Möge die Nacht mit dir sein...

 

Samstag, 17. November 2012

Die Burgruine von Salavas bei Vallon Pont D‘Arc

Canon 450 D mit EF 50mm 1.4 USM bei f/5.6   8sec  ISO 100

Es geht auch ohne Leica oder gar Vollformat, als ich noch mit dreistelligen Canon DSLR‘s fotografierte, war das eine oder andere Brauchbare im Kasten.

Das ich dies Bild immer noch präsentieren kann, liegt vor allem daran, das ich es mit dem 50mm 1.4 USM Objektiv von Canon gemacht habe, das weit offen zwar sehr „weich“ in den Bildecken ist, aber bei der Blende wie hier (f/5.6) gut scharf ist. Die meisten Aufnahmen von früher fallen bei mir heute deswegen durch, weil Canon einem so schlechte Zoom-Objektive unterjubelt. Damals hatte ich aber noch nicht die Erfahrung oder den Vergleich, was wirklich an Abbildungsqualität zu erreichen ist. Die Bilder mit dem 50mm, dem 35mm 1,4 USM und dem 100mm Makro IS USM haben immer noch Bestand. Als Zoom war das 24-105mm auch O.K., lässt aber schon zu wünschen übrig. Insgesamt ist das ganze Canon-Glas bis dato nur Mittelklasse...bzw. wegen inakzeptabler Schwankungen in der Fertigungsqualität bei identischen Objektiven nicht zu empfehlen. Würde ich heute eine 5D Mark II oder III besitzen, würde ich mich am ehesten bei Zeiss oder Nikon nach Glas umsehen.

Ich hatte schon im Beitrag „Panta Rhei“ über Langzeitbelichtungen mit ND-Filtern (=Neutrale Graufilter, die Licht „schlucken“, um die Belichtungszeit bei Tage zu verlängern) geschrieben und mir vorgenommen, das Thema zu vertiefen.

Wenn es sowieso dämmrig oder dunkel ist, ist der Graufilter natürlich überflüssig!


Es gibt ein paar Sonderfälle bei Langzeitbelichtung, die unterschiedliche Einstellung erfordern.


Als was soll man überhaupt Langzeitbelichtung bezeichnen? Um die Sache nicht unnötig zu komplizieren, würde ich sagen, das ist alles, was man mir dem gegebenen Objektiv nicht mehr aus der Hand machen kann, es sei denn, es setzt bereits rigor mortis beim Fotografen ein...


Denn sagte man z.B.: Das ist alles, was länger ist als 1 Sekunde, wie soll man dann die Belichtungen zwischen 1 sec und (sagen wir) 1/30 sec nennen?


Besser man hat zwei Kategorien: Das aus der Hand (halbwegs) machbare, und das übrige (eben Langzeitbelichtungen).

Berliner Dom

M9 mit 21mm Elmarit Asph. bei f/4.0   12sec  ISO 160

Langzeitbelichtungen haben ihren eigenen Reiz, weil sie Licht „sammeln“, das wir nicht so sehen können, weil unser Auge sozusagen eine kleinere „Frame-rate“ hat.

Dadurch ergibt sich aber dann oft ein „Aha-Effekt“ beim Foto, es wirkt oft etwas surrealistisch. Dennoch erscheint es im allgemeinen noch natürlicher als ein HDR-Foto (allerdings kann man ein HDR mittlerweile auch so tonemappen, dass es gar nicht als HDR zu erkennen ist).


Wenn ich in der Dämmerung oder in Städten (nachts) unterwegs bin, habe ich wenigstens ein Mini-Stativ dabei, denn es findet sich fast immer ein lohnenswertes Objekt.

Als ich im Januar z.B. Abends in Berlin unterwegs war, fand ich dutzendweise Motive. Gelobt sei das Mini-Stativ, das man leicht dabei haben kann.

Für solche Aufnahmen muss man lediglich die native ISO-Zahl des Sensors einstellen (also auf keinen Fall Auto-ISO) und Belichtungsautomatik bei vorgewählter Blende anstellen.

Bei meine M9 ist das eh‘ die einzige Automatik, aber bei meinen Canon-Kameras war das „AV“ (Aperture Value), ich habe auch bei Tage nicht anderes benutzt...


Die Leica M9 misst bis 32sec, das reicht fast immer aus. Sonst gäbe es die Stellung „B“ (Bulb) am Wahlrad: Beim Auslösen geht der Verschluss auf, beim nächsten drücken des Auslöseknopfes wieder zu.


Praktisches Vorgehen:


1. Motiv sichten

2. Geeigneten Standort für die Kamera suchen, Bildausschnitt festlegen

3. Blende wählen, Belichtungsautomatik einstellen (bei Leica Wahlrad „A“), ISO-Auto aus

  1. 4.Auslösen am besten immer mit Selbstauslöser oder Fernauslöser, um Schwingungen zu vermeiden.

  2. 5.Geduld...


Bei der M9 ist ein nettes Feature, das die Belichtungszeit im Sucher rückwärts gezählt wird.

Ach so: Wenn man mit dem automatisch belichteten Bild nicht zufrieden ist, natürlich manuell noch mal belichten. Man kann ja anhand des ersten Bildes seine Rückschlüsse über eine passendere Belichtungszeit ziehen.

Für mich ist es noch bequemer, einfach die Belichtungskorrektur durchzuführen (weil diese, wie alle Kontrollen, bei der M9 sehr leicht zu erreichen ist), und dann bei der Belichtungsautomatik zu bleiben. Das gilt aber auch für die anderen Kameras der gehobenen Klasse. Bei der Fuji X100 und der X-Pro1 ist diese Kontrolle sogar direkt auf ein Wahlrad gelegt (das sich aber dummerweise oft unbeabsichtigt dreht, man muss ständig ein Auge drauf haben...).

Ausserdem mache ich oft eine Belichtungsreihe, erstens, um die Option auf Erstellung eines HDR-Bildes zu haben und zweitens, weil man in Ruhe zuhause entscheiden kann, welche Belichtung für das endgültige Bild am geeignetsten ist. Dafür, das in der Leica-Welt HDR oft als geschmacklos abgetan wird, gibt es tolle Einstellmöglichkeiten für Belichtungsreihen in der Kamera. 3, 5 oder 7 Bilder in Folge mit bis zu 2EV Abstand macht die Kamera automatisch.


Übrigens, off topic: Das abtun der HDR-Technik ist für mich ein Zeichen von Borniertheit. Jeder, der sich mit Fotografie beschäftigt, sollte einsehen, dass es eine technische Sache ist. Wie weit man dabei gehen will, muss jeder für sich selbst entscheiden, aber das gibt ihm nicht das Recht, darüber zu urteilen, welche (technische) Grenze sich andere setzen.

Ansel Adams hat Stunden um Stunden in der Dunkelkammer verbracht, um seine Negative zu optimieren. Das ist nichts anderes als die heutige Bildbearbeitung am Computer, aber niemand käme auf die Idee, das als „Geschmacklos“ zu bezeichnen. Auch in der Analog-Fotografie setzte man alle möglichen Tricks und Finessen ein, um die Gesetze der Physik zu überlisten.

Wenn  ich durch ein technisches Verfahren die dynamischen Möglichkeiten eines Kamerasensors erweitern kann (und dies dem Bild nützt, oder es überhaupt erst möglich macht), dann finde ich es legitim, das auch zu nutzen. Falls jemand für sich entscheidet, dass ihm das zu aufwändig ist, ist das in Ordnung. Aber alle anderen dürfen das ungescholten tun. Der Rest ist reine Geschmacksache.

Darüber habe ich auch schon mal früher einen Blog-Beitrag geschrieben.

Des weiteren empfehle ich die Lektüre des Essays „A plea for HDR“ auf Luminous Landscape.

Sommernacht

M9 mit 28mm Summicron  bei f/4.0   2sec  ISO 160

  1. 1.Sonderfall: Feuerwerk


Belichtungsautomatik nicht zu empfehlen. Wenn man vor dem Feuerwerk misst, wird sie Belichtungszeit eher zu lang, während des Feuerwerks viel zu kurz gemessen.


Zunächst muss man sich darüber im klaren sein, das die Lichtmenge aus einem Feuerwerkskörpers bei einem professionellen Feuerwerk an sich so gross ist, dass sie den Sensor ausbrennt, wenn man den Lichteinfall nicht durch die Wahl einer geeignet kleinen Blende dosiert, mindestens 5.6, eher 8.0 bei ISO 100.

Die länge der Belichtung hängt dann davon ab, wie dicht die „Bursts“ des Feuerwerks beieinander liegen, den sie sollen ja auf den Sensor „malen“. Zu viele „Bursts“ überlagern sich so stark, das man keine Einzelheiten unterscheiden kann.

Ein zweites Parameter für die Belichtungszeit ist das Ambiente Licht, also: Ist dort viel Umgebungslicht, wie in einer Stadt, ist noch Dämmerung oder ist es schon stockfinster ohne weitere Lichtquellen?

Auf Automatiken kann man sich also kaum verlassen, das heisst, es gilt der Grundsatz „trial and error“: Während des Feuerwerks unterschiedlich lange belichten (z.B. bei Blende 8 erst 10sec,  dann 20, 30, 40sec). Wenn man seine Kamera schon gut kennt, kann man aber oft schon ohne viel herum zu probieren  einen „educated guess“ abgeben, mit welcher Einstellung man das optimale Ergebnis erreicht. ISO aber wie immer so niedrig wie möglich (aber keine „Pull“-ISO benutzen, die vermindern die dynamische Breite)

Feuerwerk beim Hafenfest an der Weser

Canon 5D Mark II mit EF 35mm 1.4 USM bei f/8.0   14sec  ISO 100

Mit der Leica M9 hatte ich bisher keine Gelegenheit, ein Feuerwerk abzulichten. Aber grundsätzlich geht das so mit jeder Kamera, die über vernünftige Einstellmöglichkeiten verfügt.

  1. 2.Sonderfall: Gewitter


Wenn man den Ehrgeiz hat, einen Blitz zu fotografieren, sollte ich wohl als erstes sagen, dass man sich eine geeigneten, Gewittersicheren Standort suchen sollte...

Wenn man dann seine Kamera auf dem Stativ so ausgerichtet hat, dass sie den Bereich des Himmels erfasst, wo am ehesten Blitze zu erwarten sind, muss man eine Langzeitbelichtung nach der anderen machen („and keep your fingers crossed“), bis man womöglich einen erwischt. Ach so: Bei Tag braucht man natürlich einen ND-Filter.

Aber der Unterschied zur normalen Belichtung ist, dass man eigentlich immer unterbelichtet. Das heisst, solange kein Blitz dazukommt. Erst der Blitz bringt die erforderliche Lichtmenge für das Foto.

Wenn kein Blitz kommt, bleibt man mit einem Haufen unterbelichteter Bilder sitzen...

Die Blende sollte, ähnlich wie beim Feuerwerk, nicht offen sein, eher kleiner als f/4.0, da sonst der Blitz eine so grosse Lichtmenge durch das Objektiv schickt, dass man mit einem Bild endet, dass in etwa so aussieht, als hätte man durch eine Kanne Milch fotografiert.

Gewitter über dem Wesertal

M9 mit 35mm Summilux  bei f/4.0   32sec  ISO 160

Das Foto wirk etwas „weichgezeichnet“, weil es ziemlich stark geregnet hat. Ansonsten war es stockfinstre Nacht. Der Blitz hat die Landschaft so erhellt, das die Belichtung dann korrekt war.

Ich hatte das Stativ übrigens im Fahrgastraum meines VW T5, das Seitenfenster in der Schiebetür geöffnet. So war ich warm, trocken und sicher...

Langzeitbelichtungen eignen sich besonders, wenn im Bild bewegte Dinge sind, die einer gewissen Regelmässigkeit folgen. Das mit dem fliessendem Wasser ist natürlich ein Klassiker, aber immer wieder schön, zumal ja die Umgebung stark variieren kann:

Ardéche, Brücke von Salavas

M9 mit 28mm Summicron  bei f/4.0   32sec  ISO 160

Die Wasserfälle von Krimml

M9 mit 21mm Elmarit Asph. bei f/2.8  1,5sec  ISO 160  ND-Filter 10 Blendenstufen

Aber man sollte die Augen offen halten, es gibt viel mehr Möglichkeiten. Ein anderer Klassiker ist der Verkehrsfluss bei Nacht, wenn genügend Überblick z.B. bei einem Verkehrsknotenpunkt ist. Ein solches Motiv in unserer Gegend suche ich noch, bzw. ich weiss schon was, aber ich muss mal Zeit und Gelegenheit haben, dorthin zu fahren und zu sehen, ob sich meine Vorstellung realisieren lässt.

Letztes Beispiel für Bewegung: Das Karussell, auch nicht unbedingt meine Erfindung, aber reizvoll. Ein Riesenrad ist auch nicht schlecht.

Brückenmarkt

M9 mit 28mm Summicron  bei f/4.0   1sec  ISO 160

Also, eigentlich braucht man gar nicht so viel Vorbereitung, wenn man mal eine Langzeitbelichtung machen will, man sollte sich einfach zur Gewohnheit machen, ein Mini-Stativ und einen ND-Filter dabei zu haben. Ich lege ja Wert auf eine kleine Fototasche, aber beides habe ich tatsächlich immer dabei.

Einige meiner Langzeitbelichtungen sind auch „Teil“ einer Belichtungsreihe, weil ich mir die Option auf die Erstellung eines HDR-Bildes erhalten will.

Man muss einfach schauen, was bei den jeweiligen Lichtbedingungen und dem Motiv am besten funktioniert. Das muss man ja auch nicht vor Ort entscheiden, später, wenn man das Bild in Lightroom hat, kann man das in Ruhe abwägen.

Hier mal ein Vergleich zwischen der Langzeitbelichtung und dem HDR-Bild mit der gleichen Belichtungsreihe:

Gendarmenmarkt in Berlin

M9 mit 35mm Summilux  bei f/1.4   0,5sec  ISO 160

Gendarmenmarkt in Berlin

M9 mit 35mm Summilux  bei f/1.4  HDR aus drei Belichtungen  ISO 160

Das HDR „knallt“ mehr, kann aber manchmal auch ein bisschen vulgär wirken. Aber ich sagte ja schon, dass man ein HDR auch so dezent tonemappen kann, dass es als solches kaum zu erkennen ist. Dieses hier ist aber so gedacht, dass es „HDR“ schreit...


Jetzt habe ich schon einiges zum Thema gesagt, aber ich glaube, da gibt es noch viel mehr. Eigentlich könnte man sich gerade im Bewegungssektor noch viel mehr einfallen lassen. Ich hätte da schon noch Ideen, man denke sich eine vollbesetzte Fussgängerzone oder ein gut besuchter Weihnachtsmarkt (im Überblick) oder, oder , oder...


Jedenfalls sollte man bei interessanten Motiven bei wenig Licht immer mal wieder einen Versuch machen. Oft ist man überrascht, was man so gar nicht gesehen hat.

Letztes Beispiel aus der Kategorie ist ein Foto aus einem Hotelzimmer in Papenburg:

„De gustibus non disputandum“

Der alte Hafen von Papenburg

M9 mit 21mm Super-Elmar bei f/4.0  24sec  ISO 160