Immer auf der Suche...

 

Nachthimmel

M9 mit 35mm Summilux Asph. bei f/4.0   32sec  ISO 160

Sonntag, 26. August 2012

...nach Motiven. Seit ich aus Frankreich zurück bin, tue ich mich etwas schwer mit unserer Landschaft. Ich suche ja immer auch nach neuen Blickwinkeln, aber im Augenblick will mir nichts rechtes einfallen. Ist das eine Schaffenskrise? Ich warte mal ab, ob mit dem Spätsommer und Herbst nicht auch neue Inspiration kommt.

Aber „Landschaft“ ist ja nur ein kleiner Teil von dem, was für mich Fotografie bedeutet. Ich hatte in den letzten drei Wochen reichlich anderes abzudecken.

Neulich las ich in einem Blog eines anderen Fotografen, er sei nun glücklich, sich nur auf ein Genre der Fotografie zu beschränken, so könne er seine gesamte Kreativität da hinein geben. Ich glaube, er postulierte dabei, dass sozusagen das „Potential“ geteilt wird, wenn man mal dies, mal jenes macht.


Also, so unüberschaubar sind die Disziplinen der Fotografie nun auch wieder nicht, dass man nicht wenigstens einige gleichzeitig abdecken kann, ohne in kreative Verwirrung zu geraten.

Ich finde das gerade bei meinem Hobby faszinierend, dass ich an einem Tag morgens um Vier an der Weser stehe und Landschaftsfotos mache (das ist so ähnlich entspannend wie angeln), dann z.B. wieder ein Event bei Low-Light fotografiere, was jeweils ganz andere Erfordernisse in sich birgt.


Das Bild oben ist sozusagen ein „Abfallprodukt“ der zwei Nächte, die ich mir vor zwei Wochen um die Ohren geschlagen habe, als ich darauf aus war, Sternschnuppen zu fotografieren, denn die Perseiden sind immer um den 12. August herum zu beobachten.

Ich habe übrigens auch Sternschnuppen erwischt, aber es hat wenig Effekt, hier im Web so klein die Bilder vom Nachthimmel (wenn auch mit Vlotho im Hintergrund) zu zeigen. Die muss man schon etwas grösser betrachten können.

Schmetterlinge

Fast Makro...neulich beim Wandern am Hohenstein

M9 mit 90mm Summarit bei f/4.8   1/1000sec  ISO 160

Also, mir macht es gerade Spass, dass ich mich auf verschiedene (Licht-)Situationen sofort einstellen kann. Die Auswahl von Objektiv, Blende, Belichtungszeit, ISO-Zahl und dann die eigentliche Bildkomposition stellen trotz der an sich überschaubaren Parameter ein komplexes System dar. Ein wirklicher Fotograf macht nicht zufällig ein gutes Foto. Schon beim betätigen des Auslösers hat man im allgemeinen eine Vorstellung davon, was dabei herauskommen soll. Das heisst natürlich nicht, dass das Ergebnis auch immer dem entspricht...

Profi-Fotograf mit Model,

die mir in Nimes über den Weg liefen. Er hatte den Rucksack voller Objektive...

M9 mit 50mm Summilux Asph. bei f/1.4  1/1000sec  ISO 160,  ND-Filter 3 Blendenstufen

Das obige Foto bringt mich noch auf eine andere Sache, die viele als unverzichtbar oder selbstverständlich betrachten: Zoom-Objektive und lange Brennweiten.

Wenn ich die Bilder ansehe, die ich mit meinen Canon-Eos Kameras (einschliesslich der 5 DII) gemacht habe, so stelle ich fest: Keines der wirklich guten Fotos ist mit einer längeren Brennweite als 100mm gemacht.

Tatsächlich sind die meisten „Keeper“ bei 24 - 50mm entstanden.

Aus dieser Tatsache heraus habe ich ja längst die Konsequenz gezogen, im allgemeinen mit höchstens drei Objektiven loszuziehen. In den Städten meistens 21 - 28 - 50mm (bei wenig Licht statt 28 Summicron das 35mm Summilux), bei anderen Gelegenheiten (Wandern) z.B. 28 - 50 - 90mm.

Aber in Städten, z.B. Berlin, oder neulich in Avignon, habe ich für mich festgestellt, dass ich praktisch mit dem 28mm Summicron alleine vollkommen zufrieden bin.

Die Zoom-Objektive werden immer monströser, man hat schon einiges zu schleppen. Dabei haben selbst die besten ihrer Art von Nikon oder Canon höchstens eine Lichtstärke von 2.8, „weiche“ Randbereiche bei voller Öffnung und reichlich Distortion.

Sicher, gegen meine Argumentation kann man halten: Ein Sensor, der hohe ISO-Zahlen rauscharm verträgt, gleicht die schwache Lichtstärke aus und die Verzerrung kann im Post-Processing begradigt werden (nicht aber die schlechte Auflösung!).

Trotzdem sehe ich nicht ein, mich mit so einem Klotz abzuschleppen. Selbst wenn ich eine „dicke“ DSLR hätte, würde ich zwei schöne Festbrennweiten (lichtstark) einstecken und hätte immer noch weniger Gewicht insgesamt zu tragen.

Jugendhof während der Ferienmusikwerkstatt, Pause vor der Oper

Für die Ferienmusikwerkstatt hatte ich letztes Jahr einen eigenen Blog-Beitrag. Obwohl ich auch dieses Jahr eine Reihe Fotos gemacht habe, müssen die nicht alle gezeigt werden. Sie sind für die Teilnehmer interessanter.

M9 mit 21mm Super-Elmar bei f/3.4   16sec  ISO 160

Noch etwas: Der Drang, ständig neue Kameras, Objektive oder Ausrüstung überhaupt zu kaufen, führt nicht zu besseren Bildern. Im Gegenteil. Ständig muss man sich an neue Teile gewöhnen.

Ich spreche aus Erfahrung, und jeder, der meine Webseite (oder mich persönlich) kennt, wird jetzt natürlich grinsen. Denn ich bin natürlich nicht frei vom G.A.S. (Gear - Acquisition - Syndrome). So nennt man das Phänomen, das unter vielen Fotografen (auch Profis) verbreitet ist.


Aber es ist natürlich gut, wenn man sich dessen wenigstens bewusst ist. Es ist ganz klar so, dass ich ausschliesslich mit der M9 fotografiere, obwohl ich z.B. die X-Pro1 habe. Obwohl es Gelegenheiten gibt, wo ich bestimmte Eigenschaften der X-Pro1 nutze (z.B. beim Konzert der Musikschule Porta), muss ich mir eingestehen, dass ich eigentlich komplett auf diese Kamera verzichten könnte. Ich behalte sie nur, weil ich sie als Backup brauche.


Wohlgemerkt: Eine tolle Kamera, gerade mit der neuen Sensortechnologie, rauscharm und ohne Moiré-Filter, dazu gute Systemobjektive. Die direkten Kontrollen sind ein weiterer Pluspunkt (Knöpfe für die wichtigsten Funktionen, Blendenring, Einstellrad für die Belichtungszeiten). Aber vieles ist noch nach japanischer Art unüberschaubar oder unlogisch.

Warum z.B. Belichtungs-Bracketing mit höchstens 1EV Abstand? Für HDR müsste man mindestens 2EV haben. Will man, so wie ich, ab und zu mal die eine oder andere Automatik abschalten, muss man sich jedes mal durchs Menü quälen, das auch nicht gerade durch Strukturiertheit glänzt. Oder manuelles Fokussieren: Kann man durch die „fly by wire“-Technik des Fokusrings am Objektiv vergessen, genauso Zonenfokus (keine Entfernungsskala). Dadurch kommt es, dass bei dieser Kamera gelegentlich der FBF - Faktor durchkommt. FBF steht für „Fluchen beim Fotografieren“...


Der Gerechtigkeit halber muss hinzugefügt werden, dass der bei den meisten anderen Kameras wesentlich höher ist.


Mit der X100 ist es etwas anderes: Sie ist perfekt, wenn ich eine Kamera in die Tasche stecken will und trotzdem Super-Bildqualität haben möchte. Von der würde ich mich nicht so leicht trennen.

Meine mehr nostalgischen Exkurse, wenn ich mal zur M2 oder M3 greife, würde ich nicht unter G.A.S. einordnen, denn dabei will man ja immer das modernste Equipment erwerben unter der irrigen Vorstellung, dass das auch die besten Bilder erzeugt.


Wenn Leica, wie es die Gerüchte verlauten lassen, auf der Photokina im September die neue M10 (wenn sie so heisst, jedenfalls das Nachfolgemodell der M9) vorstellt, wird diese vermutlich im März 2013 ausgeliefert.

Dann werde ich drei Jahre mit der M9 fotografiert haben, in diesen Zeiten mit „digital Rot“ eine lange Spanne. Insofern bin ich schon „geheilt“, denn vorher musste es jedes Jahr das neueste Canon-Modell sein...

Die M10 wird schon ein paar Eigenschaften haben, die ich bei der M9 vermisse. Sie wird alles behalten, was ich an der M9 so schätze, aber zusätzlich einen rauschärmeren Sensor und Life-View besitzen. Das wird das Spektrum der Möglichkeiten sehr erweitern und das schielen auf eine zusätzliche DSLR überflüssig machen.

Denn zugegeben: Es kommt schon vor, dass ich denke, „vielleicht doch eine Canon 5D Mark III“...aber dann mache ich mir klar, dass die sowieso nicht besser ist, als die Mark II, die ich verkauft habe. Davon abgesehen kann die für meine Erfordernisse nichts besser als die M9. Also ganz eindeutig ein Anfall von G.A.S.

Aber wenn eines Tages die M10 bei mir ist, werde ich die X-Pro1 sicher verkaufen, denn ich werde die M9 behalten. Digital Rot hin oder her, die M‘s sind immer Klassiker. Man betrachte nur die M8, die trotz ihrer Schwächen als erschwingliche Messsucher-Kamera gebraucht sehr beliebt ist, ausserdem eine in ihrer Klasse einzigartige Bildqualität liefert, die auch (von hohen ISO-Werten mal abgesehen) die neuesten Kameras mit APS-C (ähnlichem) Sensor in den Schatten stellt.

Sarabande, Ferienmusikwerkstatt

M9 mit 35mm Summilux Asph. bei f/4.0   1/45sec  ISO 1250

Hexen, Ferienmusikwerkstatt

M9 mit 35mm Summilux Asph. bei f/4.0   1/45sec  ISO 1250

Schliesslich muss ich mir auch mal Gedanken machen, wie es mit der Webseite weitergehen soll. Langsam wird sie mir zu unüberschaubar. Eigentlich würde ich gerne „Tutorials“, also die Beiträge, in denen ich Tipps zu fotografischen Techniken gebe, auf eine gesonderte Registerkarte legen. Bisher waren im Blog solche Sachen bunt gemischt mit Reportagen oder anderem.

Also muss ich mal „abspecken“ und anders ordnen. Mir ist auch schon mal in den Sinn gekommen, ganz neu anzufangen, aber das braucht noch mehr Zeit.

Jedenfalls überlege ich, mehr Beiträge zur Technik, Bildgestaltung und auch Nachbearbeitung zu schreiben und sie gesondert auf dieser Seite abzulegen, dafür anderes zu kürzen oder zu löschen.

Naja, der Winter ist ja lang...

Mal was ganz anderes: Porträt von unserem Pferd

M9 mit 50mm Summilux Asph. bei f/1.4  1/60sec  ISO 640