Expose to the Right

 

Blick vom Ruschberg

M9 mit 21mm Super-Elmar Asph. bei f/3.4  1/1500sec  ISO 160

Im Augenblick die typische Wetterlage...

Im letzten Blog-Beitrag hatte ich kurz über den Grundsatz „expose to the right“ gesprochen. Die ist eine der wichtigsten Regeln der digitalen Fotografie. Wendet man sie an, stellt man damit sicher, dass die höchstmögliche Dynamik des jeweiligen Kamerasensors auch ausgenutzt wird.


Um dem gerecht zu werden, muss man bei der Aufnahme ein Auge auf das Histogramm des Bildes haben. Ziel ist, die Helligkeitswerte im oberen Drittel zu haben, dabei aber die Highlights zu schonen. Auf keinen Fall dürfen die Werte im rechten Rand „verschwinden“, dann hat man dort alle Bildinformation verloren.

Obiges Histogramm ist ein Beispiel für ein „Belichtungsproblem“. Die Werte verschwinden im rechten Bildrand, „ausgebrannte“ Bildbereiche sind die Folge. Aber dazu verschwinden sie auch im linken Rand! Das bedeutet, wir haben im gleichen Bild auch viel zu dunkle Teile, die, wollte man sie bei der Bildbearbeitung heller machen, erhebliches Rauschen zeigen würden.

Wer Histogramme lesen kann, erkennt hier, ohne das eigentliche Foto zu sehen, dass es sich um eine Szene von hoher Dynamik handelt. Zu hoch für den Kamerasensor.

Wollte man das Foto dennoch machen, muss man sich entscheiden, ob man die Höhen oder die Tiefen schonen will.

Ein anderer „Workaround“ wäre, eine Belichtungsreihe zu machen und ein HDR-Foto zu erstellen.


Um es gleich klarzustellen: Das „typische“ oder „ideale“ Histogramm gibt es nicht. Aber als Fotograf muss man entscheiden, welche Bildanteile für die Bildaussage wichtig sind und wie die entsprechend belichtet werden sollen. Jemand, der weiß, was er tut, kann jederzeit von der hier beschriebenen Regel abweichen, genauso wie Komponisten sich nicht an Kompsitionsregeln halten müssen, um ihre Musik zu realisieren.


Trotzdem habe ich hier ein Beispiel herausgesucht, an dem man eine Vorstellung bekommen soll, wie man bei der Bildbearbeitung mit dem Histogramm umgehen sollte, wenn es das Bild „hergibt“.

Zunächst das unbearbeitete Rohdatenbild (RAW) aus der Kamera mit dem zugehörigen Histogramm:

Das Übergewicht der Bildinformationen ist im rechten Bereich, Die „Highlights“ sind so gerade erhalten.

Übrigens: Fast alle Kameras zeigen die Histogramme der in der Kamera erzeugten JPG‘s an. Da diese keine so hohe Dynamik haben, zeigen die Kamerainternen Histogramme oft ausgebrannte Highlights an, die aber in der RAW-Datei in Wirklichkeit erhalten sind.

In Lightroom klicke ich oft zunächst auf „Automatische Einstellung“, das Programm macht dann schon mal einen Vorschlag zur Einstellung, der oft ein guter Ausgangspunkt ist. So auch hier:

Wie man sieht, sind die Bildinformationen schon mehr in die Mitte gerückt, die Belichtung nach unten korrigiert, ganz klar, denn im Grunde ist ein korrekt belichteter digitaler Sensor überbelichtet!

Jetzt sieht das Foto allerdings noch recht langweilig aus, es fehlt noch allerhand, was bei einem RAW-Bild noch eingestellt werden muss (was bei einem Kamera-JPG-Bild bereits in der Kamera passiert).

Bei diesem Bild sind natürlich die Highlights hauptsächlich in den Wolken. Um die Wolkenstruktur besser herauszustellen, unterdrücke ich die Highlights hier total (das sollte man nicht immer tun! Die Bilder werden sonst evtl. „stumpf“)

Jetzt wird das ganze Bild zu dunkel. Das muss natürlich wieder ausgeglichen werden.

Dazu werden die Tiefen und Weiss „angehoben“, der Schwarzpunkt ein wenig korrigiert:

Schon ganz nett, aber einiges fehlt noch. Zunächst füge ich ganz gerne eine Vignette dazu, das bedeutet, ich dunkle die Bildecken ab. Das hat natürlich auf die Helligkeit des ganzen Bildes Einfluss, es kann sein, dass man anschliessend die Belichtung noch mal nach oben korrigieren muss. Hier auch. Zugleich aber bekommt das Histogramm deutlichen Zuwachs in den Luminanzwerten, was durchaus erwünscht ist. Die Farben werden intensiver, ohne dass man irgendetwas an der Sättigung „dreht“.

Aber etwas ganz Wichtiges fehlt noch! Der Weissabgleich! Jede Kamera macht das anders, meine M9 neigt dazu, bei Sonnenschein eher zu „kalt“ einzustellen und Landschaft von der Tönung zu grün.

Dazu noch ein paar letzte „Pinselstriche“: Die Klarheit, das ist der Mikrokontrast, wird (etwas!) erhöht, und die Dynamik der Farben ebenso.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Leica M9, 28mm Summicron asph. f/3.4  1/1000sec  ISO 160

An den Weserteichen. Übrigens: Das Bild habe ich hoch über meinem Kopf mit ausgestrecktem Armen gemacht, denn die Vegetation ist dort zur Zeit mannshoch. Ich konnte also gar nicht durch den Sucher gucken, und Live-View hat die M9 ja nicht...ich habe also die Kamera ungefähr so geneigt, dass ich glaubte, den richtigen Bildausschnitt zu haben. Focus auf unendlich, Blende vorgewählt, Belichtungskorrektur +1/3. Die dritte Aufnahme war diese, da war ich mit der Komposition zufrieden. Sonst hätte ich mich an der Stelle auf eine Leiter stellen müssen...

Fertig!

Und genauso war es letzte Woche an den Weserteichen, sonnig,  schwülwarm und farbenfroh.

Denn das eigentliche Rohdatenbild der Kamera gibt die Szene natürlich nicht so wieder, wie sie das menschliche Auge sah.

Ich habe hier aber nur einen kleinen Teil des Potentials ausgenutzt, den ein Programm wie Lightroom bietet. Man hat noch wesentlich mehr Kontrollen, vor allem über selektive Bildbereiche, denn alles, was ich hier bei diesem Beispiel gemacht habe, waren nur globale Änderungen.

Aber ich kann hier auch nicht die ganze Komplexität zeigen, dass füllt Stunden bei YouTube.

Ich wollte vielmehr verdeutlichen, wie ein Histogramm beurteilt wird. Wer dies vertiefen will, sollte unbedingt die beiden folgenden Essays von Marcel Reichmann lesen. Sie sind hier und hier.


Übrigens: Falls jemand die Bilder auf meiner Webseite als sehr hell empfindet, sollte er sich über die Einstellung seines Monitors Gedanken machen, viele sind zu hell eingestellt. Denn alle meine Bilder sind von den Helligkeitswerten für die Darstellung auf einem kalibrierten Monitor optimiert.


Wie man sieht, mache ich auch noch Landschaftsbilder, ich sammele immer potentielle Kalenderbilder. Dieses werde ich wohl eher nicht nehmen, denn ich hatte ein Ähnliches schon im Kalender letzten Jahres. Aber die Auswahl ist noch nicht getroffen...

(Eine andere Möglichkeit wäre, an dieser Stelle einen graduierten Filter über den Himmel zu legen und darin Highlights zurückzunehmen, vielleicht Kontrast und Klarheit etwas zu steigern. Aber ich wollte hier bei globalen Änderungen bleiben, weil es sonst zu unübersichtlich wird. Auch ist hier nicht Thema, die Finessen der Bildbearbeitung bis ins Einzelne zu zeigen.

Wichtig ist mir an dieser Stelle anzumerken, dass man mit verschiedenen Ansätzen das gleiche, oder ein sehr ähnliche Ergebnis erreicht.)