem ausgewählten Medium aussieht, das erspart Enttäuschungen.

Dazu kann man aber nun das Foto noch an den Farbraum anpassen: Ein Klick auf das Papiersymbol am oberen rechten Rand des Histogramms zeigt mir z.B. die Farbbereiche im Bild, die nicht im „Gamut“ (im Farbraum) des Druckers liegen und also ganz anders herauskommen. Man kann dann z.B. den Farbton („Hue“) ganz leicht verändern, dann liegt er vielleicht schon wieder „drin“, oder noch einfacher, etwas desaturieren, das funktioniert auch oft. Wenn man im Softproof-Modus solche Änderungen vornimmt, fragt einen Lightroom sofort, ob man eine „Proof-Kopie“ (virtuell) haben möchte, und das kann man gern bestätigen, so braucht man seine Original-Datei nicht nur für den Druck verändern.

Genauso kann der Weißabgleich noch mal erneuert werden, wenn das Bild z.B. „zu kalt“ wird, hier ein Beispiel dazu:

Klickt man im Proof-Modus auf das YY-Feld am unteren linken Bildrand, hat man, statt sonst den Vorher/Nachher-Vergleich, den Vergleich Bildoriginal/Softproof.   










Im hier gezeigten Beispiel ist der Softproof viel „kälter“. Aber so möchte ich das nicht ausgedruckt haben, denn es war auch nicht so! Die Nachmittagssonne war wirklich so gelb! Also „tweake“ ich die Proof-Kopie so lange, bis sie mit der Bilddatei halbwegs übereinstimmt:

Und voilà! Schon kann ich eine Druckdatei verwenden, die auf dem Fotopapier auch wirklich so aussieht wie mein Foto auf dem Bildschirm. Übrigens war das in dem gezeigten Beispiel nicht so, dass es reichte, die Lichttemperatur nach oben zu verstellen, nein, ich musste auch die Sättigung von Orange deutlich erhöhen. Ausserdem (das trifft fast immer zu) habe ich „Weiss“ und „Belichtung“ ein wenig hochgezogen, weil das ausgedruckte Bild ja nicht die hübsche Hintergrundbeleuchtung des Monitors hat.

Ist man mit seiner Proof-Kopie zufrieden, wird die als JPG zum Fotoservice geschickt. Wenn man es selbst ausdrucken will, ist es noch einfacher, man braucht in Lightroom nur nach „Drucken“ zu wechseln, das spart die Mühe, zwischendurch ein JPG zu erzeugen und ein spezielles Druckprogramm aufzurufen.


Ich benutze daher immer das Druckmodul bei Lightroom, es gibt schon einige Vorgaben, man kann aber auch eigene Layout-Kreationen speichern. Links unten: Seite einrichten (voreingestellt ist Din A4), daneben Druckeinstellungen. Letzteres ist ganz wichtig, denn ich muss ja dem Drucker sagen, welches Papier ich benutze (danach richtet sich z.B. die Tintenmenge, die er benutzt) und welche Auflösung der Druck haben soll (z.B. „Normal“, „Fein“, „Foto“ oder „Foto RPM“). In meinem Epson-Drucker sind die Farbprofile der Epson-Papiere gespeichert.

Sihl (Papierhersteller, siehe unten) liefert zu seinen Papieren eine Tabelle, welches Papier welchem Epson-Papier entspricht, so gibt es keine Verwirrung.

Was so auf der rechten Seite im Druckmodul ist, kann man sich mal in Ruhe ansehen, das erschliesst sich leicht von selbst.


Auf das Thema für diesen Beitrag bin ich gekommen, als vor kurzem mein Canon-Pixma Drucker den Geist aufgab. Der Drucker war „nix dolles“, ich hatte ihn mehr für‘s Büro, zufällig behauptet Canon, er drucke auch Fotos aus...

Jedenfalls verweigerte er von einer Sekunde auf die andere den Dienst, absolute Funkstille, als hätte einer mit Seitenschneider das Netzkabel durchtrennt. Kurze Recherche brachte mich zu einem Technik-Forum, wo einer eben das Problem beschrieb, darunter 10 Antworten: „Bei mir auch!“

Der vier Jahre alte Drucker scheint also so was wie ein eingebautes „Verfallsdatum“ zu haben, die Welt ist schlecht...

Ich hakte die Sache ab und machte mich auf die Suche nach einem neuen Drucker. Ich wollte gern was haben, was mir die Möglichkeit gibt, auch mal selbst einen grösseren Fotodruck zu machen.

Ich streckte schon die Finger aus nach einem Profi-Drucker von Epson, aber die müssen eigentlich dauernd laufen, sonst trocknen die Druckköpfe ein. Ich will aber nicht ständig was ausdrucken.

Schliesslich kam ich auf einen Epson Din A3+ Drucker, der „Dye“-Tinten verwendet, die nicht so leicht eintrocknen, wenn der Drucker nicht dauernd benutzt wird.

Er hat mit 6 Tintenpatronen schon einen grossen Farbraum. Dazu kommt, dass er schon zum Profi-Bereich zählt, mein liebster Fotopapier-Hersteller Sihl hat zum Beispiel Druckerprofile für ihn (Empfehlung: „Masterclass“-Papiere von Sihl).

Rein an Verbrauchsmaterial rechne ich für einen Din A3+ Ausdruck so Kosten von 3€, dafür kann man mal ein schönes Foto spontan ausdrucken, die Hemmschwelle ist geringer, als es zu Whitewall zu schicken.

Wie weiter oben erwähnt, ist Din A3+ etwa so gross wie ein 27“ Bildschirm, das wirkt schon gut gerahmt an der Wand...da kann man dann öfter mal tauschen.

Der Hafen von Cassis

Leica M9 mit 35mm Summilux  bei f/4.8 1/1500sec  ISO 160


Eines der ersten Bilder, die ich zum Testen der Druckqualität meines neuen Druckers verwandte. Ich war mit dem Ergebnis mehr als zufrieden. Insofern bereute ich es nicht, vom High-End Bereich der Epson-Drucker die Finger gelassen zu haben.

Diese ganze Herangehensweise ist für den Hausgebrauch vereinfacht! Professionelles Farbmanagement sieht noch ganz anders aus! Aber warum sollte man sich das Leben so schwer machen, wenn ein akzeptables Ergebnis mit viel weniger Aufwand zu erreichen ist.


Ich hatte ja auch angekündigt, etwas über Bildkomposition schreiben zu wollen, aber das ist so ein arbeitsintensives Thema, dass ich dazu mehr Vorlaufzeit brauche...

Herford, Münsterkirche

Leica M9 mit 12mm Voigtländer Heliar  bei f/5.6 1sec  ISO 160


Neulich hatte ich zufällig in Herford zu tun, das war die Gelegenheit, mal das 12mm in einer grossen Kirche zu testen.