Lasershow am Hermannsdenkmal

 

Vorsicht Augenkrebs*!

Samstag, 21. März 2015

 
 

Poppige Farben am Hermann

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   2sec    ISO 200

Donnerstag, 26. März 2015

Zugegeben, ein bisschen bekloppt ist es ja. Monatelang kein Pieps von mir, dann gleich zwei Blogs kurz nacheinander.


Aber zufällig fand diese Woche die Veranstaltung „Der Hermann leuchtet“ statt, eine Laserillumination des bekannten Wahrzeichens von Detmold. Da das ganz in der Nähe ist, machte ich mich vorgestern Abend auf, um zu sehen, ob sich das fotografisch lohnt.


Ebenso zufällig handeln also beide Blogs indirekt von den beiden Denkmälern, die es bei uns in der Gegend gibt: Willi und Hermann.

Das sind immer noch beliebte Ausflugsziele in Ostwestfalen. Früher haben wir immer gesagt, wir müssten mal zum Schwertwechsel fahren, weil Hermann alle zwei Wochen das Schwert in die andere Hand nimmt...


Ausserdem muss ich auf andere Gedanken kommen. Zwei der Opfer des Flugzeugabsturzes der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen waren meine Patienten. Die Kripo Minden fragte wegen der Röntgenbilder bei mir an, das erste Mal in meiner 23-jährigen Praxis musste ich ein Ding ausfüllen, das sich „Opferidentifizierungsformular“ nennt. Das Wort allein ist schon gruselig.


Am Dienstag Abend hatte ich von all dem noch nichts mitgekriegt, erst auf der Rückfahrt hörte ich davon im Autoradio, da hatte ich natürlich auch noch keine Ahnung, was das mit Menschen in meinem Umfeld zu tun hat, ausser das mich auch schon da dass Ausmass der Tragödie betroffen gemacht hat. Mit fehlen wirklich die Worte, mein Mitleid auszudrücken.


Ich zwinge mich zurück zu fotografischen Inhalten: Da solche Lasershows an allen möglichen Bauwerken immer populärer werden, gebe ich in diesem Blog ein paar Hinweise zu den Möglichkeiten, die man bei den Einstellungen hat.

Hermann von vorne

Leica M mit 21mm Super-Elmar asph. bei f/4.0   2sec    ISO 200

Wer sich übrigens wundert, dass die Fotos alle von hinten sind: Vor dem Denkmal fand nichts statt, wohl weil dort zuwenig Platz für Zuschauer ist. Die Security vertrieb kurz vor Beginn der Veranstaltung alle, die sich dort aufhielten. Das Foto oben habe ich schnell noch gemacht, damit man ihn wenigstens ein mal von vorne sieht.


Fotografisch gab es immer zwei verschiedene Bedingungen: Einmal die Lasershow selbst, bei der natürlich viel Bewegung eine Rolle spielt.

Dann die reine (langsame) Illumination zwischen den halbstündige stattfindenden Shows.


Für das erstere braucht man einen wirklich lichtstarken Sensor (vom Objektiv ganz zu schweigen), da die schnellen Lichtfinger der Laser sonst fotografisch nicht einzufangen sind oder zumindest unter erheblicher Bewegungsunschärfe leiden, wenn die Belichtungszeiten zu lang werden.

Damit scheiden Kameras aus, die bei ISO 800 in Schneegestöber ausbrechen. Die M führt ja keineswegs die Sensorphalanx bei DXO an, aber da ISO 3200 absolut brauchbar ist und dazu Objektive mit Lichtstärken meist besser als 2.8 verfügbar sind, hat ein Leica-M-Besitzer kein Problem, den Anforderungen gerecht zu werden.


Für die Ablichtung der reinen Illumination hingegen muss keine Materialschlacht geführt werden, auch weniger hoch dotierte Kameras können mit Langzeitbelichtung bei niedriger ISO vernünftige Bilder einfangen.


Bei alldem aber ist ein Stativ sehr zu empfehlen.


Was Brennweiten betrifft, habe ich mich mehr „Weitwinkelig“ aufgestellt, da es mehr um den Gesamteindruck geht und Details des Denkmals keine Rolle spielen. Je weiter man wird, desto besser für den Bildwinkel, man kann vieles mit 21mm aus der Hand fotografieren, was bei 50mm unmöglich ist. Aber wie gesagt, ich hatte sowieso mein Manfrotto-Carbon Stativ dabei (es ist vergleichsweise klein und leicht, wenn ich schon so ein Ding mitschleppen muss, dann was wenig belastendes).

Im Lauf des Abends kamen alle Weitwinkel-Linsen mal zum Einsatz, also 35, 28, 21, sogar das 12mm Voigtländer probierte ich mal aus.

Als bestgeeignetste Optik erwies sich dann allerdings bei der Lasershow aus den schon zuvor benannten Gründen das 35er Summilux, eben wegen seiner Lichtstärke, bei ISO 3200 ermöglichte es natürlich die kürzesten Belichtungszeiten.


Trotzdem wurde ich im Lauf der Show mutiger und versuchte, mit ISO etwas sparsamer umzugehen, weil ich natürlich an die Qualität der Raw-Dateien dachte. Ich hatte genug Zeit, einiges auszuprobieren. Ich ging stufenweise mit der ISO-Zahl herunter, am Ende gelang es mir, auch mit ISO 640 noch brauchbare Ergebnisse zu erzielen (aber eben nur, weil ich das Summilux hatte).

Illumination

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   2sec    ISO 200

Lasershow

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.0   1/12sec    ISO 640

Lasershow

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.0   1/12sec    ISO 640

Lasershow

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.0   1/12sec    ISO 640

Lasershow

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.0   1/12sec    ISO 3200

Lasershow

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.0   1/12sec    ISO 640

Zwischendurch konnte es vorkommen, dass ein Laserstrahl genau in‘s Objektiv fiel, und dann gab es einen interessanten Effekt (Lens Flare), ähnlich wie Sonnenlicht, dass in einem bestimmten Winkel auf die Linse fällt:

Das Raumschiff landet

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.0   1/8sec    ISO 3200

Insgesamt war eine Menge Beleuchtung installiert, der gesamte umliegende Wald wurde in wechselnden Farben angestrahlt. Verhungern oder gar verdursten konnte man auch nicht, für Catering war reichlich gesorgt.

Bunter Wald

Leica M mit 12mm Voigtländer bei f/5.6   1sec    ISO 3200

Der Weg zum Denkmal

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/4.0   2sec    ISO 200

Catering

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.0   1/90sec    ISO 1250

Bunter Wald

Leica M mit 12mm Voigtländer bei f/5.6   1sec    ISO 3200

In der Pause

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.0   1/8sec    ISO 3200

Hier noch zwei Bilder, die ich mit dem 21er Super-Elmar gemacht habe. Eigentlich ist es ja nicht so lichtstark, aber das lässt sich mit etwas mehr ISO gut ausgleichen.

Gut besucht.

Leica M mit 21mm Super-Elmar asph. bei f/3.4   2sec    ISO 200

Lasershow

Leica M mit 21mm Super-Elmar asph. bei f/3.4   1/8sec    ISO 200

Also, wer‘s bunt mag und keine Angst vor Augenkrebs hat, der sollte sich mal bei einer Lasershow versuchen. Ich fand es mal ganz nett, es ist eine ähnliche Herausforderung wie bei Feuerwerken, nächtlichen Stadtfotos oder Jahrmärkten.

Es wird bestimmt so schnell kein Blog nachfolgen, ich hab mich jetzt verausgabt...

Augenkrebs

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.0   2sec    ISO 200

* „Augenkrebs“ ist ein ironischer Ausdruck von Fotografen für extrem bunte Bilder und hat nicht etwa mit möglicher Schädigung des Sehorgans durch Laserstrahlen zu tun :-))

Bei den Langzeitbelichtungen arbeite ich gewöhnlich mit Live-View, weil da die technisch bedingte Auslöseverzögerung natürlich keine Rolle spielt. Normalerweise stelle ich sogar auf Selbstauslöser mit 2 Sekunden, um nicht beim Auslösen am Stativ herum zu wackeln.


Während der Show stellte ich aber Live View und Selbstauslöser meist lieber ab, um bestimmte Lichtsituationen sofort verzögerungsfrei ablichten zu können.


Bedenken muss man, dass bei Live View Mehrfeldmessung stattfindet (wenn man nicht Spot eingestellt hat), aber ohne Live-View natürlich die klassische mittenbetonte Messung erfolgt, was obligatorisch zu unterschiedlichen Ergebnissen führt.


Was besser ist, hängt ganz von der Art und Intensität der Lightshow ab, ggf. muss man wirklich mal „chimpen“, d.h. die Bildrückschau betätigen und das Bild von der Belichtung her kontrollieren.

Hat man Zweifel, entweder die Belichtungszeit manuell einstellen (ich lasse sie gewöhnlich auf Automatik), oder eine Belichtungskorrektur durchführen und auf Automatik bleiben.


Das Histogramm ist immer eine Hilfe, aber nicht das Mass aller Dinge, denn es kommt durchaus vor, dass es bei solchen hellen Lichtquellen in den rechten Rand hineinläuft, also ausgebrannte Bildelemente ankündigt. Das ist in begrenztem Rahmen normal, im Gegenteil, wenn das Histogramm sich zu weit Links befindet, ist das ein klares Zeichen für Unterbelichtung, sehr viel fataler als bei Tageslicht, da die dunklen Bildbereiche in der Nachbearbeitung viel stärker rauschen, wenn man die Belichtung in LR nachträglich hochzieht.