Lokalkolorit

 

Eine Nachlese, und etwas zum Thema Filmemulation

Samstag, 18. Mai 2013

Abendsonne

Leica M mit 90mm Summarit bei f/5.6   1/250sec    ISO 200

 
 

Unter Lokalkolorit (frz. „couleur locale“) versteht man die Eigenart und Atmosphäre, die einen Ort oder eine Gegend ausmachen.

Obwohl darin das Wort Couleur („Farbe“) enthalten ist, geht das auch ganz gut mit Schwarzweissbildern.

In den Orten Aubenas und Vallon Pont d‘Arc habe ich auch viel fotografiert, neben der üblichen Dokumentation im Zeltlager, beim Kanufahren und den unvermeidlichen Landschaftsbildern.


Jetzt kommt vielleicht der Gedanke: Meine Güte, der Mann ist total besessen, sozusagen „cameraholic“. Aber dort war es ganz klar, dass ich die Kamera einfach immer dabei hatte. Und warum auch nicht? Denn das ist ja der Vorteil einer M-Kamera, dass sie, einfach umgehängt, überhaupt nicht stört.

Dann muss man mir noch zugute halten, dass ich natürlich die „Neue“ unbedingt ausführen wollte.


In Aubenas war Markttag, als ich dort war. Immer wieder schön, so einen südfranzösischen Markt zu besuchen. Grenzt an Reizüberflutung...


Trotz meiner eher übermässigen Auswahl an Objektiven wechsele ich kaum bei so einem Marktbesuch (schon eher bei Landschaftsfotografie), das 28mm Elmarit oder Summicron in der Stadt reicht meist für alles. Man muss sich eben seine Blickwinkel suchen, aber ich empfinde das im Grunde einfacher als z.B. mit einem Zoom-Objektiv.

Ich stelle jedesmal fest, dass die zwei oder drei Objektive, die ich noch dabei habe, in der Tasche geblieben sind.

Doch halt: In der Kirche war ich froh, dass ich das 12mm Voigtländer dabei hatte.

Markt in Aubenas

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   1/1000sec    ISO 200

Die Rotisserie

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/2.8   1/2000sec    ISO 200

Es ist spannend, über den Markt zu gehen und die kleinen „Geschichten“ einzufangen. Bei so vielen Menschen bin ich mit der Kamera total unauffällig. Auch wenn ich das Argument schon hundertmal breitgetreten habe: Es ist nicht egal, wie die Kamera aussieht. Je grösser und „spaciger“ das Teil wirkt, desto weniger entspannt sind die Menschen davor.


In den Gassen war es noch sehr schattig, als ich dort war. Ich hätte ohne zu zögern ISO höhergestellt, war aber nicht nötig. Was mir bei der Bearbeitung der DNG‘s zu Schwarzweisbildern auffiel, war, wie viel noch aus den Schatten herausgeholt werden kann (und das war bei der M9 schon echt gut!). Klar: Mehr Dynamik - mehr Tonumfang.


In der Kirche dann wieder die neuen Vorteile :

1. ISO 3200 - kein Problem

  1. 2.Schnell den Elektronischen Sucher aufgesteckt -Bildkompsition, ein Versuch reicht.

  2. 3.Aus der Hand, Ministativ kann in der Tasche bleiben (oder ganz zu Hause).

  3. 4.Dynamik: Von ganz hell bis ganz dunkel, alles drauf. HDR-Technik überflüssig.


Die „M“ verwandelt sich sozusagen in Sekunden in eine andere Art spiegelloser Kamera. Auf der Strasse ist sie als klassische Messsucherkamera benutzt ja viel schneller.

Kreuzgewölbe

Leica M mit 12mm Voigtländer Heliar  bei f/5.6   1/25sec    ISO 3200

Damit meine ich, dass mit Live-View, was auch für den elektronischen Sucher gilt, man mehr Verzögerung beim auslösen in Kauf nehmen muss (eigentlich hat man ja sonst überhaupt keine spürbare Verzögerung, das ist ja gerade der Vorteil). Das kommt daher, das bei Live-View natürlich der Sensor frei ist und an das Display oder den Sucher „sendet“, wenn man aber auslöst, zunächst der Verschluss wieder zugeht, dann für die Belichtungszeit geöffnet wird, was einfach dauert.

Das Gleiche ergibt sich, wenn man die Belichtungsmessmethode wechselt, denn die M bietet jetzt auch die Möglichkeit der Mehrfeld- und der Spotmessung. Die „klassische Messmethode“ ist eine Mittenbetonte Messung. Dabei wird die Reflektion auf den Verschlusslamellen gemessen, bei den neueren Alternativen wird aber natürlich vom Sensor direkt gemessen, was den gleichen Nachteil wie bei Live-View zur Folge hat.

Das stört mich allerdings nicht die Bohne, denn ich habe mich so gut an die Mittenbetonte Messung gewöhnt, dass ich gar nichts anderes will. Ich schwenke oft die Kamera auf die Motivbereiche, die ich optimal belichten will, dann „rekomponiere“ ich den Bildausschnitt und mache das Foto. Das geht in Fleisch und Blut über.

Schönes „Feature“ bei Live-View: Drücke ich den Auslöser halb durch, zeigt der Bildschirm (oder Sucher) eine Vorschau der zu erwartenden Belichtung bei der eingestellten Blende und Belichtungszeit.

Die Kategorie „Skurrile Typen“

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/2.8   1/250sec    ISO 200

Aber, bei aller Liebe zur Schwarzweissfotografie ist manches doch für Farbe prädestiniert, bei schönem Wetter ist das Markttreiben wirklich bunt, dazu noch die Kulisse des historischen Stadtkerns und der allgegenwärtigen Platanen, da braucht man Farbe...

Nougat

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8   1/1000sec    ISO 200

Die Farbe der „M“ ist doch der der M9 sehr ähnlich, und das ist natürlich Absicht. Man möchte bei Leica den „Film-Look“ beibehalten, um sich von fernöstlichen Herstellern abzugrenzen.

Ich finde das auch sehr gut gelungen, wer es gedämpfter mag, kann ja die Sättigung vermindern oder sich überhaupt ein anders Farbprofil „stricken“. Aber nehmen wir die obige Szene: Es war sonnig, es war bunt, die Bäume leuchteten grün, das gibt alles so wieder wie ich es empfand...das dabei die Farben natürlich nicht identisch zu den realen Farben sind, spielt doch keine Rolle, solange alles im richtigen Verhältnis steht. Bei Nikon, Canon oder Fuji - Farben würde man auch nicht schreiend davonrennen, aber sie wären eben anders, genau wie früher ein Kodak-Film anders als ein Agfa-Film war. Reine Geschmacksache.

Das bringt mich auf einen längeren Exkurs: Das Thema Farbe bei der „M“ erzeugte epische Threads im Leica-Forum, völlig idiotische Diskussionen. Jono Slack, der die M wie schon die M9 getestet hat, schaltete sich sogar netterweise ein: Er (der Profi) konnte überhaupt nicht verstehen, worüber diese Erbsenzähler sich eigentlich aufregten. Er hatte sich über die Farbe nicht die geringsten Sorgen gemacht. Sie „gehörte einfach so“, period.

Ich weiß nicht, ob es an mir liegt (ob die „Haut dünner wird“) oder ob sich das Leica-Forum verändert, jedenfalls verliere ich mehr und mehr die Geduld mit diesen ellenlangen Threads, in denen jeder triviale Umstand total verdreht wird nach Karl Valentins Motto: „Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem!“

Da war zum Beispiel ein Thread, der davon handelte, dass Steve Huff (ein bekennender Leica-Fan) seine „M“ kurzfristig aus wirtschaftlichen Gründen verkaufen musste, die er sogar auf seiner Webseite genau dargelegt hatte, und wie schwer ihm das fiel, sie abzugeben etc.

Da kommen Seitenweise Verunglimpfungen auf den armen Steve und überhaupt auf alles was er je geschrieben hat, abartig. Wer moderiert da eigentlich?

Seit ich „Lord of the Rings“ gelesen habe, sind mir nicht mehr so viel Trolle begegnet wie in solchen Threads.

Soviel dazu.


Film-Emulation

Seit ein paar Jahren habe ich eine direkte Verbindung zur Entwicklungsabteilung von DxO, als ich einmal einen „Bug“ in ihrer aktuellen Programmversion (damals DxO Version 5) aufspürte.

Sie luden mich daraufhin ein, beim testen der zukünftigen Versionen teilzunehmen. Alpha-testen ist ziemlich spannend, damals waren wir froh, wenn das Programm nicht alle 30 Sekunden abstürzte. Das wurde im Verlauf natürlich rapide besser, die Versionen 6, 7 und 8, bei denen ich beteiligt war, laufen natürlich in der „Final-Version“ völlig glatt. Für meine Canon-Dateien bevorzugte ich auch noch DxO als Raw-Converter, dann aber gewöhnte ich mich so gut an Lightroom, dass ich damit bis heute meist arbeite.

Zur Zeit wird ein neues Film-Emulations Programm getestet. Auf dem Markt ist zur Zeit DxO Film-Pack 3, man kann sich denken, was ich jetzt teste...

Solche Emulationsprogramme sind nette Spielereien, bei Silver Efex z.B. sind alle möglichen klassischen S/W-Filme enthalten, da kann man schnell mal ein Foto mit Kodak Tri-X simulieren. Und ich muss sagen, da ich den „echten“ Tri-X ja schon benutzt habe, die Ergebnisse sind verblüffend echt. Könnte ich so von einem eingescannten Negativ nicht unterscheiden. Ausser, man guckt in die Exif-Daten.

„Blond“ mit Kodak Tri-X aus Silver Efex (die Körnung ist wahrscheinlich nicht so gut zu sehen)

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/1.4   1/500sec    ISO 200    ND-Filter

Nun sind bei DxO Film Pack 3 auch alle möglichen Farbfilme (Dia- und Negativfilme) neben den üblichen S/W-Filmen enthalten.

Ich will mal so sagen: Der Trend geht jetzt dahin, dass man noch mehr Filter applizieren kann, ähnlich wie bei Smartphone-Programmen wie Snapseed, Hipstamatic, Tadaa und vielen mehr. Spielerei eben.

Marktplatz von Aubenas

Fuji Velvia Filmsimulation mit „unbekanntem“ Programm. Div. Filter überlagert, die implizieren, das jemand mit diesem Dia nicht gut umgegangen ist...

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   1/1000sec    ISO 200

Im letzten Jahr hatte ich meine Leica M2 dabei und mit Kodak Ektar auf dem Markt von Vallon fotografiert. Jetzt mache ich mal einen Rundgang mit Filmsimulation Kodak Ektachrome (Die Dias sind wohl irgendwie nicht so sorgfältig aufbewahrt worden, ts, ts ):

Ortseingang von Vallon Pont d‘Arc

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   1/1000sec    ISO 200

Am Marktplatz, das Dia ist ziemlich verfärbt, wohl das Alter...

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   1/180sec    ISO 200

Wo‘s den Ramsch für Touristen gibt...

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/3.4   1/1000sec    ISO 200

Und das ist nur der Betrieb in der Vorsaison...

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8   1/1000sec    ISO 200

Der Blick vom Kirchplatz

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/3.4   1/3000sec    ISO 200

Die Jagt auf Seifenblasen

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.8   1/500sec    ISO 200

Vorsicht, allein das Betrachten der Auslage kann für Diabetiker gefährlich sein...

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/4.0   1/250sec    ISO 200

Ortsausgang

Leica M mit 28mm Elmarit asph. bei f/3.4   1/3000sec    ISO 200

Okay, dann reicht‘s irgendwann. Alle Fotos sind übrigens mit demselben Preset überlagert. Aber zum Thema Lokalkolorit bin ich ja doch noch zurückgekommen...


Ich stelle übrigens fest, dass die M-Dateien sich für die Film-Emulation sehr gut eignen, weil sie inzwischen wieder einen filmähnlichen Dynamikumfang haben, so dass der Effekt verblüffend echt ist. Nur sind die Fotos zu scharf...das ist bei echtem (Kleinbild-)Film nicht so zu erreichen.


Hier ist noch eine andere Methode zur Filmemulation, die ich gefunden habe:


Camillo,  Tri-X Stil

Leica M9 mit 50mm Summilux asph. bei f/4.0   1/125sec    ISO 160    ND-Filter

Nachdem ich jetzt erfolgreich komplett vom Thema abgekommen bin, reisse ich mich am Riemen und „rudere“ (oder sollte ich sagen: „paddele“) zurück:

Eine von unseren Kanuten ist freie Mitarbeiterin der Lokalzeitung, sie hat einen Artikel über die Ardèche-Fahrt geschrieben, der diese Woche erschienen ist. Da konnte ich ein paar meiner Bilder im Druck sehen. Der Untertitel war so was wie: „Mit Schräglage und Querflöte“...


Mit Bildern von der Ardèche könnte ich noch diverse Beiträge füllen, aber jetzt richte ich meinen Blick lieber voraus. Ich hoffe, dass bald der R-Adapter für die M eintrifft, dann gibt es sicher wieder Neues zu berichten.

Der Ersatzakku ist schon gekommen, obwohl ich wirklich sagen muss, dass man den nur braucht, wenn man exzessiv den ganzen Tag mit Live-View fotografiert. Ich habe es bisher nicht geschafft, den Akku bis zum Abend zu leeren, obwohl ich (surprise) nicht sparsam bin beim füllen der Speicherkarte...


Statt übrigens im Forum herumzuquengeln, was für schlimme Bugs noch in der derzeitigen Firmware versteckt sind, habe ich eine Mail mit meinen Beobachtungen direkt an Leica geschickt, dabei nicht vergessen, die Kamera zu loben.

Man bedankte sich artig und versicherte mir, dass man bereits an der neuen Firmware arbeite.


Was die Ardèche betrifft, so hoffe ich, dass ich auch nächstes Jahr dabei sein kann, so Gott will.

Pont d‘Arc

Leica M mit 12mm Voigtländer Heliar  bei f/5.6   1/180sec    ISO 200

Interessante Methode...ich bevorzuge die digitale Variante...


Aber (ausser jetzt, da ich das neue Programm teste) ich arbeite nicht oft mit so etwas. Das ist natürlich was für lange Winterabende, wenn man nichts vor die Linse bekommt...sonst gehe ich lieber heraus und mache neue Fotos, denn mir macht das mehr Spass als die Bildbearbeitung, die zwar absolut notwendig ist, aber nicht mehr Zeit als nötig in Anspruch nehmen sollte.


Vielleicht hat es auch seinen Stellenwert, wenn man mal ein besonderes Bild für Zuhause (an die Wand) fertig macht. Ich habe z.B. ein S/W-Porträt von unserem Pferd mit Körnung versehen, das grossformatig auf Leinwand gedruckt wurde.