Bei Anruf: Nord !!

 

Samstag, 05. Januar 2013

Nicht Venedig, sondern Hamburg, an der Innenalster

M9 mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4  1/3000sec    ISO 160


Ja, ich weiss, dass mit den Vögeln im Vordergrund ist so eine Marotte von mir, aber ich finde, dass dann ist die Aufnahme weniger „statisch“ wirkt.

Eine Reise nach Sylt via Hamburg (und ein  neues Spielzeug...)

Kurz vor Weihnachten rief mein Schwager (der Sylter) an und lud unsere Familie ein, den Jahreswechsel auf Sylt zu verbringen.

Das traf sich gut, denn am 29. hatten wir schon ein Treffen mit meinem anderen Schwager in Hamburg geplant, nach einer Nacht dort weiter nach Norden vorzustossen war kein Problem.


Wenn ich in einer Grossstadt ankomme, denke ich immer: Was für Möglichkeiten (fotografisch)!

Lichter, Architektur, Menschen, Menschen, Menschen!

Ich möchte am liebsten überall gleichzeitig sein. Weiss Gott, bei dem Leben dort kann ich gut nachvollziehen, wenn ein Berliner , Hamburger, Münchener in unserem Kaff in der Provinz nicht mal tot über‘m Zaun hängen will...


Genau so ging es mir wieder in Hamburg. Sobald ich mich am späten Nachmittag verdrücken konnte, hielt es mich nicht länger. Unser Hotel (Hyatt) liegt direkt an der Mönkebergstrasse, und dort tobte das Leben. Es war schon ziemlich dunkel, aber das war gerade gut!

Ich hatte eine Stunde Zeit...denn wir wollten noch ins Theater (Thalia: Auf dem Programm „Dantons Tod“ von Büchner, genau das Richtige, um den Abend beschwingt zu schliessen....).

Ich beschloss also, schnell „einmal um den Block“ zu laufen und mich überraschen zulassen, was sich so vor die Linse bekommen lässt.


Reichlich! Wenn ich in einer Grossstadt wohnte, müsste ich mir jede Woche eine neue Festplatte kaufen...

Mönkebergstrasse

M9 mit 21mm Elmarit asph. bei f/2.8  1/30sec    ISO 160


In weiser Voraussicht hatte ich mein 21mm Elmarit eingesteckt, dass für solche Gelegenheiten seine bessere Lichtstärke gegenüber dem Super-Elmar ausspielen kann. Ansonsten bevorzuge ich das Super, es ist kleiner und eines der hochauflösendsten Objektive von Leica, und das will dann schon was heissen...

Speed

M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/30sec    ISO 500

Klänge der Grossstadt

M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/30sec    ISO 400


Ich werfe bei Strassenmusikanten immer etwas „in den Hut“, sie sind dann immer freundlich gestimmt und lassen sich bereitwillig ablichten...

Alsterbrücke

M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/30sec    ISO 500

Ich weiss, indiskret...aber welcher Street-Fotograf kann an so etwas schon vorübergehen?

M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/30sec    ISO 640

Am Rathaus

M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/30sec    ISO 640


Das 35mm Summilux allein reicht völlig aus, um glücklich zu sein. Hier war mir natürlich die Lichtstärke wichtig. Aber 35mm ist eine ideale Brennweite für alles. Kein Zufall, dass sie oft für Kameras mit Festbrennweite gewählt wird. Jüngstes Beispiel die Sony RX1, die mit Sicherheit eine Ära hochwertiger Alternativen zu Leica einläutet.

Ich widerstehe der Versuchung, noch mehr zu zeigen, denn es gab genügend lohnenswerte Motive.

Leider fehlte mir die Zeit, mich mehr ins Detail vorzuarbeiten.


Wenn ich fotografieren gehe, auch bei Events, beobachte ich bei mir das Phänomen, dass ich „warm werde“. Damit will ich sagen, dass mein Gespür und mein Blick sich verändern, während ich fotografiere, vorausgesetzt, ich habe die nötige Ruhe. Oft sind in der zweiten Hälfte eines „Shootings“ die besseren Bilder, wenn ich auch kein allgemeines Gesetz daraus machen würde.


Am nächsten Morgen zogen wir weiter nach Sylt. Das Schicksal wollte es, dass wir alle am Sylvestermorgen in die Stadt gingen. An dem Geschäft mit dem roten Punkt kam ich natürlich nicht vorbei. Ich musste wenigstens mal rein und „Hallo“ sagen. Eigentlich wollte ich mir vor allem die Fuji X-E1 mal in Natura ansehen, und das tat ich auch. Eindeutig nicht der kleine Bruder der X-Pro1, sondern eher die bessere Alternative, weil viel handlicher (kleiner), eher in der Grössen-Klasse der X-100. Die X-Pro ist einfach zu gross, sie ist ja sogar grösser als meine M9. Das an der X-E1 kein optischer Sucher ist, macht sie durch den wirklich guten elektronischen Sucher wieder wett.


Ich dachte ja nun, ich hätte mein G.A.S. gut im Griff (nein, ich habe die X-E1 nicht gekauft, so gut habe ich mich doch in der Gewalt), aber da kam Mephistopheles mit schwefelgelber Flamme in Form des Ladenbesitzers aus dem Boden und versuchte mich: Er hatte etwas da, worauf ich schon mal spekuliert, aber es zunächst wieder verworfen hatte: Das weiteste Objektiv der Welt, das aber kein „Fisheye“ ist: Das Voigtländer Ultrawide Heliar 12mm...in seiner modernen Form an den Messsucher gekoppelt (denn dessen Vorgänger hatte das nicht), die Worte: „Apage Satanas“ blieben mir im Halse stecken...

Das Problem ist: Wenn man schon mal ins Auge gefasst hat, so etwas zu erwerben und lediglich aufgeschoben hat (brauchst du nicht wirklich...) ist kein Widerstand zu überwinden, wenn man es sozusagen „in den Schoss gelegt“ bekommt. Ein leichtes Spiel also...ich brauchte wenigstens nicht mit Blut zu unterschreiben. Meine Seele hab‘ ich auch noch...glaub ich wenigstens...


Als ich aus dem Laden wankte, war ich gerade dabei, meine Augen auf einen Bildwinkel von 121° zu schrauben, daher sah ich nicht die feurigen Buchstaben an der gegenüberliegenden Hauswand: „Gewogen, und für zu leicht befunden“ (mene, tekel, u-parsin...), bestimmt war jemand anders gemeint, es gibt so viel sündige Menschen auf Sylt, ja, ja, so wird es sein...

Ich war schon zu sehr damit beschäftigt, mir die neuen Perspektiven auszumalen ;-)


Ja, nee, is‘ klar...(frei nach Atze Schröder), aber G.A.S. muss ich doch nicht dämonisieren, im Gegenteil, das kurbelt doch die Industrie an (oder in diesem Fall eher den Aussenhandel).

Ein gutes Neues Jahr!

Mein erstes Bild mit dem 12mm: Ideal für Vermieter von Ferienwohnungen, macht aus jeder Besenkammer einen Sitzungssaal...

M9 mit 12mm CV Heliar bei f/5.6  1/25sec    ISO 400

Aber so ganz naiv hatte ich das  CV 12mm doch nicht gekauft: Ich wusste schon von Sean Reid, dass es seine Eigenheiten hat: Bei diesem weiten Winkel fallen die Lichtstrahlen im äusseren Bereich des Sensors so schräg ein, dass dies zwei Dinge erzeugt:


  1. 1.Starke Vignettierung, bei der mittenbetonten Belichtungsmessung der M9 muss man evtl 1-2 EV Belichtungskorrektur durchführen, sonst sind die Bildecken so dunkel, dass man sich ordentlich Rauschen einfängt, wenn man dies kompensieren will.

  2. 2.„Color Shift“ an den Bildrändern, und nicht zu knapp, weil die Strahlen unterschiedlicher Wellenlänge unterschiedliches Brechungsverhalten zeigen. Bei der M9 linker Rand Richtung Rot, rechter Rand Richtung Cyan. So etwas haben die Leica Objektive auch, aber im Unterschied zum Cosina-Voigtländer werden diese schon in der Kamera mit Hilfe der Firmware kompensiert, die die Codierten Leica-Objektive erkennt und Farbstiche sofort korrigiert.


Nun gibt es immer „Workarounds“ wie man auf Neudeutsch sagt, und schlaue Leute vor mir haben die Lösung dieser Besonderheiten bereits erarbeitet:

  1. 1.Eine bereits vorhandene Codierung ausnutzen, die dem Profil des CV12mm möglichst nahe kommt: Das ist das 21mm Elmarit (pre-aspherical) Nr. 11134. Und damit man nicht dauernd vergisst (oder zu bequem ist, wie ich) diese Linse manuell im Menü einzustellen, kann man sein Nicht-Leica Objektiv mit einem schwarzen Permanent-Marker einfach selbst codieren. Dazu gibt es Schablonen und die nötigen Codes für die jeweiligen Objektive zum download im Net. Hach, schöne neue Internet-Zeit! Jetzt gaukelt mein 12mm also der Kamera vor, es sei das alte 21mm Elmarit, das nennt man im Tierreich glaub‘ ich Mimikry...Naja, die Quersumme der Brennweite bleibt die Gleiche...

  2. 2.Aber das Profil korrigiert das Objektiv nur annähernd, und in Situationen, in denen das nicht ausreicht, kommt „Cornerfix“ ins Spiel, ein cleveres kleines Programm, dass schon seit Monaten auf meinem Computer im Dornröschenschlaf lag...Ein netter Mensch Namens Sandy McGuffog hat es entwickelt und frei ins Netz gestellt. Ohne zu sehr ins einzelne zu gehen will ich nur sagen, dass es jedes beliebige Objektiv auf dieser Welt von Color-Shift und Vignette befreit. Mein netter Leica-Händler auf Sylt guckte etwas sparsam, als ich ihm das alles vor dozierte, er hatte das nicht gewusst (aber er wollte das Objektiv schliesslich verkaufen, wenn er das alles jedes mal dazu erzählen soll, schreckt das wohl nur ab).

Am Neujahrsabend: Wenn man bei dem Objektiv das Wasser noch näher kommen lässt, hat man schon nasse Füsse...

M9 mit 12mm CV Heliar bei f/5.6  1/1000sec    ISO 160


Das Bild zeigt einen leichten Magentastich am linken Rand, ich hatte nämlich noch keine Gelegenheit, mir ein vernünftiges Profil in Cornerfix zu basteln.

Mit einem Weitwinkel muss man sehr nah herangehen. Bildkompositorisch wichtig, sonst hat man jede Menge „leeren“ Vodergrund.

Dass ist bei dem Objektiv wirklich extrem, es hat eine Nahgrenze von 50cm, aber aus der Entfernung fotografiert hat man z.B. eine Person schon bis zur Gürtellinie auf dem Bild, wenn die Bildmitte in Augenhöhe liegt!

Aber grade dieses Extreme finde ich, ist das Besondere, das mir noch, soll ich sagen, fehlte? Es setzt dem im Gegensatz dazu zahm wirkenden 21mm noch mal wirklich „einen drauf“, ein 18mm z.B. hebt sich vom 21mm kaum ab, es lohnt nicht, beide mit herumzuschleppen. Aber das 12mm ist schon ein deutlicher Unterschied. Auf Sylt hatte ich auch aus Zeitmangel nicht so viel Gelegenheit, die Möglichkeiten des Objektivs auszureizen, aber ich bin überzeugt, das kommt noch...


Am Neujahrstag ist immer „Neujahrsschwimmen“ in Wenningstedt. 120 furchtlose Schwimmer stürzen sich in die 4° kalte Nordsee. Der persönliche Bezug dazu war für mich, dass mein Schwager (nebenberuflich) solcherlei Veranstaltungen moderiert. Gut 2000 Leute waren vor Ort, als bei bestem Wetter die Schwimmsaison eröffnet wurde.

Szenario am Strand: Im Hintergrund der Seenotrettungskreuzer „Minden“, die übrigen Zuschauer befanden sich hinter mir, auf der Kurpromenade.

M9 mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4  1/1000sec    ISO 160

Die Vorhut der Tapferen...

M9 mit 12mm CV Heliar bei f/5.6  1/180sec    ISO 160

Und...Action

M9 mit 35mm Summilux bei f/2.8  1/750sec    ISO 160

Ich hätte ja gerne noch die Plantscherei in der Brandungszone fotografiert, aber da war absolut kein Durchkommen. Ich war schon froh, dass ich diesen Platz ergattert hatte.

Nachher verliefen sich die Leute blitzschnell und wir trafen meinen Schwager, bestens zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung, oben auf der Kurpromenade.

Am Kliff von Wenningstedt, kurz nach dem Schwimmen

M9 mit 12mm CV Heliar bei f/5.6  1/350sec    ISO 160

Vornehm geht die Welt zugrunde, wir tranken noch ein Gläschen Sekt an der Neuen „Gosch“-Düne, als sich plötzlich eine Regenwolke über uns schob. Die Sonne, schon ziemlich im Westen, leuchtete darunter durch. Ein Neujahrsgeschenk (nicht nur) für mich: Ein Regenbogen!

You‘re not in Kansas anymore, Dorothy...

M9 mit 35mm Summilux bei f/3.4  1/500sec    ISO 160

Der Rückweg am Strand entlang war begleitet von wunderbarem Abendlicht, und ich fotografierte die meiste Zeit mit 50mm Summilux und ND-Filter, aber das sind alles Familienbilder.

Am Strand von Sylt am Neujahrsabend

M9 mit 90mm Summilux bei f/5.6  1/2000sec    ISO 160

Magisches Licht... nein, der Weissabgleich hat nicht gesponnen, da war wirklich grün im Himmel

M9 mit 35mm Summilux bei f/3.4  1/500sec    ISO 160

Nach unten brauche ich jetzt meine Brennweitenpalette wohl nicht mehr zu erweitern. Nach oben habe ich eigentlich kein Bedürfnis, weil sich schon 90mm auf der M9 schwer fokussieren lassen, geschweige denn mehr. Das 90mm habe ich gleichwohl häufig dabei, weil ich dessen „verdichtenden“ Effekt bei Landschaftsfotografie schätze. Sicher auch gut für Porträts geeignet, bevorzuge ich da aber doch das 50mm Summilux oder das 75mm Apo-Summicron.

Fotografiert man Menschen mit Tele-Brennweiten (von Porträts abgesehen), erinnert das doch mehr an einen „Paparazzi-Stil“, für Street kommt das gar nicht in Frage...

Und wenn dann 300mm oder mehr erreicht sind, erinnere ich mich bei einem Berufsfotografen gelesen zu haben „you‘re seeing merely conditions“, will sagen, was sich so alles in der grossen Luftmasse zwischen Objektiv und Motiv befindet...


Ich wäre auch nicht abgeneigt, mit längeren Brennweiten zu experimentieren, wenn die neue „M“ kommt, die dann das scharfstellen mit Hilfe von „Focus-peaking“ möglich macht, aber andererseits habe ich keine grosse Lust, mich (wie früher bei der 5D) mit grossen Objektiven zu belasten. Denn dann kommen natürlich die R-Objektive ins Spiel, die sehr sperrig sind im Vergleich zu den M-Objektiven. Gleichwohl will ich vorsichtshalber nicht sagen, dass ich die nicht mal ausprobiere, denn ich kenne jemanden, der noch eine R8 mit entsprechenden Objektiven bei sich schlummern hat.


Die „M“ sollte ja im Januar kommen, aber davon habe ich schon im September nichts geglaubt („too good to be true“). Leica hat so eine Art, überoptimistische Zeitpläne zu pflegen (womit Sie sich keinen Gefallen tun), daher kann man froh sein, wenn der Typ 240 vielleicht Ende Februar ausgeliefert wird, wahrscheinlicher ist wohl März.

Dann sind ja auch schon Bilder der neuen M (Typ 240) im Netz und die sind so schlecht, dass es geradezu peinlich ist. Ein Dr. Rohde (US-Bürger, Ingenieur, durchaus verdienter Wissenschaftler) muss offensichtlich gute Beziehungen zu Leica haben, dass er einen Prototyp bekam. Leider kann er jedenfalls nicht fotografieren, er stellte schreckliche Knips-Bilder ein. Ich verstehe nicht, das Leica so etwas nicht unterbindet (wie zuvor bei dieser Hong Kong-Knips-Party), wenn man etwas clever durchsickern lässt, sollten das wenigstens gute Bilder sein. Ich hätte auch erwartet, dass Empfänger von Prototypen zur Geheimhaltung verpflichtet werden, bis Leica grünes Licht gibt.


Wie auch immer, ich bin schon gespannt auf die Entwicklung der Fotoindustrie dieses Jahr.


Heute ist Epiphanias, eine befreundete Organistin fragte mich, ob ich heute mit ihr im Gottesdienst Musik machen wolle. Auf dem Programm stand neben (noch) weihnachtlichem passend zum Tag Cornelius: Drei Kön‘ge wandern, ein schönes romantisches Stück für Flöte und Orgel, gibt‘s aber auch für Solo Gesang oder Chor.

Ich hatte das 12mm dabei, um es einmal in einem Kirchraum auszuprobieren (ich hechele schon nach der Gelegenheit, es in einem Dom mit schönem Tonnengewölbe senkrecht nach oben zu richten).

Epiphanias

M9 mit 12mm CV Heliar bei f/5.6   1sec    ISO 160


Hier ist „in Camera“ -Korrektur für das alte Leica 21mm aktiviert, schon sehr guter Ausgleich von Color-Shift und Vignettierung, in diesem Fall kann man sich Cornerfix sparen.