Der lange Abschied

 

...von der M9

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Meine M9 mit 50mm Summicron (Bj. 1986). Das Objektiv habe ich selbstverständlich nicht verkauft...

Leica M mit 50mm Summilux asph. bei f/8.0  12sec    ISO 200

 
 

„Der lange Abschied“ („The long Goodbye“) ist ein Buch von einem meiner Lieblingsautoren, Raymond Chandler.

Daran muss ich denken, jetzt, da ich die M9 doch verkauft habe. Hatte ich hier nicht mehrmals behauptet, ich werde sie behalten?

Ich zitiere hier mal Konrad Adenauer: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, nichts hindert mich, weiser zu werden....“


Seit ich die M (Typ 240) im April bekam, habe ich die M9 eigentlich nicht mehr benutzt. Ich hatte sie noch an der Ardéche mit, als „Backup“, aber eigentlich bin ich als Amateur auf so etwas nicht angewiesen (für einen Profi ein Muss!). Im Sommerurlaub war ich schon etwas entspannter und hatte Die Fuji X100s als Zweitkamera mit, das reichte.

Für‘s Feuerwerk beim Stadtfest habe ich sie noch mal gebraucht, das war ihr letzter Einsatz.

In die Hand genommen habe ich sie schon noch öfter, die Schwere gefühlt, über die Ecken gestrichen, wo das Messing durchkommt. Aber das Problem ist: Die M kann alles, was die M9 kann und in manchen Dingen ist sie einfach ein bisschen komfortabler. Wenn man dann erst mal verwöhnt ist...


Aber ein wenig wehleidig möchte ich schon werden. Die M9 hat „Kamerageschichte“, jedenfalls für mich, geschrieben. Es ist ein Fakt, dass ich durch die Inspiration dieser Kamera in eine fotografisch erfüllende Phase meines Lebens eingetreten bin, die jetzt mit der M (hoffentlich) weiter anhält.

Meine M9 hat unglaublich viel ausgehalten: Extreme Kälte und Wärme, Stösse und Feuchtigkeit, dabei immer exakt funktioniert, hat mich nie im Stich gelassen. Das habe ich ja auch schon anders gehört, aber meine Erfahrung ist eben so. Scheint bei meiner neuen M übrigens so fortzusetzen.

Diese intensive Verbindung zur Kamera als Werkzeug kannte ich von der Canon 5D Mark II nicht.


Jetzt bin ich aber zu der Erkenntnis gekommen, dass es für mich nicht sinnvoll ist, die Kamera aus sentimentalen Gründen zu behalten. Anders als die analogen Modelle muss so eine Kamera in Benutzung sein, man kann sie nicht einfach einlagern. Also entschloss ich mich jetzt, nach einem halben Jahr, doch Abschied zu nehmen.

Der Sensor brandneu und der Messsucher justiert, brachte die Kamera mal gerade einen Tag bei eBay zu, dann war sie verkauft.


Ich habe mich inzwischen so an die neue M gewöhnt, dass ich bei der M9 schon manchmal überlegen musste, wie da bestimmte Funktionen angelegt sind.

Natürlich, würde ich die M nicht kenne, käme ich mit der M9 auch weiterhin gut klar. Aber jetzt bin ich verdorben...


Sie wird (die M), glaube ich, auch mein „Flaggschiff“ bleiben, Sony A7r hin oder her. Inzwischen hat sich der Hype ja ein bisschen gelegt, eine gewisse Phase der Ernüchterung folgt. Der Gebrauch von M-Objektiven an der A7 scheint bei Brennweiten unter 28mm z.B. problematisch zu sein. Die Kamera wird wohl am besten mit den dafür gedachten Objektiven funktionieren, wie meistens in solchen Fällen. Dann hat sich jetzt ja wohl auch noch Nikon in‘s Rennen begeben, wir dürfen gespannt sein. Ich habe jedenfalls noch nichts bestellt, ich warte, anders als bei der M, erst mal ab.

Was soll‘s, was immer da kommt und wie toll das auch werden mag, unterm Strich wird die Verbesserung der Bildqualität z.B. gegenüber dem, was ich jetzt schon habe, marginal sein. Es ist also nur pure Spielerei, wenn ich eine der neuen Kameras anschaffen sollte.

Als fotografisches Werkzeug für meine Bedürfnisse hat die M bereits jetzt alles (und mehr) als ich brauche...

Sonnenuntergang über dem Luberon, letztes Jahr in der Provence

Leica M9 mit 28mm Summicron asph. bei f/2.0  1/350sec    ISO 160