Mayday

 

Grosse Ereignisse werfen ihre Schatten voraus

Eigentlich wollte ich vor Frankreich keinen Beitrag mehr schreiben. Aber am Donnerstag ist eine grosse Ankündigung von Leica in Berlin, die Fachwelt rätselt, was da wohl Neues kommt.

So wird zur Zeit auf meinen bevorzugten Webseiten, die sich mit Fotografie im Allgemeinen beschäftigen (im Gegensatz zu reinen Messsucher-Seiten) gerade noch mal die M9 und die Messsucher-Fotografie mit ihren Besonderheiten diskutiert.


Um es gleich zu sagen: Die seriösen Seiten sind äusserst fair und tolerant, was diese kleine Nische der Fotografie betrifft.

Ausserdem kann man die Spitzenqualität der Objektive und der damit erzeugten Bilder wohl kaum in Frage stellen.

Auf Dpreview gibt es einen ganz netten Bericht dreier Fotografen zum Arbeiten mit der M9. Diese drei benutzen sonst ganz andere Ausrüstung, so ist es interessant, wie sie diese Art Fotografie bewerten.

Eigentlich hat mich der Bericht der drei nicht überrascht, denn alle sind sich einig, dass die M9 ein grossartiges, puristisches Instrument ist, das einen zwar zwingt, langsamer zu sein, aber dadurch auch das Verhältnis und die Einflussnahme des Fotografen zur Bildkomposition direkter werden.

Nicht zuletzt die klassische Anordnung der Bedienelemente findet immer wieder Beifall.

Seltsam aber, woran sich der Mitarbeiter von Dpreview aufhängt, um ein paar Kritikpunkte zu haben:


Das Verstellen der ISO-Werte erscheint ihm umständlich??? Verstehe ich nicht, direkter kann man es kaum haben, ein Knopf ist dem direkt zugeordnet (kein aufsuchen des Menüs notwendig) und hey presto! schon verstellt! Bei keiner anderen Kamera geht das noch direkter. Also was soll das?


Dann scheinen Ihm die Menüpunkte (eine Liste) zu zufällig angeordnet.

Ja, das ist doch wohl total subjektiv, was jeder bei so einem Menü oben auf der Liste hätte, darum gibt es ja diese „My Menu“-Register in Canon/Nikon, damit man sich das selber zusammenstellt, was einem wichtig ist.

Der Witz ist, das Menü bei Leica ist so lächerlich klein, das man den gewünschten Punkt auch so in nullkommanix findet...anders als bei Canon/Nikon/Fuji etc., wo man sich erst durch ein halbes dutzend oder mehr Registerkarten klicken muss, dabei von manchen Menüpunkten nicht die geringste Vorstellung hat, wo die sich verstecken könnten...


Was ich wenigstens nachvollziehen kann, ist, das er das LCD-Display auf der Rückseite zu schlecht findet und das stimmt. Man kann z.B. nicht beurteilen, ob ein Bild richtig scharf ist, das nervt mich oft.

Meistens weiss ich ja, dass ich mich auf meine Kamera verlassen kann, aber es wäre schön, wenn man sich schon mal vor Ort vergewissern könnte, ob das Bild auch wirklich scharf ist.


Ach ja, noch ein Punkt der Kritik, den ich überhaupt nicht teile (im Gegenteil, was sogar ein grosser Vorteil ist): Er meint, die mittenbetonte Belichtungsmessung sei zu ungenau und neige zur Unterbelichtung.

Das gilt allerdings für alle zur Zeit gängigen Kameramodelle, alle sind so eingestellt, das die „Highlights“ möglichst geschont werden. Also muss man meist die Belichtungskorrektur nach oben verstellen.

Aber die mittenbetonte Messung bei der Leica ist für mich viel praktischer als die „tolle“ Mehrfeldmessung der meisten DSLR‘s (oder z. B. der Fuji X-Pro1):

Ich ziele auf die Bildbezirke, die ich richtig belichten will und speichere einfach mit leichtem Druck auf den Auslöser die Belichtungszeit. Dann wähle ich den Bildausschnitt und löse aus.

Ich kann mich sofort und selbst entscheiden, ob ich die Schatten öffnen und die Highlights ausbrenne, oder ob ich Wert auf eine ausgewogene Dynamik lege. So direkt geht das bei anderen nicht, da muss man ja auch Autofokus speichern, wenn man den Bildausschnitt verändert und die AE-Taste drücken, um die Belichtung zu halten. Da ist man schon wieder mehr mit der Kamera als mit dem Motiv beschäftigt.


So, das kann man immer so weiter treiben, aber Fakt ist: Es gibt keine andere (digitale) Kamera, die mit so wenig Einstellmöglichkeiten auskommt und doch alles Möglich macht.

Der Sucher ist nicht mit Informationen überladen, er ist hell und immer scharf, zeigt ein viel grösseres Blickfeld, man weiss auch, was ausserhalb des Bildes (oder als nächstes) passiert und das Bild verschwindet nicht im wichtigsten Augenblick, nämlich beim Auslösen...


Aber dann wieder die unsäglich blöden Kommentare zu diesen Berichten. Der ganze Haufen DSLR-Fetischisten stürzt sich auf die M9 und lässt kein gutes Haar daran.

Dabei merkt man ganz klar, das die Alle noch nie eine M9 oder Ähnliches in der Hand hielten.

Was also soll das Geblubber? Ist das so eine Art Sozialneid wegen des hohen Preissegments bei Leica? Oder darf keine andere Kamera auch so gut wie Canon/Nikon/Schiessmichtot sein?

Über mein Unverständnis, was dieses seltsame Ressentiment betrifft, habe ich mich ja schon öfter im Blog geäussert.

Wir leben ja im Jubiläumsjahr Friedrichs des Grossen, und der wird gern zitiert mit: „Ein jeder solle nach seiner Facon selig werden.“ Also lasst mich doch bitte mit meiner antiquierten M9 herumziehen und damit Fotos auf meine Art im Messsucherstil machen.

Komisch, ich glaube, seit ich die M9 habe, bin ich auf vielfältige Weise zu Aufnahmen inspiriert worden, auf die ich bei meinen vorherigen Kameras nicht gekommen bin.

Jetzt natürlich mein üblicher Hinweis an der Stelle: Nicht die Kamera macht die Bilder, sonder der Fotograf, also können fantastische Bilder mit minderwertigen Kameras (oder Mobiltelefonen) entstehen.


Aber als Werkzeug gibt es im digitalen Bereich nichts puristischeres als die M9. Denn die Tradition der unsterblichen analogen M-Leicas wird so übertragen.

Das arbeiten mit der Fuji X-Pro1 löst nicht dieselben Gefühle bei mir aus. So sehr ich die Leistung dieser modernen Kamera schätze, ist das Handling doch völlig anders und die typische Vielzahl an Kontrollen lenkt vom eigentlichen Geschehen ab.


Die M10 wird vielleicht am Donnerstag (ist aber nicht sicher, vielleicht auch erst zur Photokina im Herbst) angekündigt, sie wird wohl nicht mit den Tugenden der Messsucherfotografie brechen, aber sie wird bestimmt mehr ISO vertragen, einen neueren Sensor (nicht mehr CCD, sondern CMOS) haben, Live View möglich machen und ein besseres Display haben etc. etc., kurz, die wirklichen Kritikpunkte sind ja seit langem bekannt, und Leica hat bereits in der Vergangenheit gezeigt, das sie auf konstruktive Kritik hören.

Viadukt der A2 bei Exter, „Contre Jour“

Leica M9 mit 75mm Apo-Summicron Asph. bei f/9.5  1/125sec  ISO 160

Porträt im „High-Key“ Stil

Leica M9 mit 50mm Summilux Asph. bei f/1.4  1/60sec  ISO 160

Ardèche, in drei Tagen geht‘s los...

Leica M9 mit 50mm Summicron  bei f/2.0  1/3000sec  ISO 160

Dienstag, 08. Mai  2012