Im Tannheimer Tal

 

Auf dem Gipfel des Rot Flüh

M9 mit 35mm Summilux Asph. bei f/2.8   1/1500sec  ISO 160

Sonntag, 14. Oktober  2012

Panta rhei,


alles fliesst. Bei Heraklit ist gemeint, dass alles vergänglich ist, in unserem Herbsturlaub allerdings nahm die Sache eher wortwörtlichen Charakter an, denn es gab ein paar Regentage (aber auch ebenso schönes Wetter).

Nun hatte ich mir schon länger vorgenommen, mal etwas über Langzeitbelichtungen zu schreiben, aber das ist ein komplexes Thema, dass man in verschiedene Bereiche aufspalten muss:


  1. 1.Langzeitbelichtung bei Tageslicht mit Hilfe von ND-Filtern

  2. 2.bei „Low Light“, z.B. in der Dämmerung, auch ggf. um HDR-Fotos zu erstellen

  3. 3.bei Nacht (z.B. Sternenhimmel)

  4. 4.Feuerwerk

  5. 5.um Blitze zu fotografieren


Diese unterschiedlichen Szenarien erfordern durchaus jeweils andere Einstellungen der Kamera. Eine Gemeinsamkeit ist, dass man eine möglichst niedrige ISO-Zahl einstellen sollte.


Hier wird jetzt Punkt 1 abgehandelt. Es gab so viel Regen, dass die Bergbäche gut Wasser führten und ich so auf die Idee kam, die klassische Aufnahme des fliessenden Wassers mit Langzeitbelichtung zu machen.

Man braucht: Ein Stativ, das stabil und schwingungsfrei die Kamera hält. Ich habe bisher noch kein Billig-Stativ gesehen, dass diese Anforderung erfüllt.

Des weiteren wird ein Graufilter benötigt, der wenigstens 3, besser aber 6 oder 10 Blendenstufen Licht schluckt. Abhilfe, falls kein Graufilter vorhanden, auf Blende 16 oder 22 abzublenden, aber die einsetzende Diffraktion wirkt sich ungünstig auf die Auflösung aus, ausserdem möchte man vielleicht nicht das gesamte Bild knallscharf haben, sondern legt Wert auf Bokeh (Bildbereiche ausserhalb der Schärfentiefe).

Ich machte mich also auf den Weg in die Berge, Regenschirm, Stativ, Kamera, Filter, Objektive, Wasserdichte Regenjacke, hohe Wanderschuhe dabei. Auf den Regen bei den Fotos hätte ich gut verzichten können, aber bevor ich im Wellness-Bereich des Hotels versacke, gehe ich lieber mal raus...

Technik eigentlich ganz klar: Kamera aufs Stativ, Filter davor, Blende (nicht zu klein) wählen, Belichtungsautomatik für die Zeit (aber unbedingt Histogramm kontrollieren, ggf. Belichtungszeit besser manuell einstellen, Ruhe genug hat man ja...). Unbedingt Auto-ISO abstellen, stattdessen möglichst niedrige ISO-Zahl wählen.

Am besten mit Selbstauslöser fotografieren, das vermeidet „wackelei“ durch den Fingerdruck beim auslösen. Der Weissabgleich muss spätestens beim postprocessing eingestellt werden, denn die starken ND-Filter geben einen gelblichen Einschlag.

Bergbach

M9 mit 28mm Summicron Asph. bei f/2.8   1,5sec   ISO  160  ND-Filter 6 Blendenstufen

Nun bin ich den ganzen Vormittag in den Bächen herumgeklettert und habe verschiedene Bildkompositionen ausprobiert, so dass dutzende Aufnahmen entstanden, die aber am Stück betrachtet langweilig werden, weil ja immer auf dem selben Stilmittel herumgeritten wird, dem fliessenden Wasser.

Aber wenn man mal auf so etwas zukommt, kann es ein sehr schönes Stilelement sein, z.B. ein Springbrunnen auf einem Platz in einer Stadt, oder überhaupt alles, was sich bewegt, etwa Autos auf einer Strasse, Menschen in einer Fussgängerzone, der Fantasie und Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Ich habe in meiner Kameratasche immer ein stabiles Ministativ von Manfrotto und einen ND-Filter dabei, so dass ich spontan reagieren kann.

Mein Lieblingsbild von dem Morgen ist das folgende, zudem finde ich, dass in der Schwarzweissbearbeitung das Wasser besonders gut „fliesst“:

Bergbach

M9 mit 28mm Summicron Asph. bei f/4.0   3sec   ISO 160  ND-Filter 6 Blendenstufen

Nun wollte es der Zufall (there is no thing like „coincidence“), dass unsere Hotelwirtin, als es am nächsten Tag immer noch regnete, als lohnendes Ausflugsziel auch bei schlechtem Wetter die Breitachklamm bei Obersdorf vorschlug.

Um bei der passenden Metapher zu bleiben, das war „Wasser auf meine Mühlen“, ich hoffte auf ein paar nette Langzeitbelichtungen...

Aber der Besuch dieser Klamm war das nasseste, was ich meiner guten M9 jemals zugemutet habe, die ja nicht als wasserfest deklariert ist. Von überall kam die Nässe: Von oben, denn es regnete in Strömen, von der Seite, denn es tropfte von den Felswänden, bzw. es gab seitliche Wasserfälle, unter denen man durchging, und von unten, denn die tosenden Wassermassen sandten Gischt herauf.

Ich hatte auch noch nie so viele verwackelte und unscharfe Aufnahmen in einer Serie, und zwar aus folgendem Grund: Ich hatte nicht mein grosses Stativ mit (dass wäre bei der Enge dort und den vielen Leuten auch nicht praktikabel gewesen), sonder mein Mini-Stativ, auf das ich mich gut verlassen kann.

Aber ich hatte zunächst die glorreiche Idee, es auf dem Geländer des Fusswegs abzustellen. Normalerweise kein Problem, aber es waren so viele Leute unterwegs, dass das Geländer in ständiger Vibration war und gar keine ruhige Lagerung erlaubte.

Im dunkleren Teil der Klamm nahm ich den ND-Filter ab und fotografierte aus der Hand, bei dem 21mm-Objektiv kann man mit 1/12sec noch verwacklungsfreie Fotos machen, das Wasser ist bei der Geschwindigkeit, die es hat, immer noch verwischt. Aber ich wurde ständig von vorbeidrängenden Leuten angerempelt. Dann sollte jeder mal versuchen, bei einer zweihändig zu bedienenden Kamera mit Regenschirm unter dem Ellenbogen jonglierend bei den vorgenannten Bedingungen noch eine halbwegs ansprechende Bildkomposition zu erzeugen (ohne Regenschirm wäre die Optik sofort kladdernass gewesen). Es war im fotografischen Sinne echt abenteuerlich, aber bin ich wieder mal begeistert, was die Kamera (und Objektive) ausgehalten haben. Ich hatte ja zwischendurch den Filter von ND auf normal UV gewechselt, das ging aber gar nicht, weil in der Klamm so feuchte Luft war, dass in dem kleinen Zwischenraum von Objektiv und Filter die Feuchtigkeit sofort den Filter von innen beschlug. Einzige Lösung war, ihn ganz abzunehmen. Das ist ja auch kein Problem, der UV-Filter ist ja auch mehr ein Schutz für die Frontlinse, als das er optisch grosse Bedeutung hätte, aber ich bin froh, dass ich es überhaupt gemerkt habe, denn sonst wären alle Aufnahmen total „vernebelt“. Ich musste aber sowieso alle paar Minuten die Frontlinse von Tropfen befreien, so das mir das nicht entgehen konnte.

Vor der Klamm

M9 mit 21mm Super-Elmar  bei f/5.6   1sec   ISO 160  ND-Filter 6 Blendenstufen

In der Klamm

M9 mit 21mm Super-Elmar  bei f/3.4   1/8sec   ISO 160

Man sieht hier ganz gut, wie von allen Seiten dass Wasser kam..

Trotz der vielen unbrauchbaren Bilder sind ein paar echt „dramatische“ Aufnahmen, auch in Farbe, übriggeblieben, Vielleicht mache ich noch ein Album in „meine Alben“, dann stelle ich auch andere Bilder aus der Klamm dort ein.

Aber, damit nicht der Eindruck entsteht, unser Urlaub sei total verregnet, hier noch einige Bilder von den schönen Tagen:

Wanderung

M9 mit 21mm Super-Elmar  bei f/3.4   1/1500sec   ISO 160

Auf dem Gipfel des Rot Flüh

M9 mit 35mm Summilux Asph. bei f/2.8   1/2000sec  ISO 160

Sonne und Wolken: Die Kissinger Hütte am Aggenstein

M9 mit 21mm Super-Elmar  bei f/3.4   1/1500sec   ISO 160

Kuriose Begegnung in der Wolke: Diese Gemse war so zutraulich, dass ich sie mit dem Normalobjektiv aus 4m Entfernung ablichten durfte...

M9 mit 50mm Summilux Asph. bei f/1.4   1/500sec  ISO 160  ND-Filter 3 Blendenstufen

Herbstliche Farben am späten Nachmittag, unterwegs mit dem Mountainbike

M9 mit 21mm Super-Elmar  bei f/3.4   1/750sec   ISO 160