Jahreskonzert

 

...der Musikschule Porta

 
 

Dienstag, 28. April 2015

Great Expectations

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 2500

Wer ab und zu im Blog stöbert, weiss, dass gewisse Dinge in meinem Jahresablauf sich wiederholen, wenn auch nicht zwangsläufig.

Auch dieses Jahr hatten mich die Lehrer der Musikschule Porta gebeten, das Jahreskonzert zu fotografieren und ich hatte Zeit und Lust.

Ausserdem lassen sie sich wirklich jedes Jahr etwas neues originelles einfallen. Jedes der Konzerte, die ich dort bisher fotografiert habe, hatte ganz andere Schwerpunkte und Abläufe.

Dieses Mal wurde ein Stück aufgeführt, „Prinzessin Erde“, eine Allegorie auf die Entstehung der Jahreszeiten, mit Auszügen aus Vivaldis gleichnamigem Violinkonzert, dies war den Streichern vorbehalten. Verschiedene andere Instrumentalgruppen und Solisten untermalten das Stück mit Einwürfen passend zum Inhalt der Handlung.

Mitbeteiligt waren diesmal vor allem eine grosse Zahl Kinder im Grundschul- und im Vorschulalter.

Hut ab vor den Lehrern, die alle bei Laune zu halten und alles einzustudieren.

On stage

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/180sec    ISO 200

Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich über das Fotografieren bei Events schreibe. Aber auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, will ich hier ein paar meiner Erfahrungen damit weitergeben.

Im wesentlichen habe ich alles, was ich hier von mir gebe, zum Teil sogar ausführlicher schon im Blog Beitrag zum letztjährigen Jahreskonzert gesagt. Trotzdem ergeben sich auch neue Aspekte, zum Teil ändere ich auch meine Methodik um Nuancen (panta rhei), meine Präferenzen bei der Objektivauswahl verlagern sich auch.


Einen Ratschlag zuallererst: Man muss sich trauen, Menschen zu fotografieren und vor allem nah herangehen. Das dies manchem Überwindung kostet, wurde mir wieder klar, weil ich diesmal unseren Austauschschüler Jesse als Hilfskraft gebucht hatte. Jesse ist 18 Jahre alt, stammt aus dem Bundesstaat New Mexico (gleich neben Texas) in den USA und ist noch bis Ende Juli in Deutschland. Eigentlich schlägt sein Herz für alles, was vier Räder hat, aber seit er bei uns wohnt, hatte er natürlich keine andere Chance, als sich für Fotografie zu begeistern.

Tatsächlich sog er begierig alles auf, was er so von mir erfahren konnte, las alles mögliche im Internet nach und brachte sich in kürzester Zeit auf den Stand der Dinge. Ich war selbst verblüfft, wie schnell das ging.

Nachdem wir öfter schon zusammen auf „Fotosafari“ gegangen waren und er sich mit der Fuji X100s vertraut gemacht hatte, bekam er die Aufgabe, bei dem Konzert alles einzufangen, was ihm vor die Linse kam.

Was ich anfangs eigentlich sagen wollte: An ihm merkte ich wieder, das man sich überwinden muss, einfach an sich fremde Menschen zu fotografieren. Noch vor Beginn stand er da im Getümmel und schaute mich hilfesuchend an.

„I‘m way out of my comfort-zone here“, sagte er und ich sprach ihm Mut zu. Nämlich, dass er ja mit mir zusammen hier „offiziellen“ Auftrag hätte und er darum keine Angst haben müsse, bei Bedarf nah heranzugehen. Er nahm es sich zu Herzen und war mir dann auch wirklich eine echte Hilfe.


Aber auch für mich ist dieser „offizielle“ Auftrag natürlich eine wichtige Voraussetzung. Ich käme nicht auf die Idee, sonst zu meinem eigenen Vergnügen einfach bei einer solchen Gelegenheit alle möglichen Fremden abzulichten und gar auf meine Webseite zu stellen. Die Bilder hier sind in Farbe auch auf der Webseite der Musikschule zu sehen, die Mitwirkenden sind einverstanden und die Fotos dienen natürlich auch zur Darstellung der Leistungsfähigkeit der Schule, die als private Musikschule immer auf Nachwuchs angewiesen ist. Heutzutage ist eine ansprechende Präsentation im Internet sehr wichtig.


Jedenfalls kann ich mich so selbstbewusst durch die Akteure bewegen und meinen Part erfüllen.

Eins von Jesse‘s Bildern

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/2.0 bei  1/220sec   ISO 800

Und „bewegen“ ist das nächste Stichwort. Das muss man sich nämlich, sonst wird das Bildmaterial schnell eintönig. Die Fotos einer Bühnenveranstaltung, immer vom selben Standort mit einer langen Brennweite fotografiert, bringen einen beim betrachten in kürzester Zeit zum einschlafen.

Aber statt planlos hin- und her zu rennen ist es hilfreich, vorher die groben Abläufe zu kennen. Ich hatte den Vorteil, schon am Vortag die Generalprobe besuchen zu können. Sehr zu empfehlen, weil man sich da auch schon auf die Lichtverhältnisse und andere örtliche Gegebenheiten einstellen kann, falls man die Location vorher nicht kennt.

Zudem kommt vielleicht schon brauchbares Bildmaterial zusammen, falls es sich um eine Kostümprobe handelt.

Dann sollte man auch ein Gespür dafür entwickeln, wann man sich nicht von der Stelle rühren soll. Vor den Solisten in schwierigen Solopassagen lang zu wuseln und ihnen nah auf die Pelle zu rücken ist, gelinde gesagt, unglücklich...

Am besten ist man vorher am richtigen Ort.

An dieser Stelle hörten wir eine Spitzen-Pianistin

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/90sec    ISO 1600

Bei der M9 noch habe ich oft die ISO-Zahl manuell voreingestellt, um nicht zu hoch zu kommen, seit ich die M habe, stelle ich kaltschnäuzig auf Automatik, begrenzt bis ISO 3200 und Mindestbelichtungszeit 1/60 Sekunde, bei mehr Bewegung eher 1/125 Sekunde.

Das gilt eigentlich für jede moderne Kamera mit halbwegs lichtstarker Optik. Man macht sich das Leben leichter, wenn man bei solchen Veranstaltungen nicht alles manuell einstellt. Die M kam sehr gut mit den wechselnden Lichtverhältnissen klar, Auto-Weissabgleich war auch absolut in Ordnung, ich habe nur bei zwei, drei Fotos das Gelb der Scheinwerfer etwas abgekühlt.

Allerdings muss man, was Auto-ISO betrifft, auch wissen, wie und wo man vor dem Auslösen misst: Richtet man die Kamera (mittenbetonte Messung) direkt auf die Scheinwerfer, stellt sich eine viel zu niedrige ISO ein. Ergebnis: Korrekt belichtete Scheinwerfer in ansonsten finsterer Umgebung.

Falls die Spots dennoch ständig die ISO-Einstellung irritieren, bleibt nur, doch manuell zu verfahren.

Aus diesem und anderen Gründen ist eine Bildrückschau von Zeit zu Zeit sehr zu empfehlen, vor allem natürlich, um das Histogramm zu kontrollieren.

Gesichter im Scheinwerferlicht brennen gerne aus, auch wenn die Umgebung scheinbar normal belichtet ist. Auf diese Kleinigkeit unbedingt achten, die Gefahr wächst, je dunkler ansonsten die Umgebung ist.

In diesem Fall unbedingt die Belichtungskorrektur nach unten stellen, dann kann man weiterhin bei der Belichtungsautomatik bleiben.

Mir ist bewusst, dass ich das alles schon öfter von mir gegeben habe, aber diese Dinge sind wirklich wichtig, beachtet man das nicht, bleibt man auf einem Haufen unbrauchbarer Bilder sitzen.

Schäfchen

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 200

Schäfchen

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 500

Frühlingskinder

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/60sec    ISO 640

Die Lerche

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 200

Murmeltiere

Leica M mit 75mm Apo-Summicron bei f/2.0   1/60sec    ISO 1000

Notenstudium

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/45sec    ISO 3200

Das Licht war sehr wechselhaft. Auf der Bühne Scheinwerfer, mal sehr hell, dann wieder schummrig, verschiedenen Farben. Zur rechten Seite der Aula (des Gymnasiums Porta) liessen die Fenster grelles Tageslicht einfallen, alles, was dort war, musste bei krassem Gegenlicht irgendwie noch darstellbar sein.

Um das Gegenlicht abzuschwächen, wäre hier wirklich mal ein Aufhellblitz o.k. gewesen. Mit der X100s hätte ich das vielleicht gemacht, aber ich hatte keine Zeit, zwischendurch Jesse einen Wink zu geben.

Es ging dann auch mit der M, aber was ich eigentlich noch loswerden möchte, ist, dass ich nicht so arrogant bin zu behaupten, ein Blitz wäre in jedem Fall überflüssig. Nur macht ein kameragebundener Blitz meist recht „flache“ Bilder, ferngesteuerte Blitze in anderen Winkeln des Raumes sind bei einem solchen Event eher unrealistisch.

Die meisten Unbedarften (DSLR-) Nutzer blitzen alles platt, daher habe ich eine etwas ungerechte Aversion gegen den Einsatz dieses Leuchtmittels entwickelt. Wer aber die Dinger richtig dosieren kann und womöglich noch mit Gelfiltern arbeitet, um die Blitzfarbe dem Umgebungslicht anzupassen, der kann durchaus etwas erreichen. Ebenso ist der lächerlich kleine Blitz der Fuji X100s (oder T) exzellent dosiert, wenn man ihn auf „Langzeit-Synchronisation“ einstellt. Es gibt dann keinen „Deer in the Headlight“-Effekt. Natürlich nützt der schwache Blitz in grossen Sälen gar nichts, ausser in nächster Nähe.

Gitarren im Gegenlicht

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/350sec    ISO 200

Winterkinder

Trotz des harten Gegenlichts reicht die Sensordynamik, um die Gesichter in der Nachbearbeitung aufzuhellen. Hier wäre ein Fillflash ganz nett gewesen, aber wie man sieht: Es geht auch ohne.

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 250

Gegenlicht durch die Spots

Hier darf man nur nicht direkt in die Spots die Belichtung messen. Dass die ausbrennen, ist normal.

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.4   1/125sec    ISO 200

Am Bühnenrand

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.4   1/125sec    ISO 200

Anders als früher mit der M9 bin ich bei der Objektivauswahl eigentlich nicht auf Gedeih und Verderb auf die Summiluxe angewiesen, aber weil die 50er und 35er Brennweiten sehr angenehm sind, wenn man sowieso nah am Geschehen ist, benutzte ich sie dennoch am meisten, aus Gewohnheit weit offen (und für den Effekt), aber ich hätte sie auch mal abblenden können, weil das Licht nicht durchweg schwach war.

Aber oft genug war ich froh, in punkto Lichtstärke noch Kapazität zu haben, denn die Streichergruppe z.B. sass in einer düsteren Ecke, mit normalen Optiken hätte man die nie vernünftig ablichten können.

Streicher im Zwielicht

Wie wenig Licht dort war, wird klar, wenn man ISO und Verschlusszeit betrachtet, obwohl weit offen war.

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/25sec    ISO 3200

Eigentlich hätte ich nur mit 35mm fotografieren können, mit der Brennweite kann man wirklich alles machen. In diesem Fall natürlich auch, weil ich immer nah genug an alles herankam, sonst sieht das schon mal anders aus.

Ich musste mich quasi zwingen, ab und zu mal die Optik zu wechseln. Eigentlich ist das auch empfehlenswert und sorgt für mehr Abwechslung, denn jede Brennweite hat ihren eigenen charakteristischen Bildwinkel.

Die Bildwirkung bei ähnlichen Motiven kann total unterschiedlich sein.

Frühlingskinder

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 500

Am Bühnenrand

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 320

Vor dem Auftritt

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 250

Gut brauchbar war vor allem noch das 75mm Apo-Summicron, das dem 50er Summilux sehr ähnlich ist, aber eben noch ein wenig mehr Reichweite hat. Das 90er Apo-Macro Elmar war ebenfalls eine Option, obwohl es nicht so besonders Lichtstark ist. Ich hätte sonst ja auch das 90er Summarit, das mir schon immer gute Dienste geleistet hat, aber mittlerweile bin ich von dem Apo-Macro und seinen hervorragenden Abbildungsqualitäten sehr begeistert, dazu kommt das winzige Packmass.

Für ganz lange Brennweiten hatte ich diesmal keine Verwendung, zur Not habe ich immer noch das 80-200mm Vario-Elmar R, aber erstens wiegt es etwa eine Tonne, zweitens muss ich es durch den elektronischen Aufstecksucher fokussieren, und das nervt mich immer.


Mit Messucherfokus und keiner spürbaren Aulöserverzögerung bin ich wirklich schnell. Es ist immer gefährlich, in der Hinsicht Vergleiche anzustellen, aber ich würde sagen, die meisten Autofokus-Kameras würden gerade bei dem schlechten Licht länger brauchen als ich manuell. Zudem liegt mein Fokuspunkt immer da, wo ich ihn eingestellt habe. Und wenn das Licht so gering ist, dass der Autofokus versagt: Was ich noch sehen kann, kann ich auch fokussieren. Darin liegt einer der Riesenvorteile der Messucherfotografie.

Prinzessin Erde und Prinz Tanne

Leica M mit 75mm Apo-Summicron bei f/2.0   1/60sec    ISO 1000

Im Chor

Leica M mit 90mm Apo-Macro Elmar bei f/4.0   1/60sec    ISO 1250

Und für die Weite gab‘s das 21mm Super-Elmar. Meiner Meinung nach eines der besten 21mm-Objektive der Welt, wenn nicht sowieso das beste...

Es ist einfach schön, dass man bei low light mit der M eben nicht mehr auf die Linsen mit den grossen Blenden allein angewiesen ist, sondern sich auch bei den tollen anderen Optiken von Leica (oder Zeiss/ Voigtländer) bedienen kann.

Der Entertainer

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/90sec    ISO 1600

Voll besetzte Aula

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/60sec    ISO 1250

Und Jesse mit der Fuji X100s? Er leistete gute Arbeit, nachdem er sich überwunden hatte. Er erzählte mir später, er habe immer aller Augen auf sich gefühlt, aber als er sich umsah, war es in Wirklichkeit so, das alle nur zur Bühne sahen. Das beruhigte ihn dann.

Etwas Pech hatte er auch: Er hatte die Kamera schon ein paar Tage vorher von mir bekommen, irgendwie hatte sich Auto ISO auf maximal 800 eingestellt, was natürlich bei der Kamera totale Verschwendung von Potential ist. Normalerweise steht das bei mir auf bis zu ISO 6400.

Ich hatte es leider vorher auch nicht mehr kontrolliert, so wunderte sich Jesse, dass er in den ganz dunklen Bereichen immer nur endlos lange Belichtungszeiten hatte. So erfahren war er halt noch nicht, dass er sich sofort einen Reim darauf machen konnte, und wir hatten während des Konzertes keine Zeit, über so etwas zu sprechen.

Aber alles, was bis ISO 800 brauchbare Belichtungszeiten hatte, hat er sehr schön eingefangen. Er hat eine natürliche Begabung für Bildaufteilung, ohne sich je Kompositionsregeln angeschaut zu haben. Es gibt solche Menschen.


Diese Episode ist Folge eines der wenigen Kritikpunkte, die ich an der Fuji X100 (s oder T) habe: Die Knöpfe auf der Rückseite verstellen sich einfach zu schnell, wenn man die Kamera nur um hat und sie mal gegen die Brust baumelt.

Eine einfache „Lock“- Funktion wäre Abhilfe des Übels. Man bräuchte vielleicht nicht mal einen Knopf mehr, sagen wir mal, man müsste nur einen bestimmten Knopf länger drücken, um zu ver- oder entriegeln.

Die meisten Reviewer beschweren sich nur, dass des Rad für die Belichtungskorrektur sich leicht verstellt, aber das galt eigentlich nur für die erste X100. Bei der s und der T ist genug Widerstand da.

Kids

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/2.0 bei  1/60sec   ISO 400

Jesse war ein bisschen geknickt, als er hinterher merkte, was er übersehen hatte, aber er hat auch dadurch dazugelernt. Darauf fällt er nicht noch mal rein.

Im übrigen kann ich nur sagen, dass ich durch solche Missgeschicke auch schlauer geworden bin, denn diese Sachen passieren wirklich jedem. Blöd ist nur, wenn man irgendwo Bilder abliefern muss. Dann bin ich froh, dass ich kein Profi bin...


Jesse war mehr als getröstet, als ich ihm meine Fuji X100s schenkte. Er hatte schon hin- und herüberlegt, wie er sich eine halbwegs anständige Kamera leisten sollte (die Sony RX100 von 2012 war schon im Gespräch), denn eigentlich hatte ich ihm bei meiner Einführung in die Fotografie nichts Gutes getan: Wie die Schlange im Paradies hatte ich ihm die Augen geöffnet, er sah jetzt die miese Bildqualität seiner „crappy“ Point and Shoot- Kamera und war für alle Zeiten verdorben.

Und bevor man mir unterstellt, ich hätte die X100s nur verschenkt, um einen Grund zu haben, die T zu kaufen: Die T ist ganz klar ein noch mehr ausgereiftes Produkt als die s, aber wer die s hat, braucht eigentlich nicht upzugraden.

Für Besitzer der ursprünglichen X100 ist das allerdings eine Überlegung wert.


Aber es stimmt, ich habe die T gekauft, ganz einfach, weil das X100 Konzept einer kleinen Kamera mit Festbrennweite, toller Bildqualität und dem genialen Hybrid-Sucher absolut einzigartig ist und ich auf die kleine Kamera nicht verzichten möchte.


Jedenfalls war am nächsten Tag die Veranstaltung „Vlotho fährt ab“, und Jesse führte seine neue Kamera stolz aus. Dass dazu noch seine geliebten Autos die Motive waren, machte seinen Tag perfekt. Zudem machte eine Oldtimer- Rallye auf dem Burghof Station, da gab‘s viel fotogenes Material.

Ich liess die M zuhause, hängte mir die M3 geladen mit einem Kodak Tri-X Film um und tat so, als wäre es 1955. Die Bilder muss ich noch entwickeln.

Der Wintervogel

Leica M mit 75mm Apo-Summicron bei f/2.0   1/45sec    ISO 3200

Was passiert auf der Bühne?

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 200

Verbeugung zum Schlussapplaus

Fuji X100s mit 23mm Fujinon-Objektiv (35mm Kleinbild-Äquivalent)  f/2.0 bei  1/250sec   ISO 800

Eigentlich war die Veranstaltung ein kunterbuntes Spektakel. Wer gerne alle Bilder sehen möchte, kann sie sich auf der Webseite der Musikschule Porta ansehen.

Was die Farben betrifft: Wie schon Anfangs erwähnt, die M liefert auch bei hohen ISO-Werten noch farbtreue Bilder ab, der automatische Weissabgleich irrt sich nur selten. Die Farb-Bilder sind unglaublich intensiv, aber ich schwöre, das ich weder an Dynamik noch Sättigung in Lightroom gedreht habe. In der Nachbearbeitung korrigiere ich immer nur die Belichtungswerte und nehme meist die Highlights etwas zurück, gelegentlich kommt etwas Rauschunterdrückung dazu.


So ein Konzert zu fotografieren, ist spannend, durchaus anstrengend, aber macht natürlich auch Spass, denn so viele dankbare Motive hat man nur selten auf einen Haufen. Zudem freuen sich die Akteure und die Musikschullehrer später, wenn was Vernünftiges dabei herauskommt.


Schon nächste Woche beginnt wieder die Fahrt an die Ardèche. Nachdem ich dort aus den Vorjahren schon einen Haufen gutes Material habe, brauche ich mir keinen Stress zu machen, unbedingt was Ausserordentliches abzuliefern. Ein bisschen abschalten vom Alltag soll sein, aber fotografieren gehört schon dazu.

Abwarten und Tee trinken...

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/90sec    ISO 640

Anmerkung zur Bildbearbeitung


Alle Bilder in diesem Blog sind mit der Filmemulation von Kodak-Tri-X aus Silver Efex überlagert.

Zunächst hatte ich alle ohne Filmemulation in Silver Efex mit einem meiner Standard-Presets bearbeitet, aber die Bilder erschienen mir im Nachhinein zu „sauber“, zu „digital“. Also liess ich bei der Bearbeitung dieser jetzigen Bilder die Finger ganz weg von jeglichem Slider, ausser dass ich unter „Film“ Kodak-Tri-X wählte.

Die DNG‘s hatte ich zuvor in Lightroom nur minimal korrigiert, nur die Helligkeit, Highlights, Tiefen und Schwarzpunkt angepasst, also die absolut essentiellen Tonwerte.

Ein abschliessender Check nach dem Reimport in LR, evtl. kleinste Korrekturen nochmals bei den Highlights (weil die bei Tri-X teilweise sehr überakzentuiert sind), dann als JPG abgespeichert.

Für die Bearbeitung jedes Bildes brauche ich nicht mehr als dreissig Sekunden. Wichtigstes Kontrollwerkzeug: Das Histogramm. Es muss nicht immer „perfekt“ sein, aber man sollte möglichst versuchen, es links und rechts in einem Schwarz- und Weisspunkt enden zu lassen. Ob das möglich ist, hängt natürlich von den jeweiligen Lichtbedingungen im Bild ab. Je extremer die sind, desto eher muss man Zugeständnisse machen.