Ferienmusikwerkstatt

 

...und Barock‘n roll

Samstag, 03. August 2013

Iole verzweifelt, dazu Terzett....

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 2500

 
 

Seit über dreissig Jahren findet jedes Jahr wieder die „Ferienmusikwerkstatt“ auf dem Jugendhof Vlotho statt, eine Veranstaltung mit Kultcharakter.

Generationenübergreifend werden hier eine Woche lang alle möglichen Workshops durchgeführt, alle Arten von Musik werden einbezogen.

Seit einigen Jahren sind meine Kinder auch immer dabei und möchten die Woche nicht missen. Um (Professor) Peter Ausländer herum hat sich eine fast eingeschworene Gemeinschaft gebildet, der letzte Tag mit Vorführungen der Verschiedenen Gruppen wird geradezu „zelebriert“.

Am Ende steht immer eine Renaissance-oder Barockoper, die von allen zusammen (egal welchen Alters) einstudiert wird. Dieses Jahr stand L‘Erkole Amante (Der verliebte Herkules) von Francesco Cavalli auf dem Programm.

Schon den ganzen Nachmittag boten die Vorführungen der verschiedenen Gruppen dankbare Motive, aber die Oper, die meistens erst spät am Abend beginnt, ist immer ein fotografisches Highlight.


Es war ein heisser Sommertag, ein Freitag, und bei Aussentemperaturen von 37° Celsius war bei den vielen Menschen in den Vorführräumen- und Sälen schnell die 40°-Marke erreicht oder überschritten. Das tat der Motivation der Teilnehmer keinen Abbruch.

Wohl aber meiner, denn ich hatte schon einen recht intensiven Tag in der Praxis hinter mir (Anm.: Ich fange in einer „Frühdienstwoche“ um 7.00 Uhr morgens an), zumal ich meine Körpertemperatur lieber selbst reguliere, das wird bei den Temperaturen schon schwierig...

Trotzdem habe ich versucht, von allem etwas „mit zu nehmen“. Gleich am Anfang führen die Kinder immer ein Musical auf, diesmal war es ein selbstgeschriebenes Stück über einen Piratenschatz. Käpt‘n Jack (ich weiß nicht, der Name ist bei Piraten plötzlich so populär...) und sein Haufen segeln kreuz und quer durch die Weltmeere, um den Schatz aufzuspüren.

Am Ende stellt der leicht verblödete Jack fest, dass sie die ganze Zeit die alte Truhe seines Vaters gesucht haben, die er in seiner Kajüte aufbewahrt...

Ich finde das Stück ist voll aus dem Leben gegriffen!


Es war oft sehr eng, ich hatte nicht die Bewegungsfreiheit, die ich mir gewünscht hätte, aber schliesslich hatte ich auch keinen offiziellen Auftrag, also wollte ich mir selbst nicht so viel Stress machen, nur um öfter den Standort zu wechseln, oder näher heran zu kommen (mein Motto: Je näher, desto besser! Aber es muss auch von den Ausführenden tolerierbar sein).


Die M9 ist noch beim Customer Service, eigentlich müsste sie jetzt bald zurück sein. Da freut man sich, wenn man noch ein Pferd im Stall hat (und das kann auch mal umgekehrt sein), nämlich die M.


Wegen der Hitze (und der letzten Erkenntnisse über ISO-Verhalten bei der M9) beschloss ich, faul zu sein. Das heißt, ich stellt einfach Auto-ISO und Zeitautomatik ein und kümmerte mich (natürlich) nur um‘s Fokussieren.

ISO hatte ich auf maximal 3200 begrenzt, längste Belichtungszeit 1/125sec. Das die ISO-Zahl, die die Automatik einstellt, schwankt, je nachdem ob ich mit hellen Lichtquellen im Bild messe oder nicht, nahm ich in Kauf. Ich bediente mich dieser Tatsache sogar bewusst, indem ich manchmal die Belichtung auf einer besonders hellen Stelle mass, dann die Kamera auf das eigentliche Motiv bei halbgedrücktem Auslöser schwenkte und auslöste. Ich wusste, dass dann eine niedrige ISO-Zahl eingestellt wird, das Foto wird unterbelichtet. Getreu der im vorherigen Blog dargestellten Methode zog ich diese Bilder nachher in Lightroom wieder „hoch“. Ich habe noch keine verlässlichen Werte, ob und bei welchen ISO-Zahlen das bei der M effizient ist, aber es waren einige Bilder dabei, die bei ISO 400-800 lagen, die klaglos ohne nennenswerte Rauschentwicklung 3-4 Blendenstufen hochziehen vertrugen.

Aber wenn man einfach aufs Motiv hält und mittenbetont misst, liegen sowohl Belichtung als auch Weissabgleich nah dran. Was letzteres betrifft, finde ich wirklich, dass die M gerade bei gemischter Beleuchtung „einen guten Job“ macht. Jaaa, etwas korrigiere ich oft nach, aber nur, weil ich halt ein Erbsenzähler bin...

Eine S/W-Version der Bilder gibt es natürlich, aber bei den Farbenfrohen Kostümen der Kinder tut es mir ein bisschen um die Farbe leid, daher mehr davon in diesem Beitrag.

Warten auf die Oper

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/60sec    ISO 3200    (aus der Hand)

Amor wird noch schnell erkennungdienstlich behandelt..

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/12sec    ISO 3200    (aus der Hand)

Wie lange dauert‘s denn noch...?

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 2500  

Dann ging‘s endlich los! Die Handlung:


Der gealterte Herkules will sich nicht mehr mit seiner ebenso in die Jahre gekommenen Frau abgeben und sucht die Aufmerksamkeit von jungen Flittchen...

Alter Schwerenöter: Herkules, im Vordergrund seine Missachtete Frau....

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 2500 

Barock‘n Roll

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 2500 

Damit man sich vollends moralisch entrüsten kann, baggert er dann noch die Frau seines eigenen Sohnes (Hyllo) an, Iole, die hier den verständlicheren Namen Jule Hoppenstedt bekommt...

Er lässt also seinen eigenen Sohn aus dem Weg schaffen, um mit seiner Schwiegertochter anzubändeln, die nur mit Hilfe von Amors Pfeil willig gemacht werden kann, dem alten Widerling ins Netz zu gehen.

Überflüssig zu sagen, dass sich auch noch zwei Göttinnen jeweils auf eine Seite geschlagen haben, Juno und Venus.

Herkules wirft ein Auge auf Jule, geb. Hoppenstedt

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/2.4   1/125sec    ISO 1000


Hier wird Amor bedrängt, die arme Jule gefügig zu machen. Venus redet gut zu.

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/2.4   1/125sec    ISO 1000

Dann muss noch einer über die Klinge springen, das ist Eutyro, Jules Vater, hier der Verständlichkeit halber als Opa Hoppenstedt bezeichnet...

Opa Hoppenstedt ist nämlich mit der Entwicklung der Dinge überhaupt nicht einverstanden, er ist sozusagen mit der Gesamtsituation unzufrieden...


Opa Hoppenstedt ist merklich angesäuert.

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/2.4   1/90sec    ISO 3200  

Aber Opa Hoppenstedt gibt nicht auf! Obwohl schmählich gemeuchelt, steht er als Geist wieder auf, ruft eine Zombieversammlung zur Hilfe (inwieweit dies dem klassischen Libretto entspricht, sei dahingestellt) und fertigt ein magisches Kleidungsstück an, das wiederum dem Herkules den Rest geben soll.


Jule kann‘s nicht fassen: The night of the living dead...

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 2500

The night of the living dead...mittendrin Opa Hoppenstedt

Fand ich so Klasse, dass ich ein paar Bilder mehr davon zeige...

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 2500 

Hallo, eiskaltes Händchen...


Rache ist Blutwurst: Zieh das dem Herkules mal an...,“das Nesselhemd“

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 2500 

Dann tritt Neptun (der sehr psychedelisch wirkt und wie eine Mischung aus Lady Gaga und den Bay City Rollers erscheint) in Erscheinung, der schon mal Hyllo, der ins Meer geworfen wurde, zurückgibt. Neptun findet, dass er nicht jeden Schrott behalten muss, der im Meer landet. Wenn das nur heute auch noch so wäre...

„Hier, halt mal, Nixe.“ Neptun tritt auf und hat eine Retoure...

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/2.4   1/125sec    ISO 620   (Bild 1,5 Blenden hochgezogen)

Da, den kannst du behalten. Komm, Nixe, wir gehen (surfen?).

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/2.4   1/90sec    ISO 320   (Bild 2 Blenden hochgezogen)

Ich bin dann mal weg („wech“, auf ostwestfälisch ausgesprochen)

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/2.4   1/90sec    ISO 320   (Bild 2 Blenden hochgezogen)

Jule, von alledem vollends traumatisiert, zieht nun dem Bigamisten Herkules das tödliche Gewand an (das „Nesselhemd“), worauf dieser planmässig den Löffel abgibt.

Die echte Oper von Cavalli ist schon damals mit Tanzeinlagen von Jean-Baptiste Lully aufgepeppt worden, weil Ludwig XIV. italienische Opern zum kotzen fand.

Jetzt wurde, ebenfalls im alten Stil, eine Pavane getanzt, sehr schön anzusehen und sehr feierlich!

Pavane

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/90sec    ISO 3200 

Pavane

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/90sec    ISO 3200

Nachdem nun eigentlich Herkules bekommen hat, was er verdient, ist das Venus überhaupt nicht recht. Wie im richtigen Leben lässt sie ihre Beziehungen spielen und flugs treffen sich alle Götter im Olymp und beraten, ob der Hallodri nicht evtl. Unsterblichkeit erlangen könne und fortan im Olymp residiere.

Die Abstimmung findet in nicht geheimer Wahl statt.


Skandalöserweise wird der Spätpubertierer mit Unsterblichkeit belohnt! Kein Wunder, dass man vom Olymp heutzutage nicht mehr so viel hört, bei der Moral...oder halt mal: Ist das nicht eigentlich auch heute noch unser täglich Brot? Für anständiges Verhalten bekommt man einen Tritt in den Allerwertesten, das Gegenteil beschert einem Reichtum und Ansehen...gar Unsterblichkeit?

Göttervollversammlung

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/90sec    ISO 3200 

Neptun zu Venus: „Ich will den Pappkopp hier nicht sehen!“

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 500   (2 Blenden hochgezogen)

Und ihr? Seid ihr etwa dafür?

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 2500

Das war sie dann, die etwas eigenwillig inszenierte Oper „L‘Erkole amante“, und es gab tosenden Applaus...

Ein bunter Haufen, darum heute kein Schwarzweiss

Leica M mit 35mm Summilux asph. bei f/1.4   1/125sec    ISO 1600

Woher nun der Froschkönig kam, den Jule da in der Hand hält, kann ich beim besten Willen nicht sagen, ich habe sowieso das Gefühl, dass bei dem neuen Libretto nicht alles mit rechten Dingen zuging. Vielleicht ist es darauf zurückzuführen, dass beim Überarbeiten in den lauen Sommernächten auf dem Jugendhof die eine oder andere Flasche Rotwein geleert wurde...


Auch diese Nacht war dann noch lange nicht zu ende. Bis in die frühen Morgenstunden wurde Abschied gefeiert, immer mit dem Blick auf‘s nächste Jahr.


Ich war „fertig mit der Bereifung“, nach so einem heissen Tag wollte ich nur noch ins Bett.

Aber das Aussortieren und Bearbeiten der 500 Fotos (vom ganzen Nachmittag) am nächsten Morgen ging ganz schnell, denn auch darin ist eine gewisse Methodik hilfreich. Darüber müsste ich eigentlich mal einen eigenen Blog-Beitrag schreiben.

Dann habe ich noch diese Seite aus dem Ärmel geschüttelt...


Jetzt sind erst mal Ferien!

Pavane

Leica M mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   1/90sec    ISO 3200