Insel im Wind

 

Herbstferien auf Sylt

Sonntag, 3. November 2013

Die Kurpromenade von Westerland bei herannahen des Sturmtiefs

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/4.0   1/3000sec    ISO 200

 
 

„If by your art, my dearest father, you have

Put the wild waters in this roar, allay them.

The sky, it seems, would pour down stinking pitch,

But that the sea, mounting to the welkin's cheek,

Dashes the fire out.“


William Shakespeare. „The Tempest.“ !. Akt, 2. Szene

Zur Insel Sylt haben wir eine besondere Beziehung, weil die Schwester meiner Frau mit einem waschechten Sylter verheiratet ist. Mindestens einmal im Jahr sind wir für einige Tage dort, dieses mal waren die Herbstferien dafür vorgesehen.

Durch den Familienanschluss haben wir Einblick in vieles, was die „normalen“ Touristen gar nicht so mitkriegen. Mein Schwager kennt Alles und Jeden, ist auch in der Kommunalpolitik tätig, so erfährt man viel von dem, was hinter den Kulissen dieser Ferieninsel so abläuft.

Es fügte sich, dass unsere Urlaubswoche genau in die Zeit des ersten grossen Herbststurmes fiel, am Montag der letzten Woche fegte das Sturmtief „Christian“ über Europa, natürlich auch über Sylt.


Nun kann ich hier nicht mit Bildern aufwarten, die während des Sturms entstanden, denn der Wind erreichte Geschwindigkeiten von über 180 km/h, das entspräche etwa Windstärke 15 (wenn es die denn gäbe). Jeder, der am Montag in der Zeit von 13.30 bis 16.30 Uhr auf Sylt draussen war, war entweder Lebensmüde oder Angehöriger der Feuerwehr...

Es fliegen Sachen in der Luft herum, die da normalerweise keiner vermuten würde. Bei List z.B. wehten Schiffscontainer auf die Strasse. Nach dem Sturm lagen fast alle Bushäuschen, die an freier Strecke standen, irgendwo in den Dünen...von abgedeckten Dächern und dem dazugehörigen Material ganz abgesehen. Zum Glück ist auf Sylt selbst ausser Sachschaden nichts passiert.

Den Vormittag über hielt ich mich in Westerland am Hauptstrand auf, der Wind war schon kräftig, aber er lag die ganze Zeit „nur“ bei 7-8 Bft, gegen das, was folgte, nur ein laues Lüftchen...

Und dann, gegen 12.30 Uhr, bewegte sich eine Wolkenwand von Südwesten auf uns zu, die apokalyptisch wirkte.

Keine Szene aus „The day after tomorrow“, sondern ein Sturmtief namens „Christian“.

Der kleine Uhrenturm (links im Bild) überlebte den Sturm übrigens auch nicht...

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/4.8   1/350sec    ISO 200

Theodor Storm, aus „Der Schimmelreiter“: „Es war vor Allerheiligen, im Oktober. Tagsüber hatte es stark aus Südwest gestürmt; abends stand ein halber Mond am Himmel, dunkelbraune Wolken jagten überhin, und Schatten und trübes Licht flogen auf der Erde durcheinander; der Sturm war im Wachsen.“

„Christian“ war auch kurz vor Allerheiligen aus Südwest.

Als ich die Wolke auf dem Bild sah, wusste ich, dass es Zeit war, nach Hause zu gehen. Der Wind frischte jetzt immer mehr auf, zum Glück musste ich nach Norden gehen, man konnte sich gegen die Böen zurücklehnen. Nach Süden konnte man nur noch bedingt schauen, weil so viel Sand in der Luft war, dass man sofort die Augen schliessen musste.

Ich erreichte das Haus meiner Verwandten, bevor der Sturm wirklich loslegte. Was da draussen dann vor sich ging, reichte mir auch schon vom Blick aus dem Fenster. Gut, dass Häuser innen hohl sind...

Gegen 17.00 Uhr, als das Heftigste vorbei war, ging ich noch einmal zum Übergang in der Nähe der Nordseeklinik. Als ich aus dem Schutz der Dünen auf die Aussichtsplattform dort trat, musste ich mich immer noch am Geländer festhalten, man konnte nicht frei stehen, der Wind hatte immer noch Stärke 8-10 Bft.

Das Meer unter mir schäumte wie der sprichwörtliche Hexenkessel, als ich auf die verrückte Idee kam, eine Langzeitbelichtung zu machen. Ich schraubte einen ND-Filter vor das 21mm Super-Elmar und stellte die Kamera mit dem Mini-Stativ von Manfrotto auf das Geländer.

Es war klar, dass das Bild niemals wirklich scharf sein würde, denn die Aussichtsplattform erzitterte unter den Windböen. Trotzdem, finde ich, gibt das Foto, das entstand, die „Wildheit“ der Szenerie  wieder.

Der Sturm

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/5.6   1,5sec    ISO 200    ND-Filter

Was alles genau passiert war, davon war die „Sylter Rundschau“ am nächsten Tag voll. Jedenfalls ist auch bei Hörnum wieder ein Stück Düne abhanden gekommen, wovon wir uns am Mittwoch persönlich bei einem Gang um die Südspitze der Insel überzeugten. Vor 30 Jahren dauerte es noch fast vier Stunden, heute ist man in 1 1/2 Stunden um die Südspitze  („Odde“) gelaufen...


Trotz Sturm hatten wir eine schöne Zeit auf Sylt. Die ganzen Tage war starker Wind, er fiel kaum unter 5 Bft ab, aber trotz gelegentlicher Schauer kam oft die Sonne durch, der Himmel oft sehr interessant anzusehen. Regenbogen gab es so häufig, dass man schon gar nicht mehr hinsah...aber nein, so ein Regenbogen ist doch immer wieder schön.

Am Tag danach

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/4.0   1/4000sec    ISO 200

Für die Kite- und Windsurfer herrschten beste Bedingungen, vor allem vor Westerland sah man sie täglich übers Wasser flitzen. Immer ein lohnendes Motiv.

Kite-Surfen

Leica M mit 90mm Summarit bei f/4.0   1/3000sec    ISO 200

Kite-Surfen

Leica M mit 90mm Summarit bei f/2.5   1/4000sec    ISO 200

Vorbereitung

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/4.0   1/1500sec    ISO 200

Die meist Zeit war klare Sicht, wenn die Sonne sich blicken liess, konnte man kontrastreiche Landschaftsbilder machen.

Bei Wonnemeier

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/4.0   1/2000sec    ISO 200

Cumulonimbus-Wolke

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/4.0   1/2000sec    ISO 200

Kurz vor Sonnenuntergang

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/4.0   1/1000sec    ISO 200

Vogelflug

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/4.8   1/3000sec    ISO 200

Brandung

Leica M mit 90mm Summarit bei f/4.8   1/2000sec    ISO 200

Gegenlicht

Leica M mit 90mm Summarit bei f/4.8   1/4000sec    ISO 200

Zeit, nach Hause zu gehen...

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/5.6   1/4000sec    ISO 200

Genug von Strand und Dünen! Ich habe tatsächlich auch noch was anders fotografiert (die Familienfotos zeige ich ja hier nie)! Abends wurde es früh dunkel, da habe ich z.B. mal Westerland bei Abendbeleuchtung abgelichtet. Die M macht‘s möglich solche Sachen ohne Stativ zu machen, dass einen sonst doch erheblich beschwert.

Ach, ich musste wieder an Paris bei Beleuchtung denken, was für Möglichkeiten man dort hat...

Aber in so einer Stadt kann jeder Motive finden, in der Provinz muss man sich halt mehr anstrengen.


Solche Stadtfotos bei Licht gehen aber auch mit der M9, in Berlin war ich oft damit unterwegs, nur dass ich dann schon auf die Lichtstarken 35er, 50er Summilux-Objektive angewiesen war, bzw. wenn‘s weit werden sollte, wenigstens das 21mm Elmarit (f/2.8), denn man kann bei der M9 mit ISO nicht so grosszügig umgehen wie bei der M.

Friedrichstraße

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/90sec    ISO 3200

Das Geschäft mit dem roten Punkt...

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/125sec    ISO 3200

Friedrichstraße

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/45sec    ISO 3200

Von der Kurverwaltung, vom Bahnhof u.s.w. habe ich noch lohnende Motive, aber das wird dann irgendwann auch langweilig. Mich freut einfach, dass solche Möglichkeiten mit der modernen Kameratechnik vorhanden sind. Auch wirkt manches bei Beleuchtung gut, was bei Tage profan aussieht.


Den Leuchtturm von Hörnum haben wir auch besichtigt! Wer mal nach Sylt fährt, sollte die Besichtigung allerdings 2-3 Wochen vorher buchen, denn da kommen immer nur 10 Leute drauf und die Führung findet nicht oft statt.

Es dauert eine Stunde, Knut, der „Leuchtturmerklärer“ macht alles sehr unterhaltsam. Im Leuchtturm war früher sogar die Schule untergebracht.

An der Kurpromenade

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/60sec    ISO 3200

Leuchtfeuer

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/5.6   1/4000sec    ISO 200

Als wir oben waren, konnten wir auf die Plattform aussen treten. Auf einer Insel, die im Allgemeinen über keine erhöhten Aussichtspunkte verfügt, ist die Ansicht „von oben“ eigentlich überraschend.

Dazu kam, dass just in dem Augenblick sich (mal wieder) ein Regenbogen quer über Hörnum zeigte. Glück muss man haben...

Am Tag nach dem Sturm war ich passenderweise mit meiner jüngsten Tochter in „Naturgewalten“, das ist ein Naturkundliches Museum in List, das recht neu ist. Es ist nach modernsten museumspädagogischen Gesichtspunkten gestaltet, es war kein Problem, dort drei Stunden kurzweilig zuzubringen.

Was mich immer besonders freut,  ist natürlich, wenn man fotografieren darf. Ich mag einfach diese vielfarbig Kunstlicht-Mischung, die es in solchen Einrichtungen immer gibt. Macht das Fotografieren interessant (und auch zu einer Herausforderung, weil man meist mit Automatiken nicht weit kommt, sondern sich Gedanken zur jeweiligen Lichtsituation machen muss).

Wir waren auch im „Sturmsimulator“, aber nachdem wir den echten Sturm noch frisch in Erinnerung hatten, kam uns das dort wie ein laues Lüftchen vor.

Hörnum

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/1000sec    ISO 200

Im Museum

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 1250

Im Museum, links ein „Sturm im Wasserglas“

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 2500

Es gibt auch eine Dachterasse, kaum dass ich dort oben war, zeigte sich der nächste Regenbogen überm „Ellenbogen“, dem nördlichsten Teil der Insel. Inflation...

Spektralfarben....

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/4.0   1/1000sec    ISO 200

Ich war eigentlich immer den ganzen Tag irgendwie draussen, wie man sieht, waren Licht und Wolken oft aussergewöhnlich. Viele Fotos vom Morsum Kliff oder von Hörnum Odde sind auch sehenswert, aber das wird hier einfach zuviel.

Der vorletzte Tag war aber wirklich hauptsächlich grau und regnerisch, ich hatte mich bereits damit abgefunden, an dem Tag nichts Anständiges vor die Linse zu bekommen, als ich mehr zufällig am Sylt-Aquarium vorbeikam. Das ist auch noch nicht so alt, aber ich war ein paar Jahre nicht mehr drin gewesen, so beschloss ich, mal wieder rein zu schauen.

Ich gebe zu, der Reiz war mal wieder, dass ich wusste, dass es drinnen unheimlich schummrige Lichtverhältnisse gibt und ich sehen wollte, was die M unter diesen Bedingungen so zu leisten imstande ist.

Ich glaube die Bilder sprechen für sich. Anzumerken ist, dass die Belichtungsautomatik nicht zu empfehlen ist, weil sie meist zu dunkel misst, daher die hellen Spots oder Reflexionen auf den silbrig glänzenden Schuppen der Fische dann völlig ausbrennen.

Abhilfe ist nur genaue Rückschau und Analyse der Histogramme, entsprechend korrigierte manuelle Einstellung macht dann technisch lupenreine Bilder möglich.

Die grosse Halle mir den heimischen Fischen

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/125sec    ISO 3200

Im Vordergrund Ultraviolette Beleuchtung

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/8sec    ISO 3200

Der indische Ozean im Kleinformat

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/30sec    ISO 3200

Für die Disney-Geschädigten Kinder: Anemonenfische („Nemo“)

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/125sec    ISO 3200

Im Tunnel unterm Haifischbecken

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/125sec    ISO 3200

Vor dem grossen Aquarium

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/45sec    ISO 3200

Zebrahai

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/125sec    ISO 3200

Auch vom Aquarium habe ich so viel, dass das dann ermüdend wird, alle hier zu zeigen. Aber gerade weil ich diese Low-Light Situationen so interessant finde, kann ich mich immer nicht bremsen.


Natürlich ist man hier vollkommen auch von der Technik abhängig, ein kleinerer Sensor mit schlechtem Rauschverhalten und geringer Dynamik würde schnell eine Grenze setzen, die auch der erfahrenste Fotograf nicht überwinden kann. Viele sah ich dort drin mit Smartphone fotografieren, das  funktioniert natürlich nicht (obwohl ich mich immer wieder über die Anspruchslosigkeit der Leute in dieser Hinsicht wundere). Andere hatten dann schon ganz gute DSLR‘s, aber dann wieder mal die dicken Standard-Zooms davor, die so Lichtschwach sind, dass selbst ein guter Sensor total ausgebremst wird, so dass die Ergebnisse auch nur unterdurchschnittlich sein können.


Jetzt, da ich wieder zuhause bin, habe ich mich erst mal auf den neuesten Stand gebracht, was die Sony A7, A7r und Nikon DF betrifft und muss sagen, bin schockiert über das Ausmass an Konsumzwang, dass bei Kameraenthusiasten erzeugt wird. Leute wie Steve Huff (der eigentlich ein netter Kerl ist) sind augenblicklich bei einer „Promo-Veranstaltung“ von Sony und lassen sich völlig einwickeln.

Probiert die A7r mit Zeiss Otus Objektiv aus und überschlägt sich vor Begeisterung. Davon abgesehen, dass er die sehr zweifelhafte Behauptung aufstellt, dies Objektiv sei weit offen schärfer als das 50er Summilux auf einer M (1. Was ist Schärfe? und 2. Wie hat er den Unterschied in Nashville auf seinem kleinen Macbook Air festgestellt?), ist das Objektiv ein Monstrum, das die relativ Kompakte Bauweise der A7r ad Absurdum führt. Da kann man ja gleich mit einer Nikon D800 losziehen. Der Kaiser hat keine Kleider an...

Wie unkritisch alles hingenommen wird! Genau das Gegenteil wie bei der X-Vario: Hier wollen alle, das es eine Bombenkamera ist, also ist jede kritische Anmerkung Blasphemie.

Wegen der Sache mit „Zeiss Otus schärfer als Summilux“ sträube ich mich nicht gegen die Aussage, weil ich Leica unbedingt die Treue halten muss, sondern weil ich nun mal ein naturwissenschaftlich angehauchter Mensch bin und ich solche offensichtlich unbelegten Behauptungen unverantwortlich finde. Hier muss man sich wirklich fragen, ob der gute Steve so naiv ist oder wie viel ihm Sony zahlt.

Übrigens: Selbst wenn das Summilux theoretisch optisch unterlegen wäre (was immer auch dass heißt, wenn ich sehe, was es leistet, kann ich mir mehr kaum vorstellen, oder wie das aussehen soll), ist das Zeiss Otus für mich einfach eine überdimensionierte Missgeburt, vom Design völlig verfehlt (jedenfalls für den Gebrauch an einer kompakten Systemkamera). Dagegen ist sogar das vergleichsweise fette Noctilux noch niedlich. Das ganze Diskrete an einem kleinen kompakten System geht über Bord.


Nach wie vor bin ich an der A7 oder A7r interessiert, aber nur in Kombination mit den lichtstarken Festbrennnweiten und Autofokus. Ich glaube nicht, dass sie meine M quasi ersetzen können, sondern sehe die A7r als Ergänzung.

Zumal mittlerweile feststeht, dass M-Objektive unter 35mm an den Sonys nur eingeschränkt funktionieren. Sicher, vermutlich kann man einiges mit „Corner-Fix“ ausgleichen.

Die ganze Sache mit den manuellen M-Bajonett Objektiven halte ich sowieso für Anwendungen, bei denen es auf eine gewisse Schnelligkeit ankommt, für unrealistisch. Man muss sich nur mal die Vorgehensweise klar machen: Blende weit öffnen, über Fokus-Peaking scharfstellen, für kritischen Fokus einmal vergrössern, wieder auf normalen Bildausschnitt stellen, Komposition noch mal überprüfen , Arbeitsblende einstellen (soweit nicht sowieso weit offen fotografiert werden soll), jetzt auslösen (Belichtungsautomatik vorausgesetzt). Das ist für mich keine Theorie. Ich habe so schon gearbeitet, nämlich mit M-Adapter an der Fuji X-Pro1. Das kann man mal in Ausnahmefällen machen, aber im allgemeinen ist das ein „pain in the ass“, wie man sich jenseits des Atlantiks vornehm ausdrückt („pardon my french...“).

Bis man das alles geregelt hat, ist selbst eine Schnecke aus dem Bild gekrochen...

Im Vergleich dazu ist Autofokus Gedankenschnell, bei einem Messsucher genügt ein Dreh am Entfernungsring und das Bild ist im Kasten.

Last one pays for all: Noch‘n Regenbogen...

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/5.6   1/4000sec    ISO 200

Zebrahai

Übrigens: Das Autofokus-System muss erst noch erfunden werden, das durch zentimeterdicke Glasscheiben den gewünschten Punkt findet. Mit einem Messucher ein Kinderspiel. Manuell mit Fokuspeaking wäre auch definitiv schwieriger, jeder der mal bei schlechtem Licht versucht hat, auf einem Display oder EVF den exakten Fokus zu erkennen, kann nachvollziehen was ich meine.

Leica M mit 28mm Elmarit bei f/2.8   1/125sec    ISO 3200

Im Augenblick sind wirklich gute Zeiten für „Gearheads“, das sind die, die immer glauben, erst die nächste Kamerageneration bringe den Weltklassefotografen in ihnen heraus...sie sitzen sabbernd am Bildschirm und schreiben bei Steve Huff Kommentare, das einzige Luxusproblem was sie haben, ist die Frage: A7, A7r oder doch die Nikon DF?


Vielleicht kann ich das leicht sagen, ich habe schon eine Spitzen-Kamera, aber ich mache mir über den Zusammenhang von potentieller Bildqualität einer Kamera und den tatsächlichen Fähigkeiten des Fotografen wenigstens keine Illusionen...

Was ich an der Sony A7/A7r absolut nicht gebrauchen kann, sind überdimensionierte Objektive oder das laute Auslösegeräusch (die Diskretion geht den Bach runter...). Ich mache mir auch nichts vor, was die Geschwindigkeit des Scharfstellens mit Hilfe von Fokus-Peaking bei manuellen Objektiven angeht.


Eine Kamera ist für mich dann gut, wenn ich sie auch in aussergewöhnlichen (Licht-)Situationen schnell anpassen kann und sie dann Ergebnisse liefert, die reproduzierbar sind. Das gilt sicher für die M, mit kleiner Einschränkung auch für die M9.

Die Leica X-Vario kam z.B. für mich deshalb nicht in Frage. Sie liefert in 90% der Standardsituationen eine überzeugende Bildqualität, aber die 10% mit besonderen Umständen, die übrig bleiben, wo die Kamera nicht einsetzbar ist, sind mir so wichtig, dass ich deswegen eine solche Kamera nicht gebrauchen kann.

Wie vielseitig und Anpassungsfähig die neuen Sonys sind, muss sich noch zeigen. Das heisst jetzt nicht, dass ich nicht Überdurchschnittliches von ihnen erwarten würde. Der 36MP Sensor ist vermutlich der gleiche wie in der D800e, diese Leistung in einem Kompakten Gehäuse zieht mich schon an. Aber es ist ein Fehler, zu glauben, nur auf den Sensor käme es an.


Die Sonys sind ganz klar „over-hyped“, die Realität wird sie bald einholen, wahrscheinlich werden sie schnell von anderen Modellen überholt, mit schnellerem Fokus, längerer Batterielebensdauer, schnellerer Framerate, kleineren Objektiven, leiserem Auslöser u.s.w.


Übrigens, wer‘s noch nicht mitgekriegt hat: Der Kameramarkt liegt zur Zeit am Boden. Die Verkaufszahlen von Canon sind im letzten Jahr um 20%, die von Nikon um 14% zurückgegangen. Speziell Consumer-DSLR‘s bleiben zu Millionen in den Regalen liegen. Dem Rest der Industrie geht‘s auch nicht besser (nur Leica geht‘s gut, aber die sind auch irgendwie aussen vor). Einige sagen bereits das Ende der DSLR‘s in 5 Jahren voraus. Ich halte solche Voraussagen allerdings für voreilig.

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, sagte mal Stefan Effenberg...


Ich bleibe jedenfalls ganz entspannt und warte mal ab, was kommt. So lange freue ich mich über das, was mir die M möglich macht und liefert. Eigentlich brauche ich nicht mehr. Der Rest ist Spielerei...

Nachtrag, am 05.11.2013:


Es kommt selten vor, dass ich einem Blog nachträglich noch etwas hinzu füge,  aber gestern ist die von Nikon systematisch ge-“leakte“ sog. „Retro-Kamera offiziell vorgestellt worden.

So sehr ich auch selbst traditionellen Kontrollen und Design zugetan bin, so muss ich sagen, dass diese Kamera mehr wie die Karikatur eines Retro-Designs aussieht.

Eine lächerliche Menge an Knöpfen und Kontrollen hat nichts mit der von Nikon propagierten „pure photography“ zu tun.

Das Ding ist abstossend hässlich, die Sony A7/A7r, selbst keine Schönheit, nimmt sich dagegen aus wie ein Jaguar Typ E zwischen Aufsitzrasenmähern...

Was wirkliches Retro-Design betrifft, sollte sich Nikon mal bei Fuji ansehen, wie das geht.

Sicher sind die Geschmäcker verschieden, es gibt schon auch einige, die das Ding mögen (von mir aus...), aber ich sag‘ mal, von einem rein praktischen Standpunkt aus: Was hat so ein Monster mit einer klassischen Nikon zu tun, die wirklich nur die notwendigsten Kontrollen hatte. Diese Inflation an Kontrollen ist doch übelstes Design, allein das Studium der Funktionen ist einem Bachelor-Abschluss gleichwertig...

Die bis jetzt gezögert haben, werden jetzt reihenweise die Sony A7/A7r bestellen. Nikon hätte ein Zeichen setzten können, wenn sie eine spiegellose, kompakte Kamera im Stil wie eine alte Nikon-Messsucherkamera herausgebracht hätten. Verpasste Chance.

Ich habe auf den grossen Webseiten schon lustige Kommentare gelesen, bei Soundimageplus z.B.:


„Nikons Version of a Disney-Castle“, „I wouldn‘t be seen dead carrying one“



Vom Dpreview preview (Die meist besuchte Fotografie-Webseite im englischsprachigen Raum):

'As such, although I hate to say it: from a cold, hard practical point of view, I can't shake the feeling that the Df is a little bit... silly.' 


An Steve Huff beginne ich langsam zu zweifeln, er scheint nicht mehr zu merken, dass etwas, das Retro heisst, noch lange nicht deswegen automatisch gut ist:

„But it looks cool. It looks classic in a modern kind of way. It looks like it means business.“


Ich weiß, über Geschmack kann man nicht streiten, aber was sieht an dieser Kamera „cool“ aus? Sie sieht aus als hätte sie eine schlimme Form von Akne...


Wenn Nikon es geschafft hatte, eine wirkliche digitale Reinkarnation einer Nikon FE zu schaffen (auch in deren Grösse, nicht so ein klobiges Ding wie die Df), dann könnte ich schwach werden und noch mal zu Spiegelreflex zurückkehren. Aber so? Keine Gefahr...