Die Nemesis der DSLR‘s

 

Die Fuji Finepix X-Pro1

Als Fuji die X-Pro1 (nachdem Gerüchte darüber  bereits im September letzten Jahres durchgesickert waren) im Januar dieses Jahres offiziell ankündigte, war mir sofort klar, dass ich diese Kamera als ideales Backup für die M9 nehmen könnte, denn es wird einen M-Objektiv-Adapter dafür (im Juni) geben.

Da ich sie sofort vorbestellte, bekam ich sie als einer der ersten auf dem Deutschen Markt. Ähnlich wie vorher bei der X100 hat man zur Zeit mindestens 6 Wochen Lieferzeit, wenn man jetzt ordert.


Die X-Pro1 ist die konsequente Weiterführung der X100 als eine Systemkamera. Fuji hat viel aus den Schwächen der X100 gelernt und bei der X-Pro1 verbessert.

Vor Sonnenaufgang an den Weserteichen, Aufnahme am 20.04.2012

X-Pro1 mit Fujinon 35mm bei f/6.4  1/110sec  ISO 400

Ich bin gespannt, was Leica -Glass vor diesem Sensor vermag...


Für jeden Fotografen ist eines an der Fuji auch ein Plus: Sie hat für alle entscheidenden Kameraeinstellungen noch (oder wieder?) richtige Kontrollen. Also Blendenring, Einstellräder für die Verschlusszeit und die Belichtungskorrektur. Die Ergonomie ist klar bei Leica abgeguckt, aber was soll‘s: Die Kameraindustrie müsste sich noch viel mehr auch von der Fuji abgucken. Die Sony Nex-Kameras oder die Modernen DSLR‘s sind wie Computer und für manche einfache Einstellung muss man sich durch diverse Menüs ackern...

Fuji hat es wieder richtig gemacht und die Fachwelt bestätigt es: Man will „richtige“ Kameras, keine kleinen „Daddelkisten“ (dann kann man ja auch das iPhone nehmen), sogar die Bildqualität ist nicht das Hauptargument.

Aber Fuji hat auch Erfahrung, die X100 und die X-Pro1 kommen nicht aus dem luftleeren Raum, sondern es dürften einige Senior-Designer die Hand im Spiel gehabt haben. Fuji hat z.B. mit Hasselblad Kameras gebaut (und die haben hohe Ansprüche, dafür waren Zeiss, Nikon und Canon nicht gut genug) oder die sogenannten “Texas-Leicas“, das waren analoge Messsucher-Mittelformat-Kameras, die bei den Profis sehr geschätzt waren.

Es gibt ein paar Dinge, die sind an der X-Pro1 noch nervig: Z.B. stellt sich trotz am Ring fest vorgewählter Blende diese ständig nach Lichteinfall automatisch um, was ein insektenhaftes „klickern“ erzeugt. Dadurch wird die sonst sehr leise Kamera (man kann alle Pieps- und Zwitschertöne abstellen...) in stillen Umgebungen auffällig. Da sich alle darüber aufregen, braucht man wohl nur das nächste Firmware-Update abwarten, dann wird das bestimmt gerichtet.

Bei der X100 waren am Anfang jede Menge solcher Sachen, dagegen ist es jetzt harmlos.


Sehr wahrscheinlich werden einige DSLR-Benutzer ins Sucher-Kamera-Lager überlaufen. Z. B. hatte ich eine Anfrage von einer Mitarbeiterin in dem grossen Fotogeschäft, wo ich die Fuji vorbestellt hatte, sie fragte mich nach meinen persönlichen Erfahrungen mit der Kamera. Nachdem ich Ihr das mitgeteilt und ein paar Beispielbilder gemailt hatte, sagte sie, sie hätte sich jetzt auch eine bestellt, da sie es leid sei, sich mit einer dicken Spiegelreflex und schweren Objektiven abzuschleppen.

Nikon und Canon sollten aus dem Dornröschenschlaf aufwachen. Sie sollten sich von der Konkurrenz nicht ihren Markt streitig machen lassen, aber sie scheinen zu glauben, dass sie sich sonst ihren eigenen DSLR-Verkauf schädigen, wenn sie solche Kameras bauen. Klüger wäre aber wohl, das nicht anderen zu überlassen...

Canon verärgert die Fachwelt im Augenblick mit der 5D Mark III. Der Sensor scheint nur marginal (wenn überhaupt) besser zu sein als bei der Mark II, zudem ist die Mark III über 1000 Euro teurer als das Vorgängermodell. Fazit: Mark II behalten, Geld sparen. „Upgraden“ lohnt sich für den Profi nicht. Pech für Canon, aber vielleicht brauchen die das mal zum Aufwachen.

Nikon hat dagegen schon etwas aufgepasst: Es ist doch interessant,  dass es die D800 jetzt auch ohne AA-Filter gibt. Das haben sie dann offensichtlich bei Leica und Fuji gelernt, dass man darauf gut verzichten kann. Der neue Sensor der D800 führt zur Zeit die Phalanx bei DxO-Mark an: Kein anderer Sensor hat je diese Werte erreicht. Mit 36MP stellt die Kamera Mittelformat in den Schatten.


Wenn ich noch mal eine Spiegelreflex haben wollte, wäre meine Wahl jetzt klar die Nikon. Will ich aber nicht. Bin froh über meine kleinen Kameras. Und nebenbei: Wer braucht schon 36MP? Sicher, wenn man Bilder in der Grösse 6X2m ausdrucken will...

Aber gut, mehr Auflösung kann ja auch nicht schaden. Das geht wohl so weiter. Die zukünftige M10 mag auch mehr als 18MP (hat jetzt die M9) haben, wenn ich auch nicht glaube, dass es 36MP werden. Die soll nach Gerüchten (Leica-Rumors) aber nicht am 10. Mai in Berlin, sondern auf der nächsten Photokina im Herbst angekündigt werden. Im Mai sollen eine neue X2 (Nachfolger der X1) und eine Schwarzweiss-Leica vorgestellt werden. Man wird sehen.


Jedenfalls war die X100 noch für eine „Nische“ gedacht, aber die X-Pro1 wird diesen kleinen Raum deutlich vergrössern, weil sie als System deutlich mehr Fotobegeisterte anspricht.

Ich bin also froh, sie zu meinem Equipment zu zählen, für bestimmte Einsatzbereiche ist sie meine Kamera der Wahl.

Aber meine M9 würde ich niemals dafür hergeben.

In der Fachwelt werden z.Zt. drei Kameras heftig diskutiert: Die Nikon D800e, Die Canon Eos 5D Mark III und eben die Fuji X-Pro1.

Die X-Pro1 drückt mit Ihrer Bildqualität fast alles an die Wand. Sie lässt mit ihrem 16MP APS-C Sensor alle Spiegelreflexkameras hinter sich, erst die High-End Modelle im Vollformatbereich können Ihr das Wasser reichen.

Dies soll kein Review werden, darum gehe ich nicht zu sehr ins Einzelne. Die Hauptgründe für die IQ (Image-Quality) sind:


  1. 1.Neue Sensortechnologie

  2. 2.Kein AA-Filter (Moirè-Filter)

  3. 3.Extrem gutes Fujinon 35mm-Objektiv (aber auch die beiden anderen Objektive, die es zum Einstieg von Fuji gibt, sind Sonderklasse)


Inzwischen gibt es einige Reviews online und die Fachwelt ist sich einig: Das „Pro“ im Namen ist verdient, sie ist auch für professionelle Fotografen ernsthaft in die Wahl als Arbeitsgerät zu ziehen.


Ich selbst habe bereits einige „Testaufnahmen“ gemacht und bin mit der „Performance“ mehr als zufrieden. Wer die X100 kennt, braucht (fast) keine Bedienungsanleitung. Sie kann für mich wirklich nicht nur Backup, sondern sinnvolle Ergänzung zur M9 sein, da sie ja Autofokus hat und mit dem 35mm f/1.4 Objektiv selbst bei ISO 6400 noch absolut brauchbare Bilder macht, das heisst, weniger als Kerzenlicht reicht aus.

Aber: Es ist nicht der M9-Killer, wie manche bereits behauptet haben. Trotz manuellem Fokus kann ich in vielen (oder gerade in wechselnden) Belichtungssituationen meine M9 besser und schneller bedienen. Dazu ist die Bildqualität (nicht nur wg. der höheren Auflösung) noch deutlich besser! Nur eben bei hohen ISO-Werten ist dann Schluss...

Das alles wird aber auch im Web berichtet. Wenn man z.B. ein Review von Sean Reid liest, bekommt man  absolut objektive Informationen. Das ist die zuverlässigste Informationsquelle online.

Mit der X-Pro1 kann ich auch mal wieder die eine oder andere Makro-Aufnahme machen...

X-Pro1 mit Fujinon 35mm bei f/2.0  1/1400sec  ISO 200

Meine Lieblings-Location wird wohl bald hinüber sein...verfällt immer mehr

X-Pro1 mit Fujinon 35mm bei f/1.4  1/100sec  ISO 400

Graffitti

X-Pro1 mit Fujinon 35mm bei f/4.0  1/50sec  ISO 800

Um Missverständnissen vorzubeugen: Die X-Pro1 ist keine Messsucherkamera. Aber sie hat wie die X100 einen Hybrid-Socher, also optisch oder elektronisch nach Wahl.

Die Raw-Dateien aus der neuen Kamera werden leider noch nicht von Lightroom unterstützt (aber das ist natürlich nur eine Frage der Zeit), wenn man Raw-Bearbeitung möchte, geht das z. Zt. nur mit der mitgelieferten Silkypix-Software (die ist aber so grottenschlecht, dass ich momentan im allgemeinen darauf verzichte und nur die Kamera-eigenen JPG‘s verwende).

Das ist auch etwas, für das schon die X100 bekannt war: Die JPG-Dateien aus der X-Pro1 sind allererste Sonderklasse, kaum durch Raw-Bearbeitung zu übertreffen. Kann man bei der M9 vergessen, die JPG‘s sind untere Mittelklasse...aber die DNG‘s sind nicht zu toppen!

Loggia

Wenn man die Original-Bilder aus der Kamera auf 100% vergrössert, muss man sich echt die Augen reiben, was für Details noch wiedergegeben werden. Offizielle Messungen bei Dpreview oder DxO-Mark stehen noch aus, aber ich würde sagen, meine Canon 5D II mit 21MP hatte knapp die Auflösung...

X-Pro1 mit Fujinon 35mm bei f/4.0  1/50sec  ISO 640

Loggia

Ungeschärfte 100% Vergrösserung vom vorigen Bild. Es handelt sich um das JPG der Kamera. Wahnsinn.

X-Pro1 mit Fujinon 35mm bei f/4.0  1/50sec  ISO 640

Vlotho in der Morgensonne

X-Pro1 mit Fujinon 35mm bei f/4.0  1/2400sec  ISO 400

Am Mühlrad

X-Pro1 mit Fujinon 35mm bei f/5.6  1/640sec  ISO 200

Narzisse

X-Pro1 mit Fujinon 35mm bei f/1.4  1/1800sec  ISO 400

Magnolienbaum

X-Pro1 mit Fujinon 35mm bei f/1.4  1/2700sec  ISO 200

Sphinx

Leica M9 mit 50mm Summilux bei f/1.4  1/1000sec    ISO 160, ND-Filter 3 Blendenstufen

Samstag, 21. April  2012