Was liegt so an?

 

Event-Fotographie

Über dieses Wort bin ich früher öfter gestolpert, bis mir klar wurde, dass hier ein eigenes Genre, so wie Landschafts-Fotographie, gemeint ist.

Mit dieser Erkenntnis konnte ich aber auch gleich konstatieren, dass ich bereits einiges von dieser Disziplin abgedeckt habe.

Natürlich fotografiere ich dauernd „Events“, das sind z.B. dass „Korea Konzert“ im letzten Jahr, die Kindermusicals von St. Stephan, fotografieren beim Hafenfest, Brückenmarkt, Adventsmarkt. Oder im letzten Herbst fragte mich ein Freund, ob ich Fotos bei der abendlichen Feier mit Musik und Tanz anlässlich seines Firmenjubiläums machen könnte. Das machte ich dann auch ausschliesslich mit der Fuji X100. Amüsant waren die Kommentare wie: „Guck mal, der Fotograf mit dieser uralten Kamera...“ (!!!)

Zuletzt (letztes Wochenende) war die Aufführung der privaten Musikschule Katharina Ehlenbröker mit allen Schülern als Orchester, die Themen aus dem „Nussknacker“ von Tschaikovsky einstudiert hatten. Dazu (s.o.) wurde getanzt. Ein sehr schönes Ereignis. Ich war gebeten worden, die Veranstaltung „fototechnisch“ zu dokumentieren.


Dort kam ich auf die Idee, dass es eigentlich eine gute Sache wäre, einmal über die speziellen Erfordernisse bei solchen Anlässen zu schreiben.


1.Kenntnis der Örtlichkeit

Falls man den Veranstaltungsort nicht kennt, sollte man unbedingt entweder Tage vorher, oder früh vor Beginn dort sein um sich mit geeigneten Standorten, Bewegungsmöglichkeiten vertraut zu machen. Wie viel man sich während einer Veranstaltung bewegt, unbedingt mit den Verantwortlichen absprechen. Eine Autorisierung zum Standortwechsel erleichtert die Arbeit, auch falls man einmal Andere bitten muss, für eine bestimmte Einstellung kurz zur Seite zu treten oder sich zu ducken...man hat sozusagen den offiziellen Auftrag und kann so unangefochten seinen Job machen (siehe aber weiter unten den Punkt „Diskretion“).


  1. 2.Auswahl der Ausrüstung und Einstellung nach den örtlichen Gegebenheiten.

Die zu erwartenden Lichtverhältnisse hat man ebenfalls bei der Standortinspektion abgecheckt und sucht die passenden Objektive aus, macht sich auch schon mal Gedanken zur Einstellung der Kamera. Letztes Wochenende z.B. war der Saal extrem schlecht beleuchtet (gefühlte 25Watt-Birnen, absolut „funzelig“), ISO auf Automatik war ganz klar nötig (viele Bilder wären denn auch ohne ISO 1250 nichts geworden), Belichtungskorrektur auf +1/3 oder +2/3, um Schattenbereiche nicht zu verrauscht zu bekommen. Dabei lieber mal eine „ausgebrannte“ Lampe im Bild...

Brennweiten abhängig von der zu erwartenden Motiventfernung. Wenn viel Bewegung zu erwarten ist, lange Brennweiten vermeiden, lieber näher ans Motiv gehen. Wenn das nicht möglich ist, viel Glück....


  1. 3.Diskretion

Auch als „Autorisierter Event-Fotograf“ sollte man noch ein wenig Feingefühl für die Veranstaltung aufbringen. Nicht gerade während Solo-, oder Piano-Passagen des Orchesters herumlaufen oder laut auslösen.

Dann mein Lieblingsthema: Blitzen...neben einem lauten Auslösegeräusch wohl die nervigste Nebenerscheinung. Als wir den „Messias“ aufführten, saß in der Reihe vor den Solisten die „Presse“, die tatsächlich während der Gesangssoli im Konzert Fotos aus nächster Nähe mit Blitz machte, also den Solisten direkt in die Augen blitzte. Ob solcher Unsensibilität blieb mir echt die Spucke weg....

Dabei (mein ständiges Reden) braucht man selbst bei nicht so tollen Kameras bei vernünftiger Einstellung nicht unbedingt den Blitz. Nichts grundsätzlich dagegen, aber wenn man schon blitzen muss, dann wenigstens als Aufhellblitz fein dosiert, die andern Bilder sehen sowieso sch... aus.


Ähnlich war es auch am Wochenende: Die Presse hüpfte um das Orchester herum und blitzte fröhlich drauf los...dazu kam noch der Blödsinn, dass sie (es waren zwei) diese lächerlichen Aufklappblitze der Kameras benutzten, die gar nicht in der Lage waren, den Saal zu erhellen, so dass nichts dabei herauskam. Sie wollten z.B. die Bühne mit den Tänzern fotografieren (die für sich hell genug war), das Ergebnis waren einige Musiker im Vordergrund im Kegel des Blitzlichts und die unterbelichtete Bühne...unbrauchbar. Die Leute sind so auf ihre Automatiken fixiert, dass sie nicht in der Lage sind,  sich den Erfordernissen durch kreative Kameraeinstellung anzupassen. Das finde ich besonders bei Fotoreportern bedauernswert, denn auch wenn deren Aufgabe ist, einen guten Artikel zu schreiben, sollte man doch das Fotografieren als Teil des Handwerks beherrschen. Man muss nicht Henry Cartier-Bresson sein, um mal die Tyrannei der Kameraautomatik zu verlassen.


Dann die Geräusche der Kamera: Natürlich ist die übliche Kamera bei einem Reporter eine Spiegelreflex. Das ist schon laut beim Auslösen. Speziell bei musikalischen Veranstaltungen (ausser bei Rock-Konzerten...) eigentlich absolut störend und daher nicht angebracht, mehr als ein paar notwendige Fotos für die Berichterstattung zu machen. Aber alle nicht notwendigen Geräusche sollte man wohl unterbinden. Bei eben jenem Konzert am Wochenende aber kam noch dazu, dass die beiden lustig ratternden DSLR‘s auch noch jedem in Hörweite triumphierend mitteilen mussten, wenn sie nun auf etwas fokussiert hatten --„PIEP“!

Als ich einen der beiden darauf ansprach, teilte der mir durchaus peinlich berührt mit, er wisse nicht, wo man das abstelle. Halb hielt er mir schon die Kamera hin, mir war es dann aber zu blöd, mich so lehrmeisterlich aufzuführen (denn es war eine Canon, deren Menü ich aus dem FF kenne, ich hätte das Piepen sofort abstellen können). Im übrigen war es gerade mitten in einem wichtigen Teil des Konzertes und ich wollte deswegen keine Fotos verlieren.

Jetzt möchte ich aber doch nicht den Eindruck erwecken, dass ich alle Zeitungsreporter für Dilettanten halte, es gibt sehr gute Fotografen unter ihnen, nur scheint die Sachkenntnis, was fotografieren betrifft, nicht unbedingt Teil der Ausbildung zu sein, bzw. wird wohl nur sehr stiefmütterlich behandelt.


Aber selbst meine M9, die nur „Klick“ macht, kann schon stören, und darüber muss sich ein Fotograf im Klaren sein. Meine Frau saß mal  bei einem Kindermusical neben mir und war durchaus genervt vom klicken...aber wenigstens betrifft das dann nicht den ganzen Saal.

Aber wenn absolute Diskretion in dieser Hinsicht verlangt wird: Die Fuji X100 hat von allen Kameras mit guter bis sehr guter Bildqualität wohl das leiseste Auslösegeräusch der Welt. Man kann nämlich alle künstlichen (elektronischen) Zwitscher- und Pieptöne abstellen und was dann übrig bleibt, ist selbst für den Fotografen kaum zu vernehmen. Ich habe schon manchmal die Bildrückschau betätigt, um mich zu überzeugen, dass ich wirklich ein Bild gemacht habe...


Der letzte Punkt ist sehr lang geraten, musste aber alles gesagt werden. Eine gewisse „Etikette“ sollte gewahrt werden, wenn ich auch der erste bin, der auch Zugeständnisse an den Fotografen einfordert, um bestimmte Bilder möglich zu machen.


Ich habe lange überlegt, ob ich Fotos vom Wochenende zeige. Da es eine öffentliche Veranstaltung war und eben sogar die Presse zugegen war, denke ich, es ist in Ordnung, zumindest ein paar Bilder zu verwenden, zumal ich das auch als Werbung für die Musikschule sehe.

Event-Fotographie: Tanzszene bei einer Probe für den „Nussknacker“ von Tschaikovsky

M9 mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4  1/90sec  ISO 160

Diese Fotos sind nur ein paar Beispiele von ca. 300 Fotos, die ich bei dieser Gelegenheit gemacht habe. Rein qualitativ (unscharf, verwackelt) habe ich wenig Ausschuss, aber vieles wiederholt sich und ich suche dann die besten Einstellungen aus, der Rest wird zwar nicht gelöscht, aber eben nicht verwendet.

Ich habe fast alle Objektive gebrauchen können, am meisten das 50mm Summilux, aber auch das 35mm Summilux (obwohl jetzt bei den Fotobeispielen oben gar keins von dem Objektiv darunter ist).

Das 75mm Apo-Summicron war gut, weil ich nicht immer so nah herankam, genauso das 90mm Summarit, aber die längeren Brennweiten sind bei dem schlechten Licht sehr schwer zu fokussieren und Bewegungsunschärfe droht auch wegen der trotz hoher ISO-Zahl langen Belichtungszeiten. Dann muss man im richtigen Augenblick auslösen...

Kurze Brennweiten machen die Sache leichter, aber dann muss man auch nah dran sein. Dabei ist bei schlechten Lichtverhältnissen wohl das 35er Summilux den anderen, selbst meinem so geschätzten 28mm Summicron, überlegen (wegen des zusätzlichen Vorteils der Lichtstärke).


Fazit: Wichtig ist die Kenntnis der eigenen Ausrüstung, es muss nicht eine High-End-Kamera sein, man muss aber einschätzen können, was man mit seinen Möglichkeiten erreichen kann und sich ggf. entsprechend anpassen. Beizeiten mit manuellen Einstellmöglichkeiten der eigenen Kamera vertraut zu sein kann auch nicht schaden.


Demnächst möchte ich unbedingt etwas zu den neuen Möglichkeiten schreiben, die sich durch Lightroom 4 beta erschliessen. Diese neue Programmversion ist vor drei Wochen erschienen und schöpft die Dynamik, die in Raw-Bildern steckt, noch mehr aus und macht damit die Empfehlung, Rohdaten zu verwenden, noch eindeutiger, da man sonst viel Potential verschenkt.

Probe

M9 mit 75mm Apo-Summicron bei f/2.0  1/90sec  ISO1000

Um während des Konzertes nicht so zu stören, ist es ebenfalls ein guter Tipp, schon bei den Proben einen Teil der Aufnahmen zu machen. Manches sieht beim Konzert auch nicht anders aus.

Celli

M9 mit 75mm Apo-Summicron bei f/2.0  1/45sec  ISO1250

Violinchen

M9 mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4  1/60sec  ISO 640

Tanz

M9 mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4  1/90sec  ISO 160

Fagott

M9 mit 75mm Apo-Summicron bei f/2.0  1/30sec  ISO1250

Tanz

M9 mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4  1/60sec  ISO 160

Beim Stimmen

M9 mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4  1/60sec  ISO 800

Freitag, 27. Januar 2012