Was fotografiert man im Skiurlaub?

 

Am Reschenpass

Es ist eine Weile, seit ich den letzten Blog-Eintrag schrieb. Es war viel los, privat und beruflich. In den Osterferien war ich mit Familie eine Woche zum Skilaufen im kleinen aber feinen Skigebiet Schöneben am Reschenpass.

Nun ist klar, dass ich natürlich auch beim Skifahren irgendwie mehr als nur Knipsbilder machen möchte (immer dieser Ehrgeiz!), ich bringe es nicht über mich, nur mit meinem iPhone Erinnerungsbilder zu machen. Darf jeder, wie er will, aber für mich ist das nichts.

Was sind Skipisten anderes als „Strassen“ im Gebirge? Also ging ich vom Ansatz an die Sache heran als wäre es Strassenfotografie („Street“).

Neben meinen normalen Familienbildern schaute ich mich auf den Hütten und an der Piste um, wie sich die Menschen so verhalten, und ob man typisches mit der Kamera festhalten kann.

Da ich mich dem nicht „Fulltime“ gewidmet habe (ich wollte ja nebenbei auch noch Skilaufen), sind da jetzt nicht riesige Bildarchive entstanden, aber ich fand die Aufgabe reizvoll.

Dann ist ja auch noch die Landschaft, auch im Winter (der ja dort noch war) durchaus fotogen.


An den meisten Tagen hatte ich die Fuji X100 einfach in der Jackentasche oder übergehängt (ein Arm durch die Schlaufe, liegt die Kamera auch bei rasanter Fahrt gut unter dem rechten Arm am Körper). Eine bequeme Lösung mit schöner Bildqualität.


Dann aber habe ich auch die M9 und zwei Wechselobjektive mit genommen, und das war auch keine Behinderung beim Skifahren, denn ich habe so eine kleine Slingshot-Fototasche, die man mit einem Zug vor dem Körper hat, um schnell an die Kamera zu kommen.

Ich bin froh, dass ich mich durchgerungen habe, die M9 mitzunehmen, denn die Bilder aus ihr sind unverwechselbar. Keine andere Kamera (oder Objektive?) hat diese Zeichnung.

Ja ich weiß, hier ist wieder Raum für Diskussion. Ich meine auch gar nicht, dass andere Kameras nicht eine ebenbürtige Bildqualität liefern. Ich meine eher das „Rendering“ der Objektive im Zusammenspiel mit dem Kodak-CCD Vollformatsensor. Dabei schliesse ich auch Zeiss-oder Voigtländer (u.a.)-Objektive ein, jedes für sich kann besondere Eigenschaften haben, die der Fotograf für sich nutzt.


An einem Tag habe ich sogar einfach nur meine (analoge) M2 umgehängt, ich hatte noch einen Rest Fuji Velvia zu verbrauchen. Dann aber hatte ich nur noch einen Kodak TriX (Schwarzweiss-Film), den ich nicht unbedingt gewählt hätte, aber ich hatte keinen anderen.

Der alte Kirchturm von Graun, Wahrzeichen am Reschenpass

Leica M9, 50mm Summilux f/6.7  1/500sec  ISO 160

Immer wieder fotogen und tausendmal abgelichtet. Ein klassisches „Postkartenbild“. Übrigens: Schöne Postkartenbilder zu machen, ist auch gar nicht so einfach...manche Fotografen befinden z.B. so etwas unter ihrer Würde. Ich sah mal ein „Berlin-Foto Portfolio“ eines Berufsfotografen, der offenbar krampfhaft bemüht war, alles zu vermeiden, was nach Tuoristenbild aussah. Das Ergebnis waren ein Haufen Detailaufnahmen von U-Bahnschildern und Strassenecken mit schrägem Horizont...


Ein Fotograf, Pro oder Amateur sollte eher eine Herausforderung darin sehen, solch altbekannte Motive neu zu komponieren. Im Fall des Kirchturms von Graun ist folgendes dabei herausgekommen:

Bye, bye Schöneben, bis vielleicht zum nächsten Jahr!

Direkt nach den Osterferien hatte ich beruflich unheimlich zu tun, aber langsam normalisiert sich alles wieder.

Es gibt auch schon Aussicht auf einen neuen Blog-Eintrag: Vor ein paar Tagen ist ist die Fuji X-Pro1 bei mir eingetroffen, eine zukunftsweisende neue Systemkamera, die ich als Backup-Kamera für meine M9 benutzen will.

Dazu gibt es einiges zu berichten, so sieht sie aus:

Leica M9, 28mm Summicron f/4.8  1/1500sec  ISO 160

Alternative Bildkomposition: Turm weniger prominent, aber doch deutlicher Bildbestandteil, mehr Seeuferlinie (schrägverlaufend). „Uferzacke“ und Turm in einer Flucht diagonal, dabei etwa im „goldenen Schnitt“ (bitte kein Lineal anlegen...). Gut, das Wolken am Himmel sind, sonst wirkt er zu langweilig.

Möglich wurde diese Ansicht nur durch Verwendung des 28mm-Objektivs, der Weitinkel bringt mir die Uferlinie. Noch mehr (z.B. 21mm) hätte aber Turm, Berge und Himmel zu weit (und zu klein) an den Bildrand gerückt.

„Fun park“

Fuji X100  23mm, f/13  1/950sec  ISO 200  ND-Filter

Die Fuji hat etwas, was man bei dem hellen Licht dort unbedingt braucht, nämlich einen zuschaltbaren ND-Filter.


ND= Neutral Density = „Graufilter“, schluckt quasi Licht, damit man nicht zu kleine Blenden braucht. Gerade bei Lichtstarken Objektiven tritt manchmal der paradoxe Fall ein, dass bei Sonnenlicht Schnee oder Sand (z.B. am Strand) so stark reflektieren, dass man kaum noch mit den kürzesten Belichtungszeiten und kleinen Blenden klarkommt. Dazu gehen einem „Bokeh“- (Unschärfe-) Effekte bei grossen Blendenöffnungen verloren.

Dazu sollten kleinste Blenden vermieden werden, weil der Effekt der Diffraktion, (Lichtstrahl-)Beugung an der kleinen Öffnung auftritt, der die Auflösung beeinträchtigt.

Graufilter gibt es in verschiedenen Stärken, gewöhnlich reichen mir 3 Blendenstufen, ich habe aber auch 6 und sogar 10 Blendenstufen, für Spezialeffekte z.B. Langzeitbelichtungen von fliessendem Wasser bei Tageslicht.

Ein Ski-Kurs sammelt sich

Fuji X100  23mm, f/7.1  1/400sec  ISO 200   ND-Filter

Schnell noch ein Erinnerungs-Foto...

Fuji X100  23mm, f/14  1/900sec  ISO 200   ND-Filter

Skikurs im Gegenlicht

Fuji X100  23mm, f/14  1/950sec  ISO 200   ND-Filter

Über den Wolken

Fuji X100  23mm, f/16  1/1600sec  ISO 200

Die Fuji macht auch sehr schöne Farbbilder...aber ich fand die Farbe hier überflüssig.

Die Familienfotos sind alle ganz normal...


Jetzt ein paar Leica-Bilder, ich finde schon, dass man den Unterschied merkt.

Vor dem Skirennen

Leica M9, 50mm Summilux  f/1.4  1/2000sec  ISO 160,   ND-Filter 3 Blendenstufen (wird statt des UV-Filters vor das Objektiv geschraubt)

Letztes Briefing vor dem Rennen

Leica M9, 50mm Summilux  f/4.0  1/1500sec  ISO 160,   ND-Filter 3 Blendenstufen

Am Start

Leica M9, 50mm Summilux  f/4.0  1/1500sec  ISO 160,   ND-Filter 3 Blendenstufen

Im Rennen

Leica M9, 90mm Summarit  f/8.0  1/2000sec  ISO 160

Die ganz Harten ohne Lift: Touring Ski

Leica M9, 50mm Summilux  f/4.0  1/2000sec  ISO 160,   ND-Filter 3 Blendenstufen

Im Fun-Park

Leica M9, 28mm Summicron  f/8.0  1/2000sec  ISO 160

Davon habe ich dutzende...

Die Skilehrerin wird „zugetextet“

Dies ist ein analoges Bild, gemacht mit der M2 von 1958, 50mm Elmar Objektiv von 1963, Film ist Fuji Velvia.

Klasse-Farben, Klasse-Qualität. Nur extrem mühsamer Workflow...

Schneefigur an der Bergstation

Wo ich schon mal dabei bin: Hier ein Beispiel mit der M2 und Kodak Tri-X Film (eigentlich ein klassischer Reportage-Film), 35mm Summilux f/5.6 mit Gelborangefilter vorgeschraubt.

Siegerehrung

Leica M9, 28mm Summicron  f/6.7 1/1000sec  ISO 160

Moderation

Leica M9, 50mm Summilux  f/1.4  1/3000sec  ISO 160,   ND-Filter 3 Blendenstufen

Die schnellste Gruppe im Skigebiet...

Leica M9, 28mm Summilux  f/6.7  1/1000sec  ISO 160,   ND-Filter 3 Blendenstufen

Life-Musik gab‘s auch, die Jungs waren echt gut, ich kann‘s schliesslich beurteilen...

Leica M9, 50mm Summilux  f/1.4  1/2000sec  ISO 160,   ND-Filter 3 Blendenstufen

Wieder Erinnerungs-Foto: Witzigerweise Dieselben, die ich ein paar Tage zuvor bei der gleichen Tätigkeit mit der X100 abgelichtet hatte, fiel mir erst auf, als ich die Bilder zuhause betrachtete.

Leica M9, 50mm Summilux  f/1.4  1/2000sec  ISO 160,   ND-Filter 3 Blendenstufen

Und was machte ich abends im Tal?

Natürlich Landschaftsfotos...

Ich habe jetzt schon viel mehr Bilder gezeigt als ich wollte, aber ich habe eben so viele (noch viel mehr...), ich schränke mich jetzt bei den Landschaftsaufnahmen ein und zeige nur die Ansicht von Reschen: Einmal digital (sogar HDR!), einmal analog.

Reschen

Leica M2 mit 50mm Elmar, Gelb-Filter,  Kodak Tri-X

Reschen bei Dunkelheit

Leica M9 mit 75mm Summicron f/4.0  HDR aus drei Belichtungen

Die Fuji X-Pro1

Schwere Anleihen bei Leica, was das Design betrifft, aber im Inneren extrem Innovatives. Davon später mehr.

Sie ist keine Messsucherkamera, aber wird wie eine benutzt.

Fuji wird einen Adapter für M-Objektive herausbringen, dann ist die Kamera für mich vielseitig benutzbar. Aber auch das 35mm Fujinon f/1.4 -Objektiv ist bereits Sonderklasse und kann sich mit Leica-Glass messen. So was kommt mir nicht leicht über die Lippen...

Mittwoch, 18. April  2012