Pfingsten

 

Eindrücke einer „langen Nacht“

Eigentlich wollte ich ja noch verschiedene Aspekte meiner von der Ardèche mitgebrachten Bilder zeigen, aber gestern war sie „Nacht der offenen Kirchen“ zu Pfingsten, an denen sich St. Stephan und St. Johannis in Vlotho mit einem gemeinsam abgestimmten Programm beteiligten.


Da ich selbst in  verschieden Programmpunkte (musikalisch) eingebunden war, kann ich hier keine vollständige Dokumentation liefern, aber ein paar Dinge waren fotografisch reizvoll, die will ich zeigen.

Die Bilder von der Ardèche, zu denen es auch noch etwas zu sagen gibt, laufen nicht weg...


Das Bild oben von Ten Sing ist fototechnisch insofern interessant, als das ich immer sofort bei Lichtverhältnissen, die sowohl „Schummerlicht“ als auch grelle Lichtquellen umfassen zum 35mm Summilux asph. greife, das mit solchen Bedingungen gut klar kommt.

Dazu dessen sehr gute Lichtstärke, dass man auch kurze Belichtungszeiten realisieren kann, um zu viel Bewegungsunschärfe zu vermeiden (merke: Bewegungsunschärfe kann durchaus erwünscht sein, solange noch Teile des Motivs scharf dargestellt sind).

Als ich dieses und auch andere Einstellungen dieser Szene fotografierte, kontrollierte ich ab und zu auf dem Kameradisplay die Bildrückschau. Das Bild ist dabei Nebensache, in erster Linie will ich das Histogramm sehen. Das Lesen und Interpretieren des Histogramms ist eine wichtige Grundvoraussetzung für eine sinnvolle Belichtungskorrektur.

Hier z.B. wollte ich durchaus auf die dunkleren Bildanteile richtig belichten. Dabei nehme ich in Kauf, wenn Spitzenlichter, z.B. die Scheinwerfer, „ausbrennen“. Das Histogramm zeigt das sehr gut, man muss aber wissen, wie es aussehen sollte...

Wenn ich die Spitzenlichter hier geschont hätte, hätte ich im postprocessing die Belichtung hochziehen müssen und mir zu viel Bildrauschen eingefangen.


Lustige Randerscheinung dabei war, dass mir jemand von Ten Sing dabei über die Schulter guckte mit der Bemerkung: „Geht nicht gut, was?“

Ich wusste zuerst nicht, was er meinte, weil ich mit den Bildern sogar sehr zufrieden war (ich liebe diese gemischten Lichtverhältnisse...), aber dann verstand ich: Er meinte die Nebelmaschine!


Und zwar hatte er genau wie ich die Bühne fotografiert, aber mit Blitz! Da ich ja ein Blitzmuffel bin, konnte ich auf diese Tücke des Details gar nicht stossen, denn der Nebel macht beim Blitzen genau den selben Effekt als wenn man einen Autoscheinwerfer in einer Nebelbank aufblendet: Ganz viel Licht wird zurückgeworfen und blendet, was hinter dem Nebel ist, verschwindet total...

So kommen dann nur „milchige“ Bilder dabei heraus. Als ich den Sachverhalt erklärte, sah er das auch sofort ein und schaltete den Blitz ab, aber das Objektiv seiner Kamera (Canon 500D) war zu lichtschwach, dann noch etwas sinnvolles abzubilden.

Ab und zu merke ich an solchen Dingen, wie verwöhnt ich durch meine High-End Ausrüstung bin, dass ich mir über so etwas gar keine Gedanken machen muss. Aber man muss auch wissen, wie man sie anwendet, das tröstet mich und befreit von dem evtl. Vorwurf, man müsste sich nur ein teures Equipment kaufen, um eine Garantie für erstklassige Bilder zu haben...

Ten Sing mit „Bühnenshow“

Leica M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/250sec  ISO 160

Den Stummfilm konnte ich nicht ganz zu Ende sehen, immer fielen mir die Augen zu, so dass ich nicht ganz bis an den Schluss der langen Nacht gekommen bin, die mit einer Andacht in St. Johannis endete.

Aber der ganze Abend war aus Sicht der Kirchengemeinden ein voller Erfolg, sehr gut angenommen von den Vlothoern, so dass sich die vielen Vorbereitungen, an denen auch Viele beteiligt waren, gelohnt haben.


Bald komme ich sicher noch einmal auf die Ardèche zurück, da gibt es zum Beispiel noch „Lokalkolorit“ zu zeigen, beim Besuch des Wochenmarktes von Vallon Pont d‘Arc habe ich versucht, die Stimmung dort einzufangen. Und das sowohl digital als auch analog...

Ten Sing mit „Bühnenshow“, Solisten

Leica M9 mit 35mm Summilux bei f/2.0  1/60sec  ISO 160

Wie Eingangs erwähnt, hatte ich an verschiedenen Schauplätzen zu tun. Ganz am Anfang war ein Bläserkonzert der Posaunenchöre Valdorf und St.Stephan gemeinsam. Ich spiele erste Trompete (in St. Stephan) und mit den Valdorfern zusammen kann man sehr schöne Stücke zur Aufführung bringen.

Vor dem Bläserkonzert

Leica M9 mit 28mm Summicron bei f/2.0  1/2000sec  ISO 160

Grillen auf dem Kirchplatz

Leica M9 mit 28mm Summicron bei f/4.0  1/125sec  ISO 160

Ich musste zunächst noch mit der Kantorei in der Kirche singen, dann mit meinem Flötenquartett noch einmal kurz eine Flötensonate von Friedrich II proben, die wir später in St. Johannis zu Gehör brachten, im Rahmen der Thematik um Friedrich II, dem die Gemeinde im Grunde Ihre Kirche verdankt.

Das gute war, dass für unser Quartett Plätze in der ersten Reihe von St. Johannis reserviert waren. Dort wurde nämlich ein kleines Schauspiel um den Sachverhalt eben jener Kirchstiftung gegeben. Wir sollten eine seiner Sonaten spielen, um auch diese Facette dieser schillernden Persönlichkeit zu zeigen.

Selbstverständlich hatte ich die M9 dabei...

Friedrich II in Sanssouci...ist genervt von den Vlothoer Kirchengemeinden

Leica M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/125sec  ISO 160

Die reformierte Gemeinde setzt einen Brief an den König auf

Leica M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/250sec  ISO 160

Ein Diktat

Leica M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/125sec  ISO 160

Friedrich II

Leica M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/180sec  ISO 160

Als ich von St. Johannis zurückkam, war der Marktplatz ziemlich verlassen, denn alle waren erwartungsvoll in St. Stephan, wo der Stummfilm „Moderne Zeiten“ von Charlie Chaplin gezeigt wurde, routiniert auf der Orgel begleitet (als wär‘s eine Wurlitzer...) von unserer Kantorin Han Kyoung Park-Oelert, die das schon öfter gemacht hat (will sagen: Stummfilme musikalisch ausgestaltet). Aber die Kirche war bunt beleuchtet und ein paar Leute (und mein Quartett, denn wir hatten Durst nach unserem Auftritt in der recht stickigen Kirche) waren noch an der Aussenbar.

Durst ist schlimmer als Heinweh...

Leica M9 mit 35mm Summilux bei f/2.0  1/12sec  ISO 1250

Erstens: Man beachte, mit was für Belichtungszeiten noch halbwegs scharfe Fotos aus der Hand mit einem 35mm Objektiv möglich sind. Der technische Vorteil einer spiegellosen Kamera ist, dass kein Spiegel beim hochklappen die Kamera in Erschütterung versetzt. So sind Bilder aus der Hand 1-2 Blendenstufen niedriger möglich, als mit einer Spiegelreflexkamera. Das galt schon in analoger Zeit, besonders die M3 mit ihrem Tuchverschluss mit vernachlässigbarer Trägheit wurde von den Reportern in schummrigen Szenarien geschätzt. Damals galt ein 400 ASA-Film als hochempfindlich...

Zweitens: Bei richtiger Belichtung liefert auch der nicht so High-Iso geeignete Sensor der M9 sehr schöne, klare Dateien. Das Bildrauschen, das auftaucht, erinnert mehr an feines Korn früherer Filme.

Zum Stummfilm, noch ist Einlass

Leica M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/25sec  ISO 1250

Montag, 28. Mai  2012