Gather, Darkness! *

 

Dienstag, 29. Januar 2013

Das Geisterhaus im Mondlicht

Canon Eos 5D Mark II mit EF 16-35mm f/2.8 L II USM bei f/2.8  HDR aus 4 Bildern  ISO 1250





  1. * „Gather, Darkness“  ist ein Buch von Fritz Leiber, dessen vielseitiges Werk ich sehr schätze, und der zu unrecht nicht mehr sehr bekannt ist.

Als Motto für die Abhandlung über Low-Key Fotografie und Chiaroscuro schien mir dieser Buchtitel gut geeignet.

Die wunderbare Welt der Histogramme...

 
 

...mit besonderem Augenmerk auf die Low-Key Fotografie.


Als ich in vorangegangenen Beiträgen über den Grundsatz „expose to the right“ (ETTR) sprach, gab ich Beispiele von Histogrammen, wie sie sich bei der Bildbearbeitung darstellen. Dabei war wichtig zu wissen, dass es das „ideale“ Histogramm nicht gibt. Aber je nach Beleuchtung und Motiv kann man bestimmte Dinge erwarten, die beim postprocessing von Belang sind.

Bei einer normalen Tageslicht-Szene verteilen sich die Luminanz-Werte gleichmäßig über die Bereiche von ganz Schwarz bis rein Weiss, ohne in die Ränder hineinzulaufen.


Nun fotografiere ich ja oft in Kirchen oder Konzertsälen, dort herrscht erst mal Kunstlicht (Weissabgleich!), zweitens ist das oft nicht sehr hell und drittens ist vieles im Bild nicht richtig ausgeleuchtet.

Aber die stilgetreue Wiedergabe der Lichtverhältnisse ist gerade der Reiz, denn deswegen macht man ja Available-Light Fotografie. Selbstverständlich gilt auch hier der Grundsatz ETTR, nur dass die Histogramme ganz anders aussehen, als bei Tage.


Eine ganze Sparte der Fotografie bezieht sich auf solche Lichtverhältnisse, und die bezeichnet man als Low-Key Fotografie. Das sind aber nicht etwa unterbelichtete Fotos, nein, gemeinsam haben diese Bilder alle, dass sich die grössten Luminanzwerte im unteren Drittel des Histogramms befinden, und zwar deshalb, weil sich im Bild viele dunkle oder sogar völlig schwarze Anteile befinden.


Dieses Stilmittel ist schon vor der Fotografie erfunden worden, nämlich in der Malerei, dort bezeichnet man dies als „Chiaroscuro“ oder französisch „clair-obscure“, also etwa „hell-dunkel“.


Der Betrachter soll sofort das wesentliche erfassen, starke Kontraste lassen das Motiv oft sehr plastisch wirken, die Schatten sind geschlossen und lassen Raum für Spekulation.


So steht eigentlich dieser Stil im krassen Gegensatz zu HDR, wo die Schatten offen sind und klinisch genau alles erfasst wird. So gesehen ist Chiaroscuro wohl gegenüber HDR so viel subtiler, wie ein Reiner Werner Fassbinder-Film gegen einen Blend-A-Med Werbespot...


Einige Beispiele:

Szene aus „Geliebter Adonis“, Oper von Rainer Keiser, Ferienmusikwerkstatt Jugendhof Vlotho

Leica M9 mit Summicron 75mm bei f/2.0  1/90sec  ISO 800

Beim Neujahrskonzert der Musikschule Porta

Leica M9 mit Summilux 50mm bei f/1.4  1/60sec  ISO 640

Zu diesem Bild einmal das zugehörige Histogramm:

Ein typisches „low-key“-Histogramm. Wäre dies ein Bild, dass bei normalem Tageslicht entstanden ist, würde man sagen: Ganz klar unterbelichtet...


Aber Low-Key ist nicht einfach unterbelichten!  Wie bei analoger Schwarzweiss-Fotografie kann es nie schaden, „auf die Schatten“ zu belichten, mit dem Unterschied, eine Grenze zu ziehen, wenn die Spitzenlichter ausbrennen, denn das ist meist nicht schön. Davon ausgenommen sind Lichtquellen, die braucht man nicht zu schonen.

Beim postprocessing nimmt man dann die Tiefen zurück und steigert den Kontrast, dass „zerquetscht“ vor allem Bildrauschen, da man ja meist mit höheren ISO-Werten arbeitet.


Aber Chiaroscuro ist nicht nur bei Porträts anzuwenden:

Berlin Gothic

Leica M9 mit Summilux 35mm bei f/5.7  1/12sec  ISO 1250

Ebenso muss es nicht immer Kunstlicht oder dunkel sein, hier ein Motiv bei Gegenlicht (eine Variante des Gegenlichts, das Streiflicht, kann auch interessant sein):

Zeltplatzromantik

Leica M9 mit Summilux 50mm bei f/2.8  1/3000sec  ISO 160

Damit hier nicht der Eindruck entsteht, dass ich hier nur von Schwarzweiss-Fotografie spreche, hier auch Farbbeispiele für Low-Key:

Spielszene vom „Korea-Besuch

Leica M9 mit Summicron 75mm bei f/2.0  1/90sec  ISO 400

Berlin 2011

Leica M9 mit Summicron 28mm bei f/2.8  1/3000sec  ISO 160

Zeltplatzromantik II

Leica M9 mit Summicron 50mm bei f/4.0  1/15sec  ISO 2500

Der Eingangs erwähnte stilistische Gegensatz von Low-Key und HDR soll auch noch an einem Beispiel gezeigt werden:

Alte Villa

Leica M9 mit Elmarit 21mm bei f/2.8   HDR aus 7 Belichtungen   ISO 160

und das dazugehörige Histogramm

Alte Villa

Leica M9 mit Elmarit 21mm bei f/2.8   1/250sec   ISO 160

und das dazugehörige Histogramm

Hier treffen stilistische Welten aufeinander. Aber dennoch will ich hier nicht sagen, HDR Bilder seien „vulgär“ oder geschmacklos, das tuen schon genügend andere. Welche Technik angewendet wird, ist eine kreative Entscheidung des Fotografen, sie ist zu respektieren. Oft habe ich den Eindruck, dass gerade die grössten Kritiker der HDR-Technik keine Ahnung haben, wovon sie sprechen, weil sie sich in Wirklichkeit nie damit beschäftigt haben, sondern sie, typisch menschlich, pauschal von vornherein ablehnen.


Letztes Low-Key Beispiel (das gehört hier einfach noch hin...):

Meine M3 mit Elmar 50mm

Leica M9 mit Summicron 75mm bei f/4.0  3sec  ISO 160

Jetzt noch eine wichtige Anmerkung zu Kamerainternen Histogrammen: Ich mache eigentlich die Bildrückschau nur, weil ich das Histogramm der Aufnahme sehen will. Die dann gezeigten Histogramme aber sind immer die des intern berechneten JPG-Bildes, das bedeutet, mit eindeutig geringerer dynamischer Breite! Wir sehen ausgebrannte Bildbreiche, die in der Raw-Datei eigentlich noch da sind. Richtet man sich also nach diesen Histogrammen, verschenkt man einen Teil des Potentials der Raw-Aufnahme.

Die einzige Kamera z.Zt., die das Histogramm der Raw-Datei zeigt, ist die Leica M Monochrom (Henri).

Hier ein Beispiel von neulich, beim Schlittenfahren:

Und Schwung!

Leica M9 mit Summilux 35mm bei f/3.4  1/180sec  ISO 160

Das Histogramm dieses Bildes in der Kamera sah so aus:

Die Kurve läuft in den rechten Rand hinein, also eindeutig „ausgebrannte“ Bereiche im JPG-Bild.

Wie man sieht, ist meine Belichtungskorrektur auf +2/3 eingestellt gewesen, gerade richtig bei sehr hellen Motiven wie Schnee oder sonnigem Sandstrand.

Die Raw-Datei in Lightroom zeigt aber etwas ganz anderes:

Von wegen ausgebrannt! Alles da!

Es wird höchste Zeit, dass die Kamerahersteller da was ändern, bei der Monochrom geht‘s ja auch.

Ich hoffe, das vielleicht die neue „M“ auch das Histogramm der Raw-Datei zeigt.


Nach Bearbeitung in Silver Efex sieht das Histogramm so aus:

Dieses gehört also zu dem obigen Bild vom Schlittenfahren.


Nach so viel Abhandlung über Low-Key soll wenigstens einmal auch das Gegenteil erwähnt werden, denn das gibt es als Stilmittel auch: High Key, ein Bild mit viel hellen Anteilen. Als Beispiel ein Porträt:

Porträt im High-Key Stil

Leica M9 mit Summilux 50mm bei f/2.0  1/60sec  ISO 160

Nebenstehend das dazugehörige Histogramm

Die Jahreszeit lädt ein, sich mit Fotografie bei wenig Licht zu beschäftigen. Ich war auch eingeladen, das Neujahrskonzert der Lehrer der Musikschule Porta zu fotografieren, das war eine ziemliche Herausforderung, weil in der Kirche St. Walburga, dem Veranstaltungsort, nur sehr schwaches Licht war. Viel Low-Key eben. Darum das Thema. Trotzdem hat es viel Spass gemacht.


Als bei uns relativ viel Schnee lag, war der Himmel wochenlang grau und verhangen, die Landschaft sah am Tag sehr trist aus. Nicht gerade das, was ich suchte. Ich wollte gern Bilder vom verschneiten Vlotho bei Sonne, oder frostige, vielleicht auch neblige Bilder bei flachem Lichteinfall.

Obwohl ich jeden Morgen lauerte, tat sich gar nichts. Frustrierend! Am letzten Tag, bevor Tauwetter einsetzte, hatten wir dann so einen frostigen Morgen, und ich sah zu, dass ich meine Bilder in den Kasten bekam, denn ich habe auch immer den kommenden Landschaftskalender von Vlotho im Sinn. Der letzte ist schon vor Weihnachten vergriffen gewesen, obwohl ich die Auflage schon gesteigert hatte. Da der Kalender gut angenommen wird und so auch eine sichere Einnahmequelle für den Fördererverein „Freundeskreis Kirchenmusik St. Stephan e.V.“ ist, habe ich eine ausreichende Motivation, auch einen Kalender für 2014 herauszubringen.

An der Saalegge

Leica M9 mit Summilux 35mm bei f/4.0  1/250sec  ISO 160