Fiat Lux

 

Anwendung zusätzlicher Lichtquelllen

Sonntag, 17. November 2013

Burgruine Vlotho mit Licht „gemalt“

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/8.0   60sec    ISO 200

 
 

Wer schon mal auf meiner Webseite etwas herumgestöbert hat, wird bemerken, dass ich ein Faible für fotografieren bei Kunstlicht habe. In den Grossstädten, die ich besuche, versuche ich immer, auch einige Fotos bei Nacht zu machen, wenn Leuchtreklamen, Strassenlichter und beleuchtete Bauwerke die Szenerie, die vielleicht bei Tage sehr prosaisch aussieht, plötzlich in etwas Spektakuläres verwandeln.


Wenn nicht so viel Licht zur Verfügung steht, oder als ich bei der M9 noch auf jeden Fall bei ISO- Werten unter 800 bleiben wollte, sind oft Langzeitbelichtungen das Mittel der Wahl.

Mit der M kann ich jetzt ohne weiteres bis ISO 3200, in Einzelfällen bis 6400 gehen und aus der Hand Fotos machen, die früher nur mit Stativ machbar waren (siehe z.B. Paris-Bilder)


Aber egal mit welcher Kamera, will man bei Dunkelheit Bilder machen (von was auch immer), müssen schon ein paar Photonen herumschwirren...

In den Städten ist es taghell erleuchtet, aber was macht man auf dem Land?

Man bringt sich sein Licht selbst mit...

Aber anders als beim Blitzlicht kann man mit der richtigen Technik „sein“ Licht ganz anders und subtiler dosieren, wenn man sich ein paar grundsätzliche Dinge klarmacht.


Es gibt zwei mögliche Anwendungen:

  1. 1.Als Zusatzbeleuchtung, weil das Motiv sonst nur unvollständig ausgeleuchtet ist

  2. 2.Als alleinige Lichtquelle, weil‘s ansonsten stockfinster ist...


Zum festen Bestandteil meiner Fotoausrüstung gehört eine kleine LED-Lampe. Eigentlich habe ich sie dabei, wenn ich nachts durch unbeleuchtete Waldstücke muss, oder z.B. in verlassenen Häusern „herumgeistere“, kurz, weil ich nie weiß, wo ich mal plötzlich im dunkeln stehe. Sogar tagsüber.


Sogar diese kleine Lampe habe ich schon spontan benutzt, um bei Langzeitbelichtungen unbeleuchtete Teile des Bildes aufzuhellen.

Wenn ich aber, sagen wir mal, „geplant“ losziehe und vorher genau weiß, dass ich mehr Licht brauche, habe ich zwei weitere Lampen zur Auswahl, die unterschiedlich intensiv sind.

Die „Fenix E 21“ ist noch sehr handlich, hat aber schon eine ordentliche Reichweite. Brauche ich noch mehr, nehme ich die Ixon IQ Speed, die eigentlich meine Fahrradlampe ist, aber da sie eine Intensität vergleichbar mit einem Autoscheinwerfer hat, ist sie für „heavy duty“.

Die Filter benutze ich, um das kalte Licht der Lampen zu verändern. Meist nehme ich das Orangefilter, die resultierende Lichttemperatur ist angenehm warm.

Die Filter sind die, die ich sonst für Schwarzweissfotografie mit meiner M3 gebrauche.


Nun könnte man noch alles mögliche hinzufügen, Batterien von LED-Leuchten mit entspr. Power-Packs, Diffusoren u.s.w., aber dies widerspricht schon wieder meinem Anspruch, die Ausrüstung klein und handlich zu halten. Oft ergibt sich die Idee der Zusatzbeleuchtung bei mir auch spontan, dann bin ich froh, wenn ich einfach eine vernünftige Taschenlampe dabei habe. Ist das gegeben, muss man sich nur noch über die Methodik im Klaren sein.


Bei der Anwendung eigener Lichtquellen sind ein paar grundsätzliche Dinge zu beachten:


  1. 1.Bei Einsatz zusätzlich zum vorhandenen Licht die „Verhältnismässigkeit“ beachten, d.h., die angewendete Lichtmenge richtet sich nach dem bereits vorhandenen Licht. Es ist nicht immer notwendig, über die gesamte Belichtungszeit die betreffenden Bildanteile zu beleuchten.

  2. 2.Die Lichtmenge ist immer das Produkt aus der Intensität der Lampe und der Zeitdauer der Anwendung. Die Intensität der Strahlung nimmt im Verhältnis zur Entfernung quadratisch ab.

  3. 3.Je länger die Belichtungszeit und je kleiner die Blende ist, um so feinere Abstufungen sind mit dem Licht möglich. Das ist besonders gut anwendbar, wenn sowieso keine andere Lichtquelle da ist.

  4. 4.Aus dem vorhergehenden Punkt ergibt sich, das man möglichst mit niedrigen ISO-Werten arbeiten sollte, es gelten im Grunde die üblichen Regeln wie sonst auch bei Langzeitbelichtungen.


Hat man diese Zusammenhänge verstanden, kann man gezielt experimentieren, weil man weiß, welche Parameter man ändern muss, um die Belichtung, die man sich vorgestellt hat, zu erreichen.


Einige Beispiele, zunächst Bilder, bei denen Bildanteile „aufgehellt“ wurden:

Ardèche bei Salavas, an der Wehrkrone

Der Vordergrund des Bildes ist mit der kleinen LED-Lampe erhellt. Seit Lightroom 4 ist es möglich, die Lichttemperatur in separaten Bildanteilen mit Pinselwerkzeug oder graduiertem Filter unterschiedlich einzustellen, so dass das sonst kalte Licht der LED wärmer eingestellt werden kann. Also sind Farbfilter nur optional nötig.

Leica M9 mit 28mm Summicron bei f/4.0  32sec    ISO 160

Wanderweg zum Kloster Marienberg

Das Kloster wird zwar von vorne mehr als reichlich angestrahlt, aber die Seite, die dem kleinen Wanderweg zugewandt ist, liegt völlig im Dunkeln. Wald, Weg und Rückseite des Klosters sind mit der Fenix E 21 aufgehellt. Bei Schwarzweissfotos braucht man sich über die Lichtfarbe an sich keine Gedanken machen, es sei denn, man benutzt Farbfilter in Silver Efex.

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   42sec    ISO 400

Die zweite Kategorie sind die Gelegenheiten, bei denen das mitgebrachte Licht die einzige Lichtquelle ist. Naturgemäss werden die Szenerien wohl weniger weite Landschaften sein (wenn man nicht eine künstliche Sonne in der Tasche hat), sondern umschriebenere Areale.


Das Bild ganz oben am Anfang, von der Burgruine, ist schon relativ „groß“ angelegt. Das geht dann gut, wenn eine lange Belichtungszeit erlaubt (hier 60 Sekunden, so lange belichtet die M noch automatisch), genügend Licht in alle Bereiche des Motivs zu „verteilen“. Als Lichtquelle diente hier die Ixon IQ Speed mit Orange-Filter.

Wenn man mit der Lampe über das Motiv streicht, kann man bei genügend Belichtungszeit selber festlegen, welche Motivanteile mehr oder weniger Licht bekommen, welche Bildbereiche man im Dunkeln lässt und wie scharf die Übergänge sein sollen. Das kann man bei Blitzlicht nicht so gut steuern.


Übrigens ist es um der Plastizität des Bildes willen immer angeraten, sich mit dem Licht deutlich seitlich von der Kamera zu positionieren, evtl. sogar Gegenlicht zu erzeugen. Dieser Grundgedanke gilt genau so, wenn man statt LED beispielsweise ferngezündete Blitze anwendet.

Da ich für diese These noch Beispielfotos brauchte, habe ich mich gestern Abend zum Friedhof aufgemacht, der bei uns am Ende der Strasse liegt. Wenn also folgende Beispiele ein wenig düstere Stimmung bringen, soll dieser Effekt auch durch die angewandte Beleuchtung verstärkt werden.

Heute ist Volkstrauertag, da sind die Fotos nicht mal unpassend.

Kreuz

Lichtquelle (also ich mit der Ixon) befindet sich hinter dem Baum am rechten Bildrand, fast Gegenlicht.

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   60sec    ISO 200

Familiengruft

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   8sec    ISO 200

Bei diesem letzten Foto habe ich die Lampe mehr wie „Schlaglicht“ angewendet, eigentlich würde ein Blitz ähnliche Wirkung haben. Aber er muss ebenso Kamerafern eingesetzt werde.

Ich wollte diese scharfe Abgrenzung von Hell/Dunkel, im Sinne von Chiaroscuro. Der skelettartige Baum, der auf Figur und Hintergrund einen bizarren Schatten wirft, würde sonst nicht so hervorstechen. Daher auch die vergleichsweise kurze Belichtungszeit, viel „malen“ war hier nicht angesagt.

Man kann ja bei entsprechend Zeit sogar das Bild während der Belichtung nacheinander von verschiedenen Seiten beleuchten, das kann je nach Gegebenheiten sinnvoll sein, man könnte sogar die Filterfarben der Lampe wechseln, um mehrfarbige Komplementärschatten zu erzeugen.

Bei diesem Motiv aber ist jede Spannung weg, wenn man zu viel Licht ins Dunkel bringt.


Im übrigen möchte ich anmerken, dass es ein Kribbeln im Nacken erzeugt, bei völliger Dunkelheit auf einem Friedhof herum zu schleichen...


Das letzte Beispielbild bringt auch eine wenig düstere Stimmung, es gibt am Amthausberg am „Apothekerweg“ verwilderte Gärten, diese Tor ist noch ein Relikt davon.

Es ist wieder bei langer Belichtungszeit mehr gemalt als das vorige, aber ich bin links vom Bild mit der Lampe geblieben, damit Schatten bleiben.

The door into nothing

Ixon IQ Speed mit Orange-Filter

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/8.0   60sec    ISO 200

Die Anregung zu diesem Blog bekam ich zugegebenermassen, als vor kurzem auf Luminous Landscape ein Beitrag zu diesem Thema kam. Da ich eigentlich alle Varianten der Langzeitbelichtung bereits besprochen hatte, fiel mir auf, dass ich das noch nie erwähnt habe, obwohl ich mich dieses Mittels bereits seit Jahren bediene, darum auch Erfahrung damit habe und etwas dazu sagen kann.

Da jetzt eh‘ die dunklere Jahreszeit beginnt, holt sich vielleicht der eine oder andere hierdurch eine Anregung, selber kreativ tätig zu werden.


Damit aber dies nicht mit so düsteren Bildern zu Ende geht, kommt jetzt noch ein Foto aus der letzten Woche, als ich im Kurpark auf „Jagt“ nach Kalenderbildern war.

Linnenbeeke im Kurpark im Herbstlicht

Beleuchtung: Sonne (Sol, Fixstern, unsere Galaxie)

Leica M mit 28mm Summicron bei f/6.8  1/60sec    ISO 200