Fuji X100 S und Leica M3

 

Laudatio auf einen Underdog, die Fuji X100 (egal, ob S oder T)

...und ein bisschen analoges
 
 
 

Sonntag, 12. April 2015

Im Skigebiet Schöneben am Reschenpass, Blick auf Nauders

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/4.5 bei  1/2500sec   ISO 200

Eigentlich wollte ich über den Skiurlaub gar nicht berichten. Ich hatte wie auch schon die zwei Jahre zuvor die Fuji X100s im Gepäck, und da ich darüber schon zwei Blog-Einträge gemacht habe (hier und hier), dachte ich, es gibt dem nichts hinzuzufügen.

Aber jetzt, nach dem Urlaub, schaue ich mir das Bildmaterial an und denke: Wow! Dieses kleine Ding hat so viel in sich für den Preis! Okay, rund tausend Euro sind nicht gerade Discount, aber wenn man bedenkt, das man hier eine Bildqualität hat, die mit Vollformat absolut konkurrieren kann, ist das schon eine Menge für‘s Geld.

100% Ausschnitt aus dem obigen Bild

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/4.5 bei  1/2500sec   ISO 200

Natürlich ist Schärfe nicht alles, aber wenn man sich mal den 100% Ausschnitt ansieht, dann ist man wirklich beeindruckt von dem, was die Kombination des Fujinon Objektivs mit dem X-Trans-Sensor leisten kann. Vor allem ohne den blödsinnigen Moiré - Filter, den andere Hersteller vor die Sensoren bauen (Leica natürlich auch nicht).


Die X100 ist für das Skifahren meine erste Wahl, weil sie mit einer Hand bedient werden kann. Anders als sonst ist für mich das Skifahren der Hauptspass, ich will mich dann nicht zu sehr mit dem Fotoapparat beschäftigen. Die X100 ermöglicht mir zum Beispiel, auch während der Fahrt zu fotografieren (solche Bilder von der Familie sind nicht so langweilig wie die Standbilder am Lift).

Wenn es mich absolut danach verlangt, kann ich sie nach Bedarf in eine manuelle Kamera verwandeln.

Man kann ganz schnell kreativ werden, wenn man z.B. den eingebauten (wo gibt‘s so was schon?) Graufilter zuschaltet und mit Offenblende arbeitet. Die Filmsimulations-Programme nutze ich nicht, solche Spielereien mache ich lieber Zuhause am Mac.


Der Autofokus ist im allgemeinen präzise und sehr schnell, im übrigen sollte man im Menü unbedingt „AF Korr. AF-Rahmen“ auf „ein“ stellen, weil dann das grüne Autofokus Rechteck zwischen zwei weissen Rechtecken dargestellt wird, die „nah“ oder „fern“ bedeuten, so dass man noch während des fokussierens eine Kontrolle hat, ob man richtig liegt. Will man zum Beispiel eine Person porträtieren und das grüne Rechteck ist ganz nah am linken weissen Rechteck, hat das Ding leider auf unendlich fokussiert. Also noch mal das Ganze. Aber wenigstens weiss man Bescheid und ärgert sich nicht nachher über unscharfe Bilder.


Dann: Es geht nichts über einen optischen Sucher, Period. Gerade in sonnigen Umgebungen ist selbst das beste Display unterlegen. Der Sucher der X100 ist (nach dem der M-Kameras) der beste, den ich kenne. Ausserdem kann man ihn seinen Bedürfnissen anpassen, falls man der Meinung ist man braucht nicht sämtliche Kamerainformationen auf einmal.


Ich schätze meine M wirklich sehr. Aber es gibt noch einen Grund, sie nicht beim Skifahren zu tragen. Nein, nicht weil ich Angst um die wertvolle Kamera habe, sondern um mich!

Ich fahre manchmal ziemlich halsbrecherisch, wenn ich mich auf die Klappe lege, dann richtig! Diesen Urlaub ist nichts gewesen, aber man stelle sich vor, ich hätte die M umgehängt. Das Ding ist wie ein Ziegelstein, der mir dann um die Ohren fliegt. An der falschen Stelle gelandet, kann mir so ein schweres Teil ohne Probleme das Genick brechen. Mindestens ein paar Rippen.

Die Fuji ist kleiner und leichter, auch insgesamt flacher und wird nicht so viel Schaden anrichten.

Die Fuji X100s

Leica M9 mit 75mm Summicron bei f/16   16sec    ISO 160


Meine eigene X100s mit Filtervorsatzring von JJC und B+W UV-Filter 49mm-Gewinde. Die eigentliche Gegenlichtblende, die mit Bajonett angebracht wird, kann man weglassen, da Filter + Ring zusammen bereits ausreichend Schutz gegen Streulicht bieten. Ausserdem ist so die Linse auch gegen mechanische Einflüsse abgesichert.

Meistens habe ich sie so umgehängt, dass die Kamera an meiner Seite unter der rechten Achsel hängt, dort stört sie nicht, ist aber schnell bereit, wenn ich den rechten Arm durch den Halsriemen ziehe.

Einer der Hauptgründe, warum ich dieses Jahr doch noch einmal über meine Erfahrung mit der X100 schreibe, ist, dass ich beeindruckt bin von dem, was die Kamera an mechanischem Stress aushält. Sie wird gestossen und gerüttelt und funktioniert doch klaglos.

Dazu hatten wir dieses Jahr sehr extreme Wetterverhältnisse. Es schneite tagelang ununterbrochen, zwar konnte man gut Skifahren, aber es war einerseits sehr kalt, oft nass, aber auch wirklich eisig. An einem Tag hatten wir richtiggehend Sturm, zum Glück erst am Nachmittag.

Trotz des Schneefalls hatte ich die Kamera um. Ich fotografierte selbst bei extremen Wetterbedingungen, auf dem Filter vor der Frontlinse war Eis, die Kamera bedeckt mit Schnee. Dann kam man in eine Hütte, von minus Zehn in plus 20 Grad feuchte Luft, alles beschlug natürlich erst mal.

Ich würde nicht vorschlagen, irgendeine Kamera so zu behandeln, aber sie machte das alles mit. Einen Abend föhnte ich den Sucher trocken, weil er von innen beschlagen war...

Fotografieren bei extremen Bedingungen: Skigruppe im Blizzard

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/5.6 bei  1/420sec   ISO 200

Da ich es noch nicht erwähnt hatte, will ich darauf hinweisen, dass man bei Fotos im Schnee (oder anderen hellen, reflektierenden Umgebungen, z,B. Strand) unbedingt die Belichtungskorrektur der Kamera auf mindestens +1 stellen sollte. Bei der Fuji sofort im Blick und problemlos einstellbar, weil das Rad dafür direkt oben rechts auf der Kamera ist.

Bei dem Blizzard-Bild oben war die Belichtungskorrektur auf +2 (!!).



Aber nach kurzer akklimatisation in der Hütte war die Kamera wieder bereit, und dann ist man für den Sensor dankbar, der auch bei hohen ISO-Zahlen Klasse-Bilder liefert.

Vollbesetzte Hütte in Nauders

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/2.0 bei  1/60sec   ISO 2000

Warm und trocken

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/5.6 bei  1/90sec   ISO 400

Skigruppe im Blizzard, 100% Ausschnitt

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/5.6 bei  1/420sec   ISO 200

Aber wir hatten auch sehr sonnige Tage, und da machte es Spass, mit der Fuji ein bisschen „Action“ einzufangen. Ich bin ja sonst nicht so der Fan von „spray and pray“, aber in manchen Fällen lohnt es sich, auf Reihenaufnahme zu stellen und Bewegungsabläufe zu fotografieren. Die Kamera schafft maximal 6 Bilder pro Sekunde (optional auch 3 Bilder/Sek.), das ist mehr als genug. Allerdings ist der Puffer nach 8 Bildern voll, wenn man wie ich Raw+Fine eingestellt hat. Das werden natürlich beträchtlich mehr, wenn man sich auf JPG beschränkt.

Die folgenden Bilder (immer 8) habe ich in iMovie zusammengefasst. Jedes ist als Raw-Bild in voller Auflösung verfügbar.

Der Skilehrer

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/5.0 bei  1/2500sec   ISO 200

High Speed

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/3.2 bei  1/4000sec   ISO 200

Vollbremsung

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/5.6 bei  1/3000sec   ISO 200

Aus einer der Raw-Dateien: Vollbremsung in Schwarzweiss

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/5.6 bei  1/3000sec   ISO 200

Ebenfalls aus einer Reihenaufnahme: Snowboarder im Freiflug

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/5.6 bei  1/2500sec   ISO 200

Wer glaubt, er braucht für ein wenig Action immer lange Brennweiten, sollte an Robert Capa denken:


„If your Photos aren‘t good enough, you‘re not near enough!“


Die 35mm (Äquivalent) der X100 reichen fast immer, wenn man es schafft, nah genug heranzugehen. Und bei der Auflösung kann man zur Not auch mal Ausschnitte vergrössern.


Wenn es um Leute geht und man sich die Mühe machen will, einfach den ND-Filter zuschalten und die Blende aufmachen. Es folgen ein paar Fotos von der Preisverleihung des Skirennens. Die reduzierte Schärfentiefe sorgt für mehr Plastizität.

Siegerehrung, der Chef der Skischule moderiert

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/2.0 bei  1/4000sec   ISO 320

Siegerehrung

Dies Bild habe ich nach Paparazzi-Art gemacht, indem ich die Kamera über die Köpfe der vor mir stehenden hielt.

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/6.4 bei  1/800sec   ISO 200

Siegerehrung, das Publikum

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/2.0 bei  1/4000sec   ISO 200

Was es mehr zu sagen gibt, habe ich eigentlich schon in den vorherigen Beiträgen zur X100 abgehandelt. Nach wie vor sind für mich die Fuji-Kameras der X-Reihe die Alternative zur Leica (ausser, dass ich vermutlich ansonsten mindestens eine Vollformat Kamera benutzen würde, nämlich die Sony A7).


Als ich Zuhause meine Sachen packte, fiel mein Blick auf die M3. Plötzlich überkam mich das Verlangen, mal wieder eine Rolle analogen Film zu belichten. Kurz entschlossen steckte ich das gute Stück in die Fototasche. An einem der sonnigen Tage lud ich sie mit einem Kodak-Ektar Negativfilm (der von der Farbgebung ein bisschen retro wirkt) und steckte sie in eine Bauchtasche. Ich hatte das 50mm Elmar-Objektiv davor, das versenkbar ist, so ist sie fast flacher als die Fuji. Ausserdem hatte ich so eine Kombination, die zeitlich gut zusammenpasst. Die Kamera ist Baujahr 1955, das Objektiv von 1963.

Es machte Spass, mal wieder mit dem „Leicameter“ die Belichtung zu messen, das sehr exakt ist. Immer wieder verblüffend, das die Selen-Zelle, die das Ding mit Energie versorgt, nie ausgetauscht werden muss. Sie ist da seit 50 Jahren drin.

Die Kamera selbst ist rein mechanisch. Immerhin ermöglicht sie 1/1000 Sekunde Belichtungszeit, gerade bei der Helligkeit gut zu gebrauchen. Darum hatte ich auch bewusst einen Film mit 100 ASA ausgesucht, sonst muss man einen ND-Filter aufschrauben oder hängt immer bei ganz kleinen Blenden.

Meine Leica M3 (Bj. 1955) mit Objektiv Leica Elmar 50mm f/2.8 von 1963, ohne das Leicameter.

Analoges Bild (Kodak Tmax 400) gemacht mit meiner Leica M2 (Bj. 1958) und 90mm Summarit bei Blende f/16  8sec. (Stativ)

Also: Irgendwie hat es was, mal wieder analog zu fotografieren. Plötzlich macht man sich doch mehr Gedanken um das Motiv. Aber so langsam, wie manch einer vielleicht glaubt, ist man gar nicht. Hat man an einem sonnigen Tag einmal Blende und Belichtungszeit eingestellt, kann man loslegen, man muss fürderhin nur noch die Entfernung einstellen. Als ich wieder warm geworden war, war ich damit genau so schnell wie mit meiner modernen M.

Action eingefangen mit alter Technik

M3 mit Elmar 50mm f/5.6  1/1000sec  Kodak Ektar 100ASA

Genau wie bei digitaler Fotografie muss man die Belichtung (im Geist) nach oben korrigieren, weil der Belichtungsmesser (ob eingebaut oder nicht) immer durch die hellen Flächen zuviel Licht misst und eine zu kurze Belichtungszeit vorschlägt.

Tatsächlich kommt man einem sonnigen Tag ohne Belichtungsmesser aus, man folgt einfach der „Sunny-Sixteen-Regel“:


Der reziproke Wert der Filmempfindlichkeit (in ASA) ist die Belichtungszeit bei Blende 16.

Daraus folgt: Bei einem 100 ASA Film also 1/100 Sekunde bei f/16.0

Bei f/11 folglich 1/200 Sekunde

Bei f/8   1/400 Sekunde (man nimmt 1/500, wenn man 1/400 nicht einstellen kann

Bei f/5.6 also 1/800 (praktikabel 1/1000 Sekunde), und so weiter.


Aber ebenso wie bei der digitalen Kamera sollte man im Schnee eher etwas  Belichtung oder Blende zugeben, wenn man mit Belichtungsmesser arbeitet. Die Sunny - Sixteen Regel dagegen liess sich erstaunlich gut  anwenden.

Am Eingang zum Fun-Park

M3 mit Elmar 50mm f/5.6  1/1000sec  Kodak Ektar 100ASA

Bergstation

M3 mit Elmar 50mm f/8.0  1/500sec  Kodak Ektar 100ASA

Siegerehrung

M3 mit Elmar 50mm f/5.6  1/1000sec  Kodak Ektar 100ASA

Der Messsucher der M3 ist phänomenal, auch noch nach 60 Jahren. Er ist ausserdem ideal für ein 50mm-Objektiv, weil das damals als „normale“ Brennweite angesehen war, so dass der Sucherrahmen fast den ganzen Bereich ausfüllt, man hat also einen perfekten Blick. Schwieriger wird es bei weiten Linsen, dann muss man entweder einen Aufstecksucher benutzen oder es kommen Ausgleichslinsen vor den Sucher.

Ähnliches Motiv wie mit der Fuji weiter oben

M3 mit Elmar 50mm f/5.6  1/1000sec  Kodak Ektar 100ASA

Blick nach Nauders

M3 mit Elmar 50mm f/8.0  1/500sec  Kodak Ektar 100ASA

Sogar Landschaft geht, aber man ist natürlich heutzutage verwöhnt. Digitale Sensoren haben die Auflösung analogen Kleinbildfilms übertroffen.

Dann ist da noch der Aspekt des Aufwands. Das einscannen der Negative ist ein zeitraubender Akt, davon abgesehen, dass es kaum noch gute Scanner für so etwas gibt. Ich hatte vor ein paar Jahren das Glück, noch einen neuen Nikon Coolscan V zu ergattern. Mein Epson V700 würde vermutlich auch ganz gute Ergebnisse liefern, aber ich bevorzuge den Nikon mit Silverfast-Software.

Also das war‘s erst mal wieder. Wie immer weiss ich noch nicht, was als nächstes kommt. Ach ja: Als ich aus dem Urlaub zurück war, fand ich eine E-Mail von dem Chef von „Light-Art“ vor, das ist der Veranstalter der Lasershow am Hermannsdenkmal. Er gratulierte mir zu den Fotos und fragte höflich an, ob er sie für seine Webseite gebrauchen darf...streichelt auf jeden Fall das Ego...

Voll ins Gegenlicht, trotzdem brauchbar: Gute Sensordynamik der X100

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/9.0 bei  1/800sec   ISO 200