König David

 

Sonntag, 24. Juni 2012

Am Samstag führte die Kinderkantorei von St. Stephan ein Musical auf, „König David“. Ich musste vollen Einsatz zeigen, denn zusätzlich zum fotografieren war eine Videoaufnahme gewünscht.

Also stellte ich die Fuji X-100 auf ein Stativ, denn sie macht brilliante Videos, obwohl sie so retro aussieht...

Ausserdem hat sie mit dem 35mm (äquivalent) Objektiv genau den richtigen Blickwinkel, um die Bühne bildfüllend darzustellen.


Das fotografieren in der Kirche ist immer eine technische Herausforderung. Ich weiss, dass ich mich wiederhole, aber blitzen ist für mich einfach keine Option. Die einzige vorstellbare Ausnahme wäre für mich der diskrete Aufhellblitz der X-100, er ist so eingestellt, dass er sich mit dem Umgebungslicht völlig unbemerkt mischt. Ein normaler Blitz zerstört mit seinem hellen Lichtkegel sämtliche Stimmung und macht alle Konturen platt.

Ohne Blitz ist es auch bei guter Beleuchtung dort so dunkel, dass ich immer die Lichtstärksten Objektive brauche, natürlich bei voller Öffnung.

Wenn ich dann noch eine kürzere Belichtungszeit einstelle, um Bewegungsunschärfen der Personen zu vermeiden, bin ich schnell bei 500-1000 ISO. Zum Glück ist dieser Bereich kein Problem, die Raw-Dateien aus der M9 zeigen dann noch ein akzeptables Rauschverhalten.


Neben meiner geliebten M9 hatte ich auch die Fuji X-Pro1 neben mir mit einem 60mm XF-Objektiv, das entspricht einer Kleinbild-Brennweite von 90mm. Damit hatte ich drei Vorteile:


  1. 1.Den Autofokus der X-Pro1, denn gerade die langen Brennweiten sind zugegebenermassen schwerer manuell zu fokussieren.

  2. 2.Die Möglichkeit, die lange Brennweite mit relativ kurzer Belichtungszeit zu kombinieren, denn je länger die Brennweite, desto leichter verwackelt die Aufnahme. Der Grund ist, dass die Fuji X-Pro1 ungeheure ISO-Werte völlig rauscharm bewältigt. Selbst ISO 6400 ist absolut brauchbar. Also stellte ich manuell 1/125sec am Wahlrad der Kamera ein, wählte ebenfalls die Blende f/2.4 (dies ist die grösste Öffnung des 60mm Fujinon-XF-Objektivs, also eigentlich nicht schlecht), dann stellt die Kamera eine zur richtigen Belichtung erforderliche ISO-Zahl ein.

  3. 3.Weniger Objektivwechsel erforderlich, so wechselte ich nur auf der M9 zwischen 50mm, 35mm Summilux und 75mm Apo-Summicron, die lange Brennweite schnappte ich mir bei Bedarf schnell mitsamt Kamera.


Das arbeiten mit mehreren Kameras sieht ja ein bisschen ulkig aus, ist aber doch der professionelle Ansatz. Man ist deutlich schneller und verpasst nicht etwa wichtige Aufnahmen, nur weil man mit Objektiven jongliert.

Ausserdem war es auch ein wenig ein Test für die X-Pro1, ich wollte sehen, wie gut und schnell der Autofokus arbeitet, denn im Web wird der Teilweise als sehr schneckenhaft bezeichnet.

Kann ich übrigens in keiner Weise bestätigen: Fokus war in Sekundenbruchteilen hergestellt, von 130 Bilder lag er nur bei zwei Bildern daneben.

Goliath verhöhnt die Israeliten

Leica M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/30sec  ISO 250

Bathseba mit ihrer Dienerin

Fuji X-Pro1 mit Fujinon XF 60mm bei f/2.4  1/125sec  ISO 3200

man beachte die Abwesenheit von Bildrauschen bei dieser (früher) utopischen ISO-Empfindlichkeit

Ich war rechtzeitig zur zweiten Halbzeit wieder zurück...

Bevor ich mich weiter in technischen Einzelheiten ergehe, sollte ich anmerken, dass die Kinder eine grossartige Leistung gezeigt haben, denn das Stück dauerte eine gute Stunde. Allein die Gedächtnisübung, alle Lieder auswendig zu singen, wäre für die meisten Erwachsenen zu viel...von der musikalischen Seite ganz abgesehen, denn viele der Kinder haben solistisch gesungen, und das macht auch nicht jeder.

David (rechts) und der Prophet Samuel

Leica M9 mit 50mm Summilux bei f/1.4  1/125sec  ISO 500

König Saul und sein Hofstaat

Leica M9 mit 35mm Summilux bei f/1.4  1/45sec  ISO 320

Der verdiente Applaus wird entgegengenommen

Leica M9 mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4  1/30sec  ISO 500

David und König Saul

Fuji X-Pro1 mit Fujinon XF 60mm bei f/2.4  1/125sec  ISO 3200

Hier will ich nun nicht alle Bilder zeigen, es sollten nur ein paar Beispiele sein, um die technischen Bedingungen zu dokumentieren. Wie ich schon in meinem Blog Beitrag „Event-Fotografie“ ausführte, ist eine gute Ortskenntnis (und Kenntnis der Lichtverhältnisse) essentiell. Die Wahl der Ausrüstung muss den Gegebenheiten entsprechen, ebenso die individuelle Einstellung der Kamera(s). Eine gute Vorbereitung schont die Nerven und hält den FBF-Faktor (=fluchen-beim-fotografieren) niedrig.



Hier zum Abschluss noch ein Exkurs: Landschaftsbilder habe ich im Gegensatz zum Vorjahr diesen Mai-Juni kaum gemacht. Grund ist einerseits das Wetter, andererseits aber auch, dass ich wenig Zeit hatte.

Am Abend des Fussballspiels Deutschland-Griechenland (vorgestern) schaute ich in der Halbzeit aus dem Wohnzimmerfenster und sah eine gewaltige Regenwolke aufziehen. Die Sonne war gerade untergegangen, und beleuchtete sie von unten.

Ich schnappte mir kurzentschlossen meine M9, sprang ins Auto und fuhr zu einer Stelle mit gutem Überblick, drei Minuten entfernt. Ein Sprint von 300m brachte mich an den richtigen Punkt.

Als ich die Kamera ans Auge hob, kam ich mir vor wie ein Biathlet, der zwischen Atemstössen seine Zielscheiben treffen muss...genauso musste ich es machen, um nicht zu verwackeln.

Ich hatte nur für wenige Belichtungen Zeit, dann trafen mich Wind und Regen heftig, so dass ich schleunigst den Rückzug antreten musste. Aber im Kasten hatte ich dieses Bild:

„Ragnarök“ (Götterdämmerung)

Leica M9 mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4  1/25sec  ISO 160