Geisterstunde...

 

oder: 4 (minus 3) Hochzeiten und ein Musical

(+ 1 Mini-Review der Leica X Vario)

Montag, 01. Juli 2013

Gespenst

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 500

 
 

„Geisterstunde auf Schloss Eulenstein“ (von Peter Schindler) hieß das Musical, das der Kinderchor von St. Stephan zusammen mit dem Chor der Grundschule Uffeln am Samstagmorgen im Gemeindehaus aufgeführt hat.

Mit großer Musikalität und Begeisterung vorgetragen, dabei mit liebevoll kreierten Kostümen war es ein Augen- und Ohrenschmaus.

Ich hatte wieder die bewährte „Schummerlicht“-Combo 50er und 35er Summilux, 90er Summarit dabei. Das 75er Apo-Summicron wäre auch eine Option, aber obwohl das 90er Summarit eine 1/2 Blendenstufe lichtschwächer ist, wollte ich doch dessen etwas grössere Reichweite haben. Wäre mein R-Adapter schon da (typisch Leica, dass der nicht lieferbar ist), hätte ich vielleicht sogar eine noch etwas längere Brennweite benutzt. Hier will ich aber gleich einwerfen, dass die Bilder aus zu langen Brennweiten mir meist zu „Paparazzimässig“ aussehen, man sollte lieber anstreben, dass man es irgendwie möglich macht, nah genug ans Motiv heran zu kommen.


Ich habe mich inzwischen total auf die „M“ eingearbeitet. 50er und 35er-Objektive fokussiere ich ausschliesslich mit dem Messsucher, das geht wie der sprichwörtliche Blitz. An verschiedenen Stellen im Netz habe ich von Profis gelesen, dass sie den Messsucher der neuen M wesentlich besser, einfacher zu fokussieren und überhaupt genauer finden. Ich dachte zuerst, dass bilde ich mir ein, aber es scheint wirklich was dran zu sein.


Das 90er fokussiere ich lieber mit elektronischem Sucher, das liegt aber eher an meinen Augen als am Messsucher. Aber auch das habe ich motorisch schon „abgespeichert“. Leichtes verstellen des Fokus bringt sofort das vergrösserte Bild, Fokus-Peaking (ein roter Schimmer um die scharfen Bildanteile) gibt mir die Sicherheit, dass die Entfernung stimmt. Ein leichter Druck auf den Auslöser bringt mir das volle Bild, dann weiter durchdrücken, wenn die Bildkomposition stimmt.

Vielleicht trivial, aber der Auslöser bei der neuen M ist 2-Stufig, wunderbar abgestimmt, seidenweich. Ich kann‘s ja beurteilen: Das Geräusch ist so ähnlich, aber etwas leiser als das der M3! Dagegen hört sich der Auslöser bei der M9 (danach noch der Aufzug des Verschlusses) wie Strassenbau an (ist aber immer noch deutlich besser als bei einer Spiegelreflex).


Vom Musical gibt es eine volle Reihe in Farbe und eine kleinere Reihe in S/W, die Bilder sind nicht unbedingt identisch. Ich zeige einfach eine willkürliche Auswahl von beidem:

Ensemble

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 640

Geister

Leica M mit 90mm Summarit bei f/2.5   1/125sec    ISO 1000

Hexen, Vampire, Zauberer...ganz links ist übrigens Rübezahl...alles dabei...

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 500

A chorus line

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 800

Solo für die kleine Hexe

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/180sec    ISO 1250

Das Grauen...

Leica M mit 90mm Summarit bei f/2.5   1/180sec    ISO 1000

...lauert hinter jeder Ecke, aber warum der skeptische Blick?

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 500

Gespenst im High-Key Stil

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 500

Backstage

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 250

Chor

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 320

Finale

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 400

Allgemeines Chaos nach Schluss der Veranstaltung

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/2.4   1/125sec    ISO 3200

Am Nachmittag dann wurde eine meiner langjährigen Helferinnen in der Jubilate Kirche auf dem Bonneberg (ein Stadtteil von Vlotho) getraut.

Während der Trauzeremonie spielte ich Flöte, aber ich hatte meine M schussbereit...


Ich konnte mich insofern entspannen, als dass ich nicht offiziell für Fotos zuständig war. Das ist schön, weil ich mich dann nicht verpflichtet fühle, alles mögliche zu dokumentieren (und überall gleichzeitig zu sein).

Aber ich machte mir den Spass, die „M“ als Kamera für einen Hochzeitsfotografen zu testen. Das Fazit (erwartungsgemäss) vorweg: Wer in dem Geschäft tätig ist, hat damit ein Werkzeug par excellence. Er kann seine DSLR‘s getrost verticken (um die M zu finanzieren...).

Die M ist schnell, diskret, dazu extreme low-light Fähigkeit, nicht zu vergessen der besondere Charakter der Objektive, der den Fotos einen unverwechselbaren „Look“ verleiht.

Ich will hier jetzt nicht so viele Fotos zeigen, schliesslich war das eine private Veranstaltung, aber speziell bei der anschliessenden Feier auf dem Saal war die Lichtstimmung schon Besonders (durch die „Disko-Beleuchtung“). Da ohne Blitz zu fotografieren ist eigentlich authentischer. Aber die Technik muss es hergeben. Die den eigentliche „Auftrag“ hatten, dort zu fotografieren, hatten keine Chance ohne Blitz, denn die hatten Standard-Zoom Objektive mit grösster Blendenöffnung f/4.0, viel zu Lichtschwach für eine Kamera, die womöglich über ISO 3200 (oder auch schon darunter) deutlich rauscht und Dynamik verliert. Die kamen allerdings auch gar nicht auf die Idee, es zu versuchen.

Bitte, das soll jetzt nicht arrogant herüberkommen, nach dem Motto: „Ich weiß immer mehr als alle anderen“, aber der Bereich „available light“ ist nun mal meine Domäne, ich habe mich damit viel beschäftigt und verfüge über eine gewisse „Expertise“. Andere verschwenden keinen Gedanken an so was. Für die ist fototechnisch völlig klar: Es ist jetzt zu dunkel, da nehme ich den Blitz, fertig.

Nur ich finde es halt schade, dass der Blitz (wenn er nicht diskret als Aufhellblitz unter Nutzung des ambienten Lichtes genommen wird) die eigentliche Stimmung zerstört.

Rosenspalier  (leider war der Himmel sehr grau, aber das war schon besser als der Dauerregen vorher)

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/4.8   1/180sec    ISO 200

Um nun bei dem Licht zu fotografieren, braucht man aber nicht ausschliesslich eine M. Das kann z.B. eine Sony RX1, Fuji X100s oder X-E1 mit entspr. Objektiv ebenso. Allerdings sind die RAW-Dateien nicht so „flexibel“, die rein optische Bildqualität bei Offenblende eben nicht ganz so...aber den Unterschied sieht nur ein Verrückter wie ich!

Vor dem Brauttanz (Anmerkung: Das Licht im Vordergrund war so rot-lila)

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 6400

Noch etwas: Weissabgleich!

Die M ist mehrfach deswegen gescholten worden. Nun habe ich schon einige Erfahrung mit ihr und kann sagen, zu unrecht!

Sie liegt bei Tage eher im „warmen“ Bereich, aber gerade bei gemischtem Tages- und Kunstlicht, wie hier (dabei noch total bunte Lichtfarben) meistert der automatische Weissabgleich der Kamera diesen Drahtseilakt bravourös.

Fokussieren mit Messsucher geht noch tadellos, wenn die AF-Hilfslichter der anderen Kameras verzweifelt durch die Gegend irren...

Schon zu fortgeschrittener Stunde: Die Disko-Queen...

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 5000

Die sollen als Beispiele reichen. Bei dem Licht habe ich meist (weil ich die Kamera so eingestellt hatte, dass sie nicht unter 1/125sek Belichtungszeit geht) mit ISO 4000-6400 zu tun gehabt. Banding tritt bei den gut ausgeleuchteten Bildern nicht auf. Zur Rauschunterdrückung in der Nachbearbeitung der DNG-Dateien in Lightroom lag meist die Obergrenze bei 28 (Luminanzrauschen), das ist wenig, reichte aber völlig aus.


Im vorausgegangenen Blog hatte ich mich über den „Negativismus“ ausgelassen, als spezielles Beispiel den Sh!tstorm angeführt, der durch die Vorstellung der neuen Leica X-Vario ausgelöst wurde. Nun, ich hatte eine 2 Tage zur Probe hier, ich kann sagen, sie hat die ungnädige Aufnahme nicht verdient.

Es war übrigens so, dass sehr viele, die mit Hohn und Spott oder gar Verachtung reagierten, gar keine Leica-Nutzer waren, meist noch nie ein solches Produkt in der Hand gehalten haben. Die andern waren verärgert, dass ihre Fantasy-Hardware Vorstellungen nicht von Leica erfüllt wurden.


Die X-Vario ist eine echte Leica, man fühlt sofort die hochwertige Verarbeitung, sie ist (wie teilweise behauptet) überhaupt nicht frontlastig, sondern liegt gut in der Hand.

Meine Fujis (die X-Pro1 oder die X 100s) sind auch gut gebaut, keine Frage, aber dieses „Level“ erreichen sie nicht. Die X 100s fühlt sich dagegen wie ein Spielzeug an.


Sean Reid hat es schon erkannt: Bei jeder Neuvorstellung einer Leica in den letzten Jahren spielte sich dasselbe Szenario in drei Phasen ab:


  1. 1.Die neue Kamera wird vorgestellt und alle möglichen Leute beschweren sich über ihre subjektiv wahrgenommenen Unzulänglichkeiten und sagen voraus, dass sie ein überteuerter Misserfolg wird. Sie behaupten, dass Leica den Bezug zur Realität verloren hat, was ernsthafte Fotografen wirklich brauchen u.s.w.  Das alles mit sehr viel Geheul, Zähneknirschen und der allgemeinen Wahrnehmung, dass der Himmel bald einstürzt.

  2. 2.Die ersten Kameras erreichen die frühen Nutzer und dies bringt ein Teilen von Bildbeispielen und Feedback, wie die Kamera wirklich im normalen Gebrauch funktioniert. Einige der eisigen Reaktionen beginnen aufzutauen und der eine oder andere gibt zu, dass sie -vielleicht- doch nicht so schlecht ist.

  3. 3.Die Kamera kommt mehr in Umlauf, das Drama endet und die Leica wird Stück für Stück als das gesehen, was sie wirklich ist: Einfach eine Kamera mit Vor- und Nachteilen wie jede andere. Die Herausforderung, die dann bleibt, ist eine beim Fachhändler zu finden...


Nur, dass diesmal die Reaktion extrem überzogen war. Tatsächlich ist die Wahrheit über dass angeblich ach so lichtschwache Objektiv, dass es bisher kein Objektiv in dieser Kompaktheit gibt, dass derartig gute optische Eigenschaften hat, Schärfe bis in die Bildecken bei voller Öffnung, Auflösung, Kontrast, Verzeichnungsfrei ist, etc.

Ein guter und realistischer Review (nur als Beispiel, ich habe inzwischen mehrere gefunden, die diesen Konsens haben) findet sich z.B. bei Luminous Landscape.

Zur „Lichtschwäche“ hat Ming Thein in seinem fairen Review ebenfalls noch eine interessante Anmerkung: Er führt die „Transmission“, die wirkliche Lichtdurchlässigkeit von Objektiven an und vermutet, dass wie üblich das Leica-Glass hohe Werte hat, also die f/6.1 am langen Ende des Zooms dem auch wirklich entsprechen, im Gegensatz zu den üblichen Standard-Zooms, bei denen f5.6 (auf dem Papier vermeintlich besser) aufgrund der schlechten Lichtdurchlässigkeit billiger Gläser eher f/8 oder f/11 entspricht.


Ich habe mir so meine Gedanken gemacht: Alle, die sich z.B. über den Preis aufregten und anführten, div. Kameras fernöstlicher Hersteller wären nicht nur viel besser, sondern auch viel billiger kapieren wohl nicht, dass eine echte Leica (nicht die Panasonic-Klone) schliesslich auch in Deutschland hergestellt wird von vernünftig bezahlten Facharbeitern, die entspr. Sozialleistungen erhalten, im Gegensatz zu...muss ich das jetzt wirklich erklären?

Dazu hochwertigste Verarbeitung, Handwerkskunst und Materialien. Ich hoffe, keiner in der Schweiz fühlt sich auf den Schlips getreten, wenn ich einen Vergleich zu Uhren ziehe, aber der liegt nahe.


Wenn mir so ein Schlaumeier (der noch nie eine Leica bedient hat) erklären will, dass es egal ist, mit was man fotografiert, jede Kamera mit ähnlichen Spezifikationen täte es auch, dann kann er auch behaupten, einem Pianisten sei es egal, ob er die Mondscheinsonate auf einem Steinway-Konzertflügel oder einem Casio-Keyboard spielt, die Melodie sei schliesslich die gleiche...



Was nun meine Erfahrung mit der X-Vario betrifft, kann ich sagen, dass sie in der Einfachheit der Bedienung und dem schlichten Design viele ansprechen wird. Geniale Lösungen (Steve Jobs wäre entzückt) z.B., dass man Autofokus einfach am Objektiv mit dem Entfernungsring entriegelt und flüssig manuell fokussiert, ohne noch irgendeinen Umschalter betätigen zu müssen und umgekehrt.

Das Objektiv, wie bereits gesagt, ist ein Wunder an Kompaktheit und IQ, die relative Lichtschwäche wird durch den Sensor ausgeglichen, der klaglos hohe ISO-Zahlen verträgt. Die Autofokus-Geschwindigkeit ist übrigens mehr als annehmbar, nicht ganz so schnell wie die Fuji X100s, aber mit der X Pro1 kann sie locker mithalten. Dann werden auch Gerüchte in die Welt gesetzt: Steve Huff (der sonst faire Reviews schreibt und bekanntermassen Leica-Freund ist) muss irgendein minderwertiges Exemplar haben, anders kann ich mir nicht erklären, dass er schreibt, bei schwindendem Licht „jage“ die Kamera ewig zum Fokussieren. Als ich den Autofokus Abends bei wenig Licht ausprobierte, war der (wenn überhaupt) nur wenig langsamer als bei Tage. Das deckt sich mit den Beobachtungen anderer.

An den beiden Tagen (genauer gesagt: ein Abend und der folgende Tag, dabei hatte ich noch wenig Zeit zum fotografieren), als ich die Kamera hier hatte, war das Wetter ausgesprochen schlecht, so dass ich keine schönen Beispieldateien vorweisen kann (Aber hier kann man sehr schöne Bilder sehen). Ich wollte die Kamera aber nicht für länger, da ich sonst in Versuchung gekommen wäre, sie ganz zu behalten...

Kein Unschärfebreich zu erzielen? Makro im Garten nach Sonnenuntergang

Leica X-Vario 46mm Brennweite  bei f/6.4   1/30sec    ISO 6400

Regen: Nichts los vor dem Eiscafé

Leica X-Vario 40mm Brennweite  bei f/5.8   1/60sec    ISO 125

Ich gestehe, ich war schwer in Versuchung, die X Vario zu behalten. Denn sie hat es, dieses „Leica-Feeling“, wenn man mit ihr hantiert. Das kann nur jemand nachvollziehen, der eine solche Kamera schon mal benutzt hat. Sicher keiner von den Casio-Keyboard Befürwortern...

Aber erstens habe mit der M schon eine superkompakte Kamera, auch wenn ich noch zwei Objektive mitnehmen muss, um die Brennweiten der Vario zu erreichen, zweitens fehlt mir doch nach wie vor bei solchen Kameras der Sucher.

In manchen Fotografen mag die Macht zwar stark sein, sie kommen ohne Sucher aus, aber nicht jeder ist zum Jedi-Ritter geboren. Ich brauche so ein Ding zum durchgucken, und zwar möglichst nicht elektronisch.

Drittens ist sie längst nicht so vielseitig wie meine M, für den kleinen Bereich, in dem ich sie einsetzen könnte, ist mein Verlangen nach der Kamera nicht ausgeprägt genug. Wieder ein Sieg über G.A.S. !!


Wer ist die Zielgruppe? Leute, die die hochwertige Verarbeitung zu schätzen wissen, die einfache Kontrollen lieben und dabei hohe Ansprüche an die Bildqualität haben. Sicher eine gute Reisekamera, der Brennweitenbereich deckt alles notwendige ab. Grossartig für Landschaft. Makro auch sehr schön.


Nichts für Leute, die oft bei wenig Licht fotografieren oder schnell bewegte Motive haben. Aber welche Kompakte ist für Letzteres überhaupt geeignet (ausser Oly OM-D E-M5 oder Fuji X100s vielleicht)?



Jetzt noch mein „Kummerkasten“:

Im Zusammenhang mit der unseligen Schmutzkampagne um die X-Vario habe ich ganz oft in den vitriol-getränkten Kommentaren gelesen: „Das ist nur was für Zahnärzte und Rechtsanwälte...“

Gelobt sei das Klischee, es wird nie untergehen.

Aber einen Stich gibt mir so was immer.

Ob man‘s glaubt oder nicht: Ich war schon Fotograf, bevor ich Zahnarzt wurde, und Menschen mit (relativ) gutem Einkommen sollen auch ausserhalb dieser Berufsgruppen vorkommen.

Mein Grossvater, der ebenfalls leidenschaftlicher Hobbyfotograf war, hat mir die Grundbegriffe mit Hilfe einer 6X9 Agfa-Laufbodenkamera von 1936 beigebracht, als ich etwa 11 war.

Er hätte gern eine Leica gehabt, aber die konnte er sich als als Bäckermeister mit grosser Familie nicht leisten (oder sagen wir: Rechtfertigen).


Das bringt mich auf noch ein Vorurteil (oder eine Art „Urban Legend“): Leicas werden in Boutique-artigen Shops angeboten, nur Leute mit einem gehörigen Überschuss an Einkommen können sich so etwas leisten. So gelesen bei Zack Arias, der alles von Fuji grossartig findet. „Fuji ist die neue Leica“ ist seine Devise. Nicht, dass er die Qualität von Kameras und Optiken anzweifelt, aber er behauptet, das ein Fotograf sich heutzutage eine Leica nicht mehr leisten kann, sie seien eben viel zu teuer, im Gegensatz zu früher, als alle mit einer M3 um die Häuser zogen...

Und das ist ein „critical error in judgement“. Denn wenn man Preise aus den 60er Jahren mit heute vergleicht, stellt man fest, dass die Kosten einer M3 mit Objektiv (etwa 1000-1500 DM, je nach Objektiv) fast die Hälfte des durchschnittlichen verfügbaren Jahreseinkommens ausmachte (!960 etwa 2439 DM, nach Berechnung des Bundesfinanzministeriums).

Heute liegen die Preise und Verhältnisse fast identisch! Da hat sich also gar nichts getan, ausser in der Wahrnehmung. Früher war es ein „Muß“ als Arbeitgerät für einen Fotografen, heute gibt es viele Alternativen.

Aber so was wird einfach frech behauptet und weitergegeben. Zumal es ja wohl ein Witz ist, professionelle Fotografen könnten sich keine Leica leisten. Die Frage ist höchstens, ob sie es wollen, bzw. für ihre speziellen Anforderungen gebrauchen können.


In dem Zusammenhang fiel es auch wieder: „I heard them called dentist cameras“ (Zitat: Zack Arias).

Verdammt noch mal, wie kann Leica eigentlich überleben, wenn sie nur für die paar Zahnärzte Kameras herstellen?

Wie dem auch sei: Wenn der Beruf mich qualifiziert, mit so einer Kamera zu fotografieren, bin ich froh, dass ich‘s geworden bin ;-))


Und zum Klischee (man merkt, ich leide wirklich darunter, was?): Mein „Country-Club“ ist die Kirchengemeinde von St. Stephan, ich fahre seltsamerweise keinen Porsche (sondern bin von Jugend an überzeugter Buli-Fahrer*), ich kann durch unsere kleine Stadt gehen und werde von allen freundlich gegrüsst (will sagen , habe keinen „abgezockt“). Und das ist meine Wirklichkeit.


Nur die Kamera ist meine Leidenschaft.


Sorry wegen der Jammerei (auf höchstem Niveau), ich will mich auch bessern ;-)


Kann sein, das es jetzt wirklich länger bis zum nächsten Blog-Beitrag dauert, es liegt in nächster Zeit auch nichts Besonderes an, Ferien sind noch etwas entfernt...ich muss mich jetzt um den neuen Kalender kümmern, die Buchhändler in unserer kleinen Stadt berichten mir, die ersten Anfragen seien schon eingegangen. September soll er in den Geschäften sein.

Sonnenuntergang in Valdorf

Leica M mit 28mm Elmarit. bei f/5.6   1/750sec    ISO 200

  1. *Ich wurde von mehreren gefragt, was denn genau unter einem „Buli“ zu verstehen sei. Mein Fehler, das als allgemeinen Sprachgebrauch anzusehen, muss wohl eher was ostwestfälisches sein. Bin ich wohl auf unser lokales Idiom reingefallen...

Wie dem auch sei, darunter versteht man hier einen VW-Transporter. Als Student schon fuhr ich meinen ersten (gebrauchten) T3, dann einen T4, heute ist ein T5 Familienkutsche. Das Ding ist einfach praktisch. Wie stand schon an Major Kottans Camaro: „Besser grosse Autos als kleine Panzer“ ;-)