perfekt?  Wohl Kaum!

 

Die  Perfekte Kamera?

„...mit der perfekten M9“ steht in einem Artikel, den die heimische Zeitung über mich und mein Hobby gemacht hat.

Aber das ist sie natürlich nicht, „Perfekt“ ist wahrscheinlich gar keine Kamera.

Für die meisten wäre gerade die M9 absolut unbrauchbar, und zwar nicht, weil ich mir einbilde, ich wäre der Einzige, der sie richtig bedienen kann, sondern weil die meisten gar keine Lust haben, sich mit fotografischen Details auseinanderzusetzen. Sie wollen einfach gute Bilder, ohne viel einstellen zu müssen und das ist ihr gutes Recht.


Aber auch Fotoenthusiasten mit gehobenen Ansprüchen müssen der Leica nicht mit Haut und Haar verfallen, sie ziehen die Haptik, Bedienfreundlichkeit und Autofokus ihrer Nikons, Sonys, Canons etc. vor, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ihnen so eine unbegrenzte Anzahl Objektive jeder Güte, Preisklasse und Brennweite zur Verfügung steht. Dabei führen nach wie vor die grossen Spiegelreflexkameras die Phalanx an.


Für meine fotografischen Belange ist die Leica das perfekte Werkzeug, aber ich befinde mich sozusagen in einer „Nische“, bin nur einer ganz kleinen Zielgruppe zugehörig.

Ausserdem: Gerade erst wieder las ich im Blog von Steve Huff eine Artikel, in dem er davon abrät, ständig dieses Wettrennen mit den neuen Kamerabodys mitzumachen.


„It‘s the lenses! Don‘t upgrade the Body!“


sagt er, und das ist Wasser auf meine Mühlen, denn wie man auch bei mir nachlesen kann, halte auch ich die Investition in gute Objektive für sinnvoller. Das ist mein Ernst, wenn ich an dieser Stelle einfüge, dass die Leica-Objektive in aller Regel ihren Besitzer überleben. Mit einem einfachen Adapter können heute selbst die Objektive von  Anfang der 1930er Jahre  heute noch vor der M9 benutzt werden und zeigen eine bessere „Performance“ als manches moderne Objektiv. Mein 50mm Summicron ist von 1986, es liefert fantastische Ergebnisse. Es gibt bis heute auch gar kein verbessertes Modell des 50er Summicron von Leica...(update: Jetzt schon, seit Mai 2012)

Oder wenn ich mein 50mm Summilux betrachte, ist ganz klar: Es ist ein optisch-mechanisches Meisterstück aus Messing und Glas, bei sorgsamer Behandlung wird es definitiv noch in Hundert Jahren funktionieren!

Aber so sehr hetzen mit neuen Bodys muss ich mich sowieso nicht, denn Leica bringt nicht, wie andere, alle 6 Monate ein neues Gehäuse heraus.

Wenn mal die Leica M10 kommt (und wohl nicht vor Ende 2012), käme ich schon in Versuchung, denn eins ist sicher: Leica hört auf seine Kunden, so kann man sicher sein, dass einige Dinge, die jetzt an der M9 fehlen, berücksichtigt werden.




Na bitte, da haben wir‘s, so perfekt ist die M9 gar nicht: Ich persönlich würde mir mehr Wetterfestigkeit wünschen, denn sie ist ja gerade für „Outdoor“ gedacht. Die Canon 1D, praktisch eine reine Studiokamera, ist vollversiegelt, aber die M-Modelle von Leica, für Reisen in alle entfernten Winkel der Welt prädestiniert, nicht.

Natürlich, durch die hohe Fertigungsqualität haben die Kameras von Leica schon allen extremen Witterungsbedingungen auf diesem Planeten getrotzt, aber nominell nässebeständig sind sie nicht. Und mehr noch als die Filmkameras sind die Digitalen mit Schaltkreisen versehen, die bei Feuchtigkeit sofort den Geist aufgeben...


Weiter auf meiner Wunschliste steht:

Etwas mehr Rauscharmut bei hohen ISO-Zahlen (kann nie schaden, auch wenn ich bei den lichtstarken Objektiven kaum über ISO 800 hinauskomme).

Besseres LCD-Display, man kann die Bilder nicht gut beurteilen.

Vielleicht noch Live-View, könnte man für Stativ-Aufnahmen gebrauchen.

Aber jetzt fällt mir schon nicht mehr so viel ein...was ich auf keine Fall will:

Die Form der Kamera und Anordnung der Bedienelemente sind nicht zu verbessern und sollen unbedingt so bleiben!

Auch ist das Messsucherprinzip nach wie vor für das manuelle fokussieren super und sollte nicht verlassen werden. Ich kann noch in Dämmerlicht fokussieren, wenn der Autofocus anderer Kameras aus Kontrastmangel längst aufgibt oder ein entnervendes AF-Hilfslicht aussendet.


Also, M9: Nicht perfekt in Bezug auf fotografische Belange im Allgemeinen, aber natürlich perfekt für mich...ich singe ja das Loblied auf dieser Webseite oft genug.

Sie ist das beste und direkteste fotografische Werkzeug, das ich je hatte, und sie liefert (durch das abgestimmte Zusammenspiel zwischen Objektiven und Sensor) die beste Bildqualität, die ich je erzeugen konnte. Der Zugang zu den hochwertigen Objektiven (auch von Zeiss und Voigtländer) ist auch nicht zu unterschätzen, das Arbeiten mit Offenblende, die „Zeichnung“ der Objektive im Allgemeinen sind Stilmittel, auf die ich einfach nicht mehr verzichten möchte.

Es kommen immer neue, tolle Kameras heraus, die mich auch reizen, aber bei Lichte betrachtet, möchte ich mein „Werkzeug“ im Augenblick für keine andere Kamera dieser Welt tauschen.

Ich warte bis zur M10...

 

Septembermorgen am Weserufer,

Bild von vorgestern mit der M9 und 21mm Elmarit @ f/3.4  1/750sec  ISO 160

Keine andere Kamera-Objektiv-Kombination, die ich bis jetzt besass, war in der Lage, mir Bilder von solcher Dynamischer Breite zu liefern.

Dennoch heisst das nicht, dass jeder mit einer Messsucher-Kamera glücklich würde, oder dass sie zu allem zu gebrauchen wäre...

Gestern beim Waldspaziergang,

M9 mit 50mm Summilux @ f/2.8 1/180sec  ISO 160

Montag, 26. September 2011