Konzerte und mehr

 

Montag, 24. Juni 2013

Mohn im Kornfeld

Leica M mit 75mm Apo-Summicron bei f/2.0   1/1000sec    ISO 200


Heute wird vermutlich ein sehr „schwarzweißer“ Blog, darum ein Farbtupfer vorweg. Ab und zu versuche ich , das Konventionelle hinter mir zu lassen und reduziere auf Farbe und/oder Form

 
 

Ich bin der Geist der stets verneint! / Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht; / Drum besser wär’s daß nichts entstünde. / So ist denn alles was ihr Sünde, / Zerstörung, kurz das Böse nennt, / Mein eigentliches Element.

Obwohl ich ab und zu mal „Großstadtluft“ genieße, bin ich doch bekennender Kleinstadt-Bewohner. Die Strukturen sind überschaubar und „man kennt sich“. Davon gibt es natürlich auch eine dunkle Seite, und das ist der Klatsch, der durchaus bösartig sein kann.

Aber für mich überwiegen doch die Vorteile, auf „informellen“ Wegen kommt man schnell zu Ergebnissen.

Vor ein paar Tagen kam eine Schriftstellerin (ja, das gibt‘s auch in Vlotho) zu mir und fragte, ob ich zufällig ein Foto von drei alten Männern hätte. Sie brauchte nämlich eins für den Einband Ihres neuen Romans. Sie ist Jahrgang 1927, daher erscheint es ihr logisch, in ihrer jetzigen Schaffensperiode für die Ältere Generation zu schreiben, sog. „Seniorenliteratur“. Für mich lief dann die folgende Aktion unter dem Arbeitstitel:


„Der Besuch der alten Dame“


Ein passendes Bild hatte ich nicht im „Fundus“, wie also sollte man an etwas adäquates kommen?

Ganz klar: Passende „Models“ sind da zu finden, wo sich viele alte Menschen aufhalten (nein, auf das nächste Wolfgang Petri-Konzert konnte ich nicht warten...).

Ein Anruf im Simeonsstift, einem Altenheim in Vlotho genügte: Dort arbeitet eine gute Bekannte als Sozialpädagogin. Sie fand das Ganze sehr spannend. Es erklärten sich sofort einige Bewohner bereit, dafür zu posieren.

Nachdem das Foto nun ein „Auftragswerk“ war, hatte die Autorin Spezifikationen gegeben: Idealerweise sollten auf dem Foto 5 Leute sein, drei Herren und zwei Damen, die den Hauptpersonen in ihrem Roman entsprechen.

Gewünscht war auch nichts „Actionreiches“ (der Roman enthält keine „Actionszenen“, nicht mal eine Verfolgungsjagt auf einem Treppenlift...wurde mir versichert), sondern ein Gruppenfoto „klassischer“ Art. Ich suchte also ein schattiges Plätzchen im Park des Heimes aus und drapierte das Grüppchen zum „Shooting“ auf einer Bank.

Das klingt jetzt fototechnisch nicht gerade wie eine Herausforderung, aber tatsächlich war nicht ganz klar, wie die Auftraggeberin sich das Ergebnis vorstellte, also machte ich verschiedene Einstellungen mit unterschiedlichen Bildausschnitten und Tiefenschärfe.

Am Ende wurde es dann die durchaus prosaische Gruppenaufnahme, aber so war es auch ursprünglich angedacht. In welcher Form, ist noch nicht klar, denn die Entscheidung, ob in Farbe, Schwarzweiss oder vielleicht als „verblichenes“ Foto aus den 60ern steht noch aus, ich lass mich überraschen...

Buchtitel im verblichenen 60er Jahre-Look (DxO-Filmpack Version 4, das jetzt offiziell erschienen ist, ich hatte es mit getestet)

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/5.6   1/125sec    ISO 200

Von allen habe ich „nebenbei“ Porträts gemacht. Gesichter, vom Leben gezeichnet, Augen, die schon so viel gesehen haben, sind interessante Motive. Ich finde alle sehr ausdrucksstark. Hier nur zwei Beispiele:

Porträts

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/4000sec    ISO 200

Ich habe es schon öfter erwähnt, aber was mich bei meinem Hobby begeistert ist, dass es so Abwechslungsreich sein kann. Mal suche ich mir früh Morgens Motive für meinen Landschaftskalender (ich vergleiche es immer mit Angeln, so kontemplativ), mal bin ich auf dem Fahrrad unterwegs oder Wandern und finde „hinter einer Biegung“ etwas zu fotografieren, mal gehe ich durch eine Stadt und halte die Augen offen nach „Menschlichem“, mal ist ein Event zu dokumentieren, mal...und noch viel mehr.

Jedes mal muss man sich auf eine ganz andere Situation einstellen, auch die technischen Gegebenheiten variieren je nach Lichtbedingungen. Besondere Verhältnisse können blitzschnelles Analysieren und Anpassen erfordern. Das macht es so spannend. Es wird nie langweilig.

Andere finden es aber auch gut, sich auf ein Genre zu beschränken mit dem durchaus berechtigten Standpunkt, dass man das dann perfektionieren kann.

Neulich traf ich am kleinen Selberg einen Vogelfotografen, dessen ganzer Ehrgeiz ist, seltene Vögel bildfüllend abzulichten. Und warum auch nicht? Suum cuique („Jedem das seine“, auch gerne übersetzt mit „Die Sau quiekt“...)


Diese Woche fand das Sommerkonzert meiner Alma Mater, des Wesergymnasiums Vlotho statt. Auch Kleinstadt: Jetzt gehen meine Töchter dahin. Mit der Schule fühle ich mich noch sehr verbunden, nicht nur, weil meine Kinder jetzt dort sind, sondern auch wegen der Kanu-AG (siehe Ardèche) und weil einige aus dem Kollegium gute Freunde sind.

Es stand unter dem Motto: „Black and White“, klar, dass ich meine Kamera mitnahm, zumal meine ältere Tochter zu den Ausführenden zählte (und ich immer froh bin, Fotos von ihr zu kriegen, wenn sie sich nicht wehren kann...), auch klar, dass bei dem Motto keine Farbfotos gemacht werden.


Als ich in der Aula ankam, traf ich als erstes einen Reporter der Lokalpresse, der mich sofort dienstverpflichtete, als er sah, dass ich meine Kamera dabei hatte. Der Schulleiter stand dabei und machte den Auftrag gleich offiziell. Das hatte ich nicht im Sinn gehabt, aber ich wehrte mich auch nicht dagegen. Wieder Kleinstadt: Ich bin mittlerweile so allgemein als Fotograf akzeptiert, dass die Musiklehrer, als ich ihnen vorsichtshalber sagte, sie sollten sich nicht wundern, wenn ich während des Konzertes die Position wechsele, es völlig normal fanden, dass ich für die Fotos zuständig war.

Wenn ich irgendwo so einen Job mache, ist mir immer wichtig, dass ich eine gewisse Bewegungsfreiheit als Fotograf habe und dazu autorisiert bin. Dass ich mich dabei diskret verhalte, versteht sich von selbst. Ich habe mal dazu etwas im Blog-Beitrag „Event-Fotografie“ geschrieben.

Es gibt wirklich keinen Berufsfotografen in Vlotho, dem ich mit meinen Aktivitäten die „Butter vom Brot“ nehme, sonst würde ich weder den Kalender herausgeben, noch z.B. dem Stadtmarketing Bilder zur Verfügung stellen. Obwohl: Ganz umsonst arbeite ich auch nicht mehr, wer eines meiner Bilder möchte (es sind einige bei der Ausstellung verkauft worden), wird immer verpflichtet, eine Spende für den Freundeskreis Kirchenmusik zu machen. Ebenso geht ja der Kalendererlös dahin. Insgesamt bin ich schon sensibler geworden, was Copyright und Benutzung der Bilder betrifft.


Die Lichtverhältnisse beim Schulkonzert waren ganz nach meinem Geschmack, die abgedunkelte Aula war nur vom Scheinwerferlicht erhellt, das die Schüler der Licht&Theater-AG steuerten. Die Intensität der Beleuchtung wechselte aber ständig, so dass ich es mir bequem machte und Auto-ISO einstellte, dabei 1/90sec als kürzeste Belichtungszeit festgelegt hatte. Die Option 1/Brennweite ist mehr für Motive geeignet, die sich nicht bewegen...

Bei der Belichtungsmessung musste ich etwas aufpassen, manche Spots auf die Akteure waren so hell, dass die mittenbetonte Messung sie nicht richtig einstufte (also zu sehr mit dem dunklen Hintergrund vermittelte), also überbelichtete, und zwar deutlich. Da ich eigentlich ständig die Histogramme kontrolliere, fiel mir das schnell auf, ich belichtete dann doch manuell mit fest eingestellter ISO.

Hinterher wurde mir klar, dass ich mir das Leben leichte hätte machen können, wenn ich die Kamera auf „Spot-Belichtung“ gestellt hätte. Da sieht man mal wieder, dass ich mich immer noch an die neuen Möglichkeiten gewöhnen muss.

Der Nachteil wäre allerdings gewesen, dass ich bei Spot-Messung mehr Auslöseverzögerung habe, denn die wird direkt über den Sensor gemacht, derselbe Effekt wie bei Live-View tritt ein: Der Verschluss muss vor dem Foto erst zu, dann wieder auf für die eigentliche Belichtung. Das dauert etwas.

Dass ich wirklich nicht vor hatte, das Konzert zu dokumentieren, zeigt sich daran, dass ich nur 35er, 50er und 90er Objektiv dabei hatte. Wahrscheinlich hätte ich noch 28er oder 21er zusätzlich eingesteckt, wenn ich Events fotografiere, gebe ich zu, dass ich gerne ein paar Brennweiten in Petto habe. Aber eigentlich ist das „Overkill“.

Die Beschränkung war natürlich gar nicht zu spüren: Was ich da hatte, reichte vollkommen. Insofern muss ich mich selbst immer wieder zurückpfeifen...

Solo

Das Gesicht der Sängerin wirkt durch das starke seitliche Scheinwerferlicht Ikonenhaft. Das 90er Summarit habe ich mit der M9 bei solchen Gelegenheiten selten benutzt, es ist zu schwer zu fokussieren. Jetzt, mit Elektr. Sucher und „Fokus-Peaking“ kann ich es effizient einsetzen.

Leica M mit 90mm Summarit  bei f/2.5   1/60sec    ISO 2000

Bei so einem Konzert hat man die Pflicht, von allem etwas abzulichten, auch wenn manches eher „dokumentarisch“ ist, es wäre wohl auch ein arroganter Anspruch, zu meinen, man könne oder dürfe nur „künstlerische“ Bilder machen. Aber wenn man fleissig Motive sucht, sein Handwerkszeug beherrscht und ein bisschen Glück mit dem Licht hat, hat man hinterher immer ein paar „Keeper“ dabei.

Blues-Ballade

Leica M mit 90mm Summarit  bei f/2.5   1/60sec    ISO 1600

Mittelstufenchor

Leica M mit 90mm Summarit  bei f/2.5   1/60sec    ISO 800

The Lion sleeps tonight

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 200

Interview in der Pause

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 4000

Sister Act: I will follow you

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 320

Hit the Road, Jack

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 320

Hit the Road, Jack

Hier mal wieder ein Beispiel dafür, wie gezielt eingesetzte Bewegungsunschärfe zur atmosphärischen Wirkung eines Bildes beitragen kann, dies ist eigentlich mein persönlicher Favorit aus der „Band“-Reihe

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 400

Candlelight

Dies ist nicht unbedingt „künstlerisch wertvoll“, nein, das Besondere an dem Foto ist, dass die Kerze wirklich die einzige Lichtquelle war! Was in der unteren rechten Bildecke so hell ist, ist die Spiegelung der Dioden des Verstärkers...

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/25sec    ISO 6400

Der letzte Akkord verklingt...

Leica M mit 90mm Summarit  bei f/2.5   1/45sec    ISO 640

Lehrerchor: Puttin‘ on the Ritz

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/2.8   1/60sec    ISO 1000

Es gibt vom Sommerkonzert ca. 55 Bilder, die obigen sind natürlich nur Beispielhaft. Aber auch bei meinen Beispielbilder sieht man, was ich meine mit „teilweise dokumentarisch“, manches aber auch „Keeper“. Gerade über die Porträts oder zumindest grössere Einstellungen freuen sich die Beteiligten natürlich besonders, das können schöne Erinnerungen sein. Einen Aussenstehenden reisst das vielleicht weniger vom Hocker...

Es gab noch viel mehr solistische Auftritte, dies sind oft ausdrucksstarke Aufnahmen, weil man bei Musik immer die Emotion mit einbringt, die sie erzeugt. Das ist für mich bei jeder Konzertfotografie immer wieder faszinierend. Aber ich wollte hier nicht nur die Solisten zeigen, sonder mehr die Bandbreite der Veranstaltung.

Übrigens ist das die richtige Stelle, um einen Grundsatz anzubringen, der gerade bei Messsucherfotografie (nein, eigentlich für jede Art Fotografie) superwichtig ist und den der berühmte Robert Capa geprägt hat:


„If your photos aren‘t good enough, you‘re not close enough!“

Fundraising

Einen guten Zweck hatte das Ganze auch: Es wurde für Partner-Kirchenkreis Tambarare gesammelt

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/2.8   1/60sec    ISO 800

Das Sommerkonzert war am Donnerstag Abend, und es läutete ein für mich sehr „Bildreiches“ Wochenende ein.

Am Samstag war in der Valdorfer Kirche ein Konzert des Posaunenchores mit Richard Roblee. Das ist ein Amerikaner, der in Würzburg Professor an der Hochschule für Musik ist für Jazz und Big Band. Als Bläser kennt man ihn, er schreibt wunderbare Arrangements. Die Valdorfer hatten ihn schon letztes Jahr in Würzburg zu einem Seminar besucht, der Professor war von ihrem Können so beeindruckt, dass er sich bereit erklärte, mit ihnen zusammen ein Konzert zu geben.

Ich kenne die Valdorfer alle sehr gut, wenn meine Loyalität nicht bei meiner Kirchengemeinde läge, wäre ich wohl schon bei ihnen (Kleinstadt...).

Die Kirche war rappelvoll, die Stimmung bei Bratwurst und Bier (gab‘s hinterher) ausgezeichnet...Das Konzert ein Hochgenuss, abwechselnd Philharmonic Brass, Big Band, Swing und Jazz.

Richard Roblee dirigiert die Jungbläser der Valdorfer

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/90sec    ISO 400

In der Tuba spiegelt sich die ganze Kirche

Leica M mit 90mm Summarit bei f/2.5   1/60sec    ISO 1250

Trompetensolo

Leica M mit 90mm Summarit bei f/2.5   1/60sec    ISO 1000

Posaunensolo

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 320

Sehr erfreuter Prof nach dem Konzert

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/90sec    ISO 200

Am Sonntagmorgen war Frühschoppen der „Ehemaligen“ im Gymnasium. Es gibt einen Verein der Ehemaligen, die Einladung gilt für alle Absolventen der Schule. Kleinstadt...man trifft sich. Schon wieder in der Aula (das Wetter war etwas unbeständig).

Im WGV zum Frühschoppen

Leica M mit 28mm Elmarit  bei f/3.4   1/60sec    ISO 1000

Und das Ganze wäre wesentlich phlegmatischer verlaufen (obwohl der Altersdurchschnitt gar nicht so hoch war), wenn nicht eine junge Dame, die eigentlich nur an der Theke helfen sollte, nachhaltig hochmotiviert vom Schulkonzert zusammen mit „Boogieman“ Vito (eine lokale Grösse in Vlotho) noch mal eine Version von „Hit the Road, Jack“ gebracht hätte. Uups! Was für‘n Schachtelsatz!

Spontane Einlage mit Vito

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/90sec    ISO 1600

Dieses selbstbewusste Mädchen ist übrigens auch Kanutin...das sind alles prachtvolle Leute....(hust), war schon oft mit an der Ardèche.

Gelungener Auftritt

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 1600

Frisch informiert über alles, was so in Vlotho läuft ging es zum nächsten Programmpunkt an diesem Wochenende...


Musikschulfest bei meiner lieben Flötenkollegin (und Chefin unseres Flötenquartetts) Katharina! Die private Musikschule platzte aus allen Nähten, als wir ankamen (meine Ältere spielt dort Cello).

Alle Altersgruppen und jedes Niveau vertreten!

Die kleinsten Musikkinder

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/4000sec    ISO 200     ND Filter

Glückliche Flöten

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/250sec    ISO 200 

Konzert

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/750sec    ISO 200    ND Filter

Schnupperstunde am Flügel

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 320

Schwanentanz

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/2.8   1/4000sec    ISO 200   

Als ich am Sonntagabend wieder zuhause war, entleerte ich zufrieden meine Speicherkarte. Und wenn jetzt einer denkt, ich kriege vielleicht nichts mit von den Ereignissen, weil ich ja nur mit fotografieren beschäftigt bin, so möchte ich widersprechen. Ich bin bei all diesen Events emotional stark dabei, weil ich sonst meine Motive gar nicht fände. Ich könnte kein Gespür für die Atmosphäre entwickeln, wenn ich nicht darin eintauchen würde.

Dann erlebe ich alles mindestens noch einmal, wenn ich die Bilder ordne und betrachte.


Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich das Glück hatte, schon eine „M“ zu bekommen, die mir ermöglicht, mein Lieblingsgenre „available Light“ auf eine neue Stufe zu stellen.

Um so mehr, weil es so aussieht, als könnte Leica mit seinen begrenzten Fertigungskapazitäten die Nachfrage noch länger nicht stillen. Die Lieferzeit von 10 Monaten (und mehr) erscheint in Zeiten des „digital rot“ geradezu absurd. Es gibt inzwischen sogar eine offizielle Stellungnahme dazu, in der sie die Lieferengpässe bedauern und hoffen, dass es im nächsten Jahr besser wird, weil dann das neue Werk in Wetzlar fertig ist.

Aber evtl. entspannt sich die Lage etwas, falls Sony eine Vollformat RX Kamera mit Wechselobjektiven herausbringt. Das würde Leica sicher spüren, aber das wird ihnen klar sein.


Leica hat in den letzten Wochen viel Prügel einstecken müssen. Ein Teil hat was mit der nicht stillbaren Nachfrage nach der M zu tun, der grössere Teil aber mit einem neuen Modell, das ein Teaser von Leica vor Wochen als „Mini M“ ankündigte.

Die Erwartungen bei vielen stiegen daraufhin himmelhoch. Als aber die ersten Spezifikationen der Kamera „leakten“, überschlugen sich manche vor Häme: Es ist mehr eine X2 mit Zoom. Ob die Marketingabteilung bei Leica entweder unglaublich genial, oder unglaublich dämlich ist, mag die Nachwelt entscheiden.


Jedenfalls zog daraufhin eine Virtuelle Meute mit Heugabeln, Dreschflegeln und Fackeln auf Solms zu.


Aber was mich erschreckte an der ganzen Sache (schliesslich ging es nur um eine Kamera!), ist die Welle von Negativismus in allen möglichen Internetplatformen. Dabei geht es mir nicht um Leica, sicher bin ich ein Fan, aber nur was die M-Modelle betrifft. Ich finde mich bei Leica, dem Luxusartikelhersteller, nicht wieder. Es berührt mich geradezu peinlich, wenn z.B. eine Sonderausgabe eines D-Lux Modelles herauskommt, mit Belederung und einem neuen „Knopf“-Design, das Tausend Euro mehr kostet als das baugleiche Panasonic-Modell (das für knapp 400 Euro zu haben ist).


Der Negativismus ist ein Phänomen, das meines Erachtens zunimmt. Die Geschichte mit der „Mini M“ ist ein gutes Beispiel dafür.

Im Leica-Forum (ein Moloch!) gab es einen über 100 Seiten langen Thread, in dem ein unfassbarer Müll abgeladen wurde. Troll-Country...

Jean-Jacques Rousseau schreibt in Èmile: “Vergiften die Bösen nicht ihr und unser Leben?“ und das ist so. Man merkt bei vielen Kommentaren, dass da mehr dahintersteckt als nur die Unzufriedenheit (da ist noch mehr negative Emotion, ja sogar Hass) mit einem Kamerahersteller. Diese Menschen haben offensichtlich mehr Probleme im Leben...sie entsprechen sogar in gewisser Weise dem Krankheitsbild, was die Psychologie als „Passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung“ bezeichnet. Im gleichen Zusammenhang sind die Angriffe auf Steve Huff oder Ken Rockwell zu sehen.

Aber natürlich sind die nicht alle Krank. Aber sie leben offensichtlich nach dem bekannten Satz:

Ich hätte auch schon einen passenden Avatar für die Meute:



Der Zeit-Kolumnist Harald Martenstein schrieb:


„Der freie Mensch, der nichts zu fürchten hat, tendiert zur Bösartigkeit“

und weiter:

„Die meisten Internetkommentatoren würden die Grobheiten, die sie schreiben, der betreffenden Person niemals ins Gesicht sagen.“

„Wenn wir könnten, wie wir wirklich wollten, würden wir uns, fürchte ich, mehrmals täglich gegenseitig die Fresse polieren.“

Das mit Leica ging jedenfalls so weit, dass an mehreren Stellen auf fotospezifischen Webseiten die Betreiber sich von derartigem Gehabe distanzierten.


Einer der Moderatoren von „La Vida Leica“ gab folgende Bekanntmachung heraus:


„We are a small community as it is. Many of us frequent multiple sites. There is NO reason we can't get along, respect each other and act like adults. Let us go on the record here and now and say that none of the behavior mentioned above will be tolerated in any form at La Vida Leica. If you're a negative person that seeks only to put down others, don't even register here. If all you can do is complain about every perceived slight by Leica for not giving you exactly what you want, don't even register here. If you're so threatened by this site that you won't even mention it anywhere else, that's fine too; don't even register here. This site will continue, as we have - bringing you relevant news from the Leica M world and other interesting stuff, offering quality articles and reviews and above all else, sharing of information and offering a friendly community to like-minded (and Leica shooting) photographers.“


Ein anderer offener Brief eines Fotografen (David Brian Lackey) wurde ebenfalls an mehreren Stellen veröffentlicht, ich zitiere daraus:


„With my last few years as a full-time caregiver and a documentary photographer, I have a different perspective than most. Yes, the anticipated Leica “Mini M” is an unfortunate marketing name. But it is what it is. In the past few weeks I have taken time out to read a few posts among the literally thousands of posts across the photography forums regarding the new camera, the X Vario. Most are highly critical of the marketing and the product as well. Vitriol. Not just constructive opinions.


In my life, with the many difficulties my wife and I have faced as we get older, I have learned to seek the positive things in life through photography, and I attempt to reject negativity. As a photographer, life is beautiful, and I have found a bond with Leica products over time. It is not just the wonderful images from these products, but also the experience of using the products. The feel, the materials, the ergonomics, the simplicity and the form all work for me and make the experience of photography much better as the cameras “disappear” in my hands so I don’t think about the gear. The cameras I use are an extension of my own being and for that, I appreciate those products that I use.


Roast me for daring to call the negativity on the forums out for what it is. My greatest hope, however, is that photographers, both professional and amateur, will examine themselves and the world around them looking for light and beauty. In doing so, maybe the arrogance of spreading vitriol will be tamed. In fact, I hope that photographers will become a positive force for good in this world rather than being just a gearhead, or worse, merely a consumer with no intentions of being a positive influence for anyone.“


Mich hat jedenfalls wieder mal erschreckt, was für ein Anspruchsdenken, was für Aggressionen frei werden wegen so einer kleine Sache. Wenn diese Leute ihre Energie nutzen würden die wirklichen Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, wäre die Welt schnell besser.

Der Engel des Evangelisten Matthäus an der Kanzel unserer Kirche hat ebenfalls noch eine kleine Botschaft für die Negativisten...


Ähem...ein bisschen Photoshop...


Leica M mit 75mm Apo-Summicron. bei f/16   1,5sec    ISO 200

Letztes Bild: Der Himmel über Vlotho gestern Abend

Leica M mit 50mm Summicron bei f/4.8   1/60sec    ISO 500

Meine Woche beginnt jetzt in der Praxis und das wird wahrscheinlich anstrengend, da ich auch meine Kollegin vertreten muss. Da steht das Hobby logischerweise hintenan.


Aber nächstes Wochenende ist ein Kindermusical...